17.02.2026 - 17:46
03.06.2025 - 14:30 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Emilie Bitsch
„Ich glaube bis zum letzten Tag an die EM“ – Lydia Andrade über Verletzung, Comeback und dem Traum von der Heim-EM
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Lydia Andrade hat in ihrer Karriere schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Die 26-jährige Offensivspielerin wagte früh den Schritt ins Ausland, spielte in Deutschland unter anderem für den SV Meppen und RB Leipzig – und trägt nun das Trikot des 1. FC Köln. Nach einer langen Verletzung kämpft sich die Schweizer Nationalspielerin mit viel Entschlossenheit zurück. Ihr Blick geht klar nach vorn: Sie möchte noch auf dem EM-Zug einsteigen, welche in ihrem Heimatland stattfinden wird. Im Interview mit Soccerdonna spricht sie über ihre Zeit in der Schweiz und in Deutschland, ihre erste Berufung für die Nationalmannschaft mit 25 Jahren – und weshalb sie fest an ihre EM-Chance glaubt.
Soccerdonna: Lydia, bevor Du den Schritt nach Deutschland gegangen bist, war die Schweiz lange deine Heimat. Dort hast Du einige Zeit beim FC Zürich gespielt. Welche Herausforderung war es für Dich, deine Heimat zu verlassen und in ein komplett neues Land zu wechseln?
Lydia Andrade: Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen, bis ich 2022 mich dazu entschieden habe, ins Ausland zu gehen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich den Mut habe diesen Schritt zu gehen. Ich habe gemerkt, dass das ein guter Schritt ist, aber es war zugleich ein riesiger. Die einzige Herausforderung war, mich von meinen Freunden und meiner Familie zu trennen. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich, weil ich als Mensch dadurch gewachsen bin. Ich bin selbstständig geworden. Anfangs habe ich die ersten Tage und Wochen meine Familie und engen Freunde vermisst. Mein Gedanke war, dass ich jetzt im Ausland bin, meinen Traum lebe und Bundesligaerfahrung sammle. Als ich sie wieder gesehen habe, habe ich mich gefreut. Ich hatte nicht das Gefühl, wieder in die Heimat zu müssen. Es war das Gefühl von Dankbarkeit und Freude, die ich gespürt habe, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Soccerdonna: Wie war die Zeit für Dich damals in der Schweiz zum Vergleich mit dem Leben hier in Deutschland?
Lydia Andrade: Ich war damals noch jung und in meiner Komfortzone. Die Professionalität in der Schweiz habe ich noch nicht gesehen, denn dort musste ich nebenbei arbeiten. Deswegen war das Leben dort anders. Als ich ins Ausland gegangen bin, ist mir klar geworden, dass ich nun eine Profispielerin bin. Ich muss nicht mehr nebenbei arbeiten und ich kann meine Zeit genießen. Wenn ich morgens aufstehe, muss ich mir keine Sorgen machen, neben dem Training noch Arbeiten zu gehen. Diese Momente sehe ich als Privileg, denn es ist nicht überall möglich, Profi zu sein. Damals in der Schweiz gab es nicht diese Möglichkeit. Mittlerweile hat es sich auch dort gewandelt, zumindest bei einigen Vereinen. Wenn ich beide Zeiten vergleiche, sehe ich auch eine Entwicklung im fußballerischen und menschlichen Bereich bei mir. Für mich ist das aber auch nicht alles selbstverständlich. Ich habe mir das alles erarbeitet und sehe nun, wo ich war und wo ich jetzt stehe. Vor meinem Wechsel 2022 hätte ich niemals gedacht, dass ich an diesem Punkt bin.
Soccerdonna: In diesen drei Jahren in Deutschland ist bei Dir einiges passiert. Dein Weg hat Dich zunächst zum SV Meppen geführt, danach warst Du zwei Jahre bei RB Leipzig – und jetzt bist Du beim 1. FC Köln angekommen. Du sagtest selbst, dass Du Dich weiterentwickelt hast. In welchen Bereichen denn?
Lydia Andrade: Wenn ich den Fußball von der Schweiz und Deutschland vergleiche, würde ich sagen, dass ich mich im taktischen und physischen Bereich sehr entwickelt habe. Die Liga ist deutlich besser, aber ich kann mithalten. Auch die Entscheidungen auf dem Spielfeld fallen mir leichter. Insgesamt habe ich im fußballerischen Bereich einen Riesenschritt gemacht.
Soccerdonna: Neben deinem Wechsel ins Ausland, welcher Moment hat Dich am meisten geprägt, persönlich aber auch sportlich?
Lydia Andrade: Die Berufung zur schweizerischen Nationalmannschaft mit 25 Jahren. Das war etwas, was ich schon lange wollte. Etwas, wofür ich lange gekämpft habe und immer daran geglaubt habe. Wenn du 25 bist, so wie ich, denkst du, dass die Zeit dafür vorbei ist. Ich habe mir immer einen Kopf gemacht und mich gefragt, wann die Berufung kommt, und was muss ich noch dafür tun muss. Irgendwann habe ich es nicht mehr hinterfragt. Wenn es irgendwann kommt, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Wenn nicht, weiß ich, dass ich alles gegeben habe. Vor einem Jahr kam eine Mail, dass ich für den nächsten Lehrgang für die Nationalmannschaft berufen werde. Das war ein sehr schöner Moment. Diese harte Arbeit, der ganze Weg und der ganze Aufwand hat sich ausgezahlt. Vor allem auch, weil ich das seit Klein auf immer geträumt habe.
Soccerdonna: Vergangenes Jahr durftest Du im Spiel gegen Aserbaidschan debütieren. Wie war es für Dich in so einem Moment für die Schweiz aufzulaufen?
Lydia Andrade: Als ich damals in den Lehrgang gegangen bin, hatte ich keine Erwartungen. Ich war froh, dass ich dabei war und schnuppern durfte. Das erste Spiel gegen die Türkei zu Hause war ich auf der Bank und meine Familie war im Stadion. Als ich die Hymne gehört habe, war das ein Wahnsinnsgefühl zu Hause vor den eigenen Fans, das war sehr besonders. Da bekam ich noch keinen Einsatz. Vor dem zweiten Spiel gegen Aserbaidschan auswärts hatte Trainerin Pia Sundhage mir gesagt, dass sie mir einige Minuten geben wird. Ich habe mit zehn bis fünfzehn Minuten gerechnet, aber als sie mir in der Halbzeitpause sagte, dass ich jetzt reinkomme, wurde ich etwas ins kalte Wasser geschmissen, da ich es nicht erwartet hatte. Ich wusste, ich habe lange dafür gearbeitet und immer davon geträumt. Jetzt musste ich zeigen, was ich draufhabe. Als ich reinkam, habe ich mich befreit gefühlt. Auch meine Mitspielerinnen haben sich alle für mich gefreut. Ich wusste, dass meine Familie in der Schweiz jetzt zu schauen und vor Stolz platzen. Für mich war es die schönste Halbzeit, die ich gespielt habe.
Soccerdonna: Hättest Du erwartet, dass Du fünf Spiele für die Schweiz bestreiten wirst?
Lydia Andrade: Um ehrlich zu sein, nein. Aber ich habe es trotzdem immer manifestiert. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich irgendwann für die Nationalmannschaft spielen werde. Aber nicht, dass ich mittlerweile fünfmal für sie gespielt habe.
Soccerdonna: Derzeit laufen die Nations League Spiele. Du bist diesmal nicht nominiert. Wie siehst Du die Entscheidung? Hattest Du davor eine die Absprache mit dem Trainerteam?
Lydia Andrade: Derzeit stehe ich für die Spiele auf Abruf für das Team. Ich hatte keine Absprache mit dem Trainerteam, aber ich komme damit klar. Ein Punkt ist sicherlich meine viermonatige Verletzung. Diese Zeit war nicht einfach. Ich konnte zumindest die letzten vier Spiele bei Leipzig spielen, aber das reicht nicht aus. Es ist aktuell wichtig, dass ich wieder fit und gesund werde. Ich bin trotzdem immer noch ein Teil vom Team. Wenn es mich braucht, bin ich da.
Soccerdonna: Die Heim-EM in der Schweiz rückt immer näher. Auch wenn Du gerade verletzt bist: Glaubst Du daran, dass Du rechtzeitig fit wirst und Dir noch ein Platz im Kader gelingt?
Lydia Andrade: Ich glaube daran, bis zum allerletzten Tag. Man muss sich das erkämpfen. Nächste Woche ist bereits die EM-Vorbereitung und ich hoffe, dass ich dabei bin, damit ich mich zeigen kann. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun. Den Rest kann ich leider nicht beeinflussen. Am Ende, wenn es reicht, würde ich mich sehr freuen. Eine Heim-EM zu spielen ist für jedes Mädchen oder für jeden Jungen ein Traum. Wenn es doch nicht reicht, dann habe ich eine neue Herausforderung mein Können noch mehr zu zeigen.
Soccerdonna: Um nochmal auf deine Zeit bei Leipzig zurückzukommen. Du hattest bereits erwähnt, dass Du aufgrund der Verletzung eine schwierige Saison hattest. Wie würdest Du trotzdem dein persönliches Fazit ziehen, wie deine Saison bei RB war?
Lydia Andrade: Schwierig. Grundsätzlich sind es gemischte Gefühle. Es war nicht die Saison, wie ich mir das vorgestellt habe, vor allem auch im Hinblick zur EM. Ich habe mir vor der Saison einiges vorgenommen und einiges konnte ich wegen der Verletzung nicht erreichen. Anfangs habe ich gut angefangen, dann kam die Verletzung und ich war weg vom Fenster. Ich war mit mir selbst beschäftigt, dass ich wieder gesund werde. Keiner wusste, wie das Ganze verlaufen wird und wie ich damit zurechtkomme. Es war somit persönlich nicht die beste Saison von mir.
Soccerdonna: Nun bist Du den nächsten Schritt gegangen und bist nach Köln gewechselt. Wie kam der Wechsel zustande und wie sehr freust Du Dich auf Köln?
Lydia Andrade: Man wusste, dass mein Vertrag im Sommer ausläuft. Dieser wurde dann von Leipzig nicht verlängert. Während meiner Verletzung habe ich bereits gemerkt, dass von Leipziger Seite nichts kommt. Mein Agent und ich haben uns die Angebote angeschaut, die ich aus dem Ausland und aus Deutschland bekommen habe. Köln hatte mich vor allem wegen Trainerin Britta Carlson am meisten überzeugt. Damals war es mir wichtig zu sehen, was meine Ziele sind. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist nach einer Verletzung zurückzukommen. Man fängt gefühlt von Null an. Für mich ist aber der Schritt nach Köln die optimalste und richtige, vor allem, um mehr Spielzeit zu sammeln.
Soccerdonna: Was ist jetzt, neben der EM-Nominierung dein Hauptziel? Was möchtest Du erreichen?
Lydia Andrade: Ich bin jetzt schon 26 Jahre alt. Klar, ich will noch mal Champions League spielen oder so, diesen Wunsch hat jeder. Aber aktuell ist es so, dass ich aufgrund der Verletzung, einen Schritt zurück gehen muss. Mein Ziel in Köln ist es, eine Saison gesund zu bleiben und ein paar mehr Tore zu schießen. Ich möchte der Mannschaft helfen mit meinen Qualitäten und durch meine Qualitäten die Ziele des Vereins erreichen.
Soccerdonna: Wir hatten anfangs über die Professionalität in der Schweiz gesprochen. Mittlerweile kann man sagen, dass sich diese gesteigert hat. Dies lässt sich auch auf die Medienberichterstattung über Frauenfußball zurückführen. Wie siehst Du die Entwicklung selbst in deinem Heimatland? Findest Du, es ist besser geworden oder könnte es noch besser werden, gerade durch die EM?
Lydia Andrade: Wenn ich vergleiche, wie es vor drei Jahren war und wie es jetzt ist, ist es besser geworden. Sei es, dass sie die Spiele live im Fernsehen zeigen, oder sei es, dass sie mehr Zuschauer haben. Es ist komplett anders geworden. Es ist fast wie in Deutschland, würde ich sagen. Nur ist die Schweiz ein bisschen kleiner. Ich hoffe natürlich, dass es nach der EM noch besser wird.
Soccerdonna: Zum Schluss: Wer wird die EM gewinnen?
Lydia Andrade: Ja, natürlich die Schweiz. Wenn wir schon zu Hause spielen, dann erst recht. Ich bin Schweizerin und auch wenn ich nicht mitspielen sollte, sondern in Köln vor dem Fernseher sitze und zugucke, will ich die EM gewinnen. Ich will das auch für meine Teamkolleginnen.
Quelle
27.06.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch
Zwischen zwei Heimaten – Mathilde Janzen über Identität, Mut und den Spaß am Spiel
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©Kristianstads DFF
Mit gerade einmal 16 Jahren wagte Mittelfeldspielerin Mathilde Janzen den Sprung aus ihrer schwedischen Heimat nach Deutschland, um bei der TSG Hoffenheim den Traum von einer Profikarriere im Fußball zu verfolgen. Heute, nur wenige Jahre später, blickt die doppelte Staatsbürgerin mit bemerkenswerter Offenheit auf prägende Stationen zurück: auf herausfordernde Monate bei Werder Bremen, auf das Gefühl, sich verstellen zu müssen, und auf das Vertrauen, das sie sich im schwedischen Verein Kristianstads DFF zurückgeholt hat. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht die 20-jähirge deutsche U-Nationalspielerin über ihre persönlichen Erfahrungen, den Umgang mit jungen Talenten, ihren Wunsch, bei der WM 2027 dabei zu sein – und warum sie sich noch nicht endgültig zwischen Deutschland und Schweden entschieden hat.
Soccerdonna: Mathilde, Deine Karriere begann in Schweden. Du hast Dich dazu entschieden den nächsten Schritt zu gehen und bist zur TSG Hoffenheim gewechselt. Wie war es für Dich diesen Schritt zu gehen und wie kam es zu dieser Entscheidung?
Mathilde Janzen: Es war eine schwere Entscheidung, da ich damals 16 Jahre alt war und meine Familie und das Land verlassen musste. Ich gehörte bereits zur deutschen U-Nationalmannschaft und wusste, dass ich in Deutschland mehr auffallen würde. Hoffenheim hatte Interesse an mir. Es war schwierig für mich, weil ich meine schwedische Mannschaft mochte. Die TSG hatte mir Individualtraining angeboten und gezeigt, wie ich mich bei ihnen weiterentwickeln kann. Das Gesamtpaket hat gepasst, deswegen bin ich den Schritt ins Ausland gegangen. Auch wenn es mir schwerfiel, damit meine Freunde und Familie zu verlassen.
Soccerdonna: Was hast Du Dir in dieser Zeit bei Hoffenheim erhofft? Auch in Bezug auf deine spielerische und persönliche Entwicklung?
Mathilde Janzen: Die ersten zwei, drei Monaten waren schwierig. Ich bin zwar in Hamburg geboren und kenne Deutschland, aber es ist was anderes dort zu wohnen. Erstmal hineinzufinden in eine andere Kultur und auch andere Mentalität. Vor allem, wie man mit Disziplin umgeht, das war alles anders in Schweden. Ich habe mich aber schnell eingelebt, habe viele Freunde kennengelernt, die das dann für mich einfacher gemacht haben und kam gut in die Mannschaft rein. Es gab Tage, wo es hart war, wo ich zurück nach Hause wollte. Da hat man vieles gelernt, worüber ich froh bin, dass ich alles schon erlebt habe. Von sowas wird man stärker und schneller erwachsener.
Soccerdonna: In deiner Anfangszeit in Hoffenheim spieltest Du bei der U20. Gab es Gespräche, dass Du den nächsten Schritt in Richtung ersten Mannschaft machst?
Mathilde Janzen: Mein Ziel war es, so schnell wie möglich in die erste Mannschaft zu kommen. Das erste Jahr habe ich komplett bei der U20 trainiert und gespielt, was gut war, da das Niveau hoch war. Wir hatten jedes Wochenende gespielt, das war gut für mich, um Spielerfahrung zu sammeln. Im zweiten Jahr habe ich öfters in der ersten Mannschaft mittrainiert und war im Trainingslager. Ein halbes Jahr, vor meinem Wechsel zu SV Werder Bremen, gehörte ich fest zur Ersten, war aber ohne Einsatz dort. Ich hatte mir damals erhofft schneller in die erste Mannschaft zu kommen, aber die Zeit bei der U20 war dennoch gut.
Soccerdonna: Du hast bereits angesetzt, dass Du nach deiner Zeit bei der TSG zum SVW gewechselt bist. Dort hattest Du keine einfache Zeit. Im Interview mit der „DeichStube“ sagtest Du, dass Du trotz Handbruch immer mit trainiert, aber nicht die Möglichkeit bekommen hast, Dich zu beweisen, außer die 15 Minuten beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Magst Du Uns mehr über die Geschehnisse erzählen ab dem Beginn deines Wechsels zu Bremen?
Mathilde Janzen: Ich wollte Hoffenheim verlassen, da ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten. Ich hatte einige Gespräche, unter anderem mit Bremen, die mir zeigten, was aus mir noch werden kann. In Bremen wollte ich erleben, wie es ist, in einer größeren Stadt zu leben. Das Angebot von Bremen hat sich super angehört, sie wollten mich und haben mir gezeigt, welche Potenziale ich habe. Mir wurde mehr Spielzeit zugesichert. Es hat mich überzeugt, außerdem wollte ich in Deutschland bleiben. Vor Ort wurde mir schnell bewusst, dass meine Spielweise nicht in das Konzept von Trainer Thomas Horsch passte. Ich habe versucht mich anzupassen und ich merkte, dass ich keine richtige Chance bekommen werde. Somit wurde ich schnell zur zweiten Mannschaft in die Regionalliga Nord geschickt und bekam das Gefühl nicht los, dass ich auch dort keine Chance für die ersten Mannschaft bekommen würde. In der ersten Mannschaft durfte ich gegen Eintracht Frankfurt mein Debüt in der Bundesliga geben, aber das waren nur 15 Minuten, nicht mehr. Ich mochte die Mannschaft und vor allem die Fans, aber ich fand, dass ich als Mensch nicht reingepasst habe. Ich war nicht ich selbst und empfand, dass ich mich verstellen musste. Sei es vom menschlichen her oder von der Spielphilosophie. Ich lache viel, ich mag es zu tanzen und ich bin locker. Deswegen wollte ich wieder zu einem Verein, bei dem ich, ich selbst sein kann und auch meine fußballerischen Stärken und auch meine Persönlichkeit mehr zu tragen kommen.
Soccerdonna: Es gibt viele junge Spielerinnen, die das durchleben müssen, die aber dennoch es bei dem Verein weiterversuchen. Du hast für Dich selbst nach einem halben Jahr entschieden, dass Du das nicht weiter machen möchtest. Was war dein größter Faktor für diese Entscheidung?
Mathilde Janzen: Das Vertrauen war nicht da. Die versprochene Spielzeit bekam ich nicht und dadurch habe ich den Spaß daran verloren. In den weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen wurde mir klar kommuniziert, dass ich auch in der nächsten Saison nicht mehr Spielzeit bekommen würde, als jetzt. Mir wurde dadurch klar, dass ich in Bremen nicht bleiben kann, da mein Ziel war, viel zu spielen. Wenn mir bereits vorher schon gesagt wird, dass ich wenig spielen werde, warum sollte ich dann noch bleiben? Für meine eigene Entwicklung wäre das keine gute Entscheidung gewesen. Zumal bei der U-Nationalmannschaft die U20-WM vor der Tür stand.
Soccerdonna: Wie siehst Du den derzeitigen Umgang mit jungen Talenten? Du bist das perfekte Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann. Siehst Du mittlerweile Unterschiede und welche Tipps kannst Du geben?
Mathilde Janzen: Den Talenten und jungen Spielerinnen sollte Vertrauen geschenkt werden. Das Wichtigste für einen selbst ist, Vertrauen zu spüren. In der Nationalmannschaft habe ich sehr viel Rückhalt bekommen von Trainer:innen und das macht sehr viel mit einem. Die größte Entwicklung hat man, wenn man spielt. Nicht nur in Deutschland, aber auch in Schweden ist es leider so, dass junge Spielerinnen viel auf der Bank sitzen. Ich hoffe, dass sich das anders entwickelt und Trainerteams mehr Mut dafür haben, jüngere Spielerinnen mehr Einsatzzeiten zu geben.
Soccerdonna: Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, zu spielen und sich weiterzuentwickeln. Nun bist Du bereits seit vergangenem Sommer wieder zurück bei deinem Heimatverein Kristianstads DFF. Wie fühlst Du Dich jetzt?
Mathilde Janzen: Es ist derzeit schön wieder in Schweden zu sein und alte Freunde wieder zu treffen. Ich fühle mich richtig wohl in der Mannschaft und es macht mir wieder Spaß. Spielzeit bekomme ich und es läuft alles sehr gut. Die Zeit in Deutschland war aber trotzdem sehr schön und hat mich absolut weitergebracht.
Soccerdonna: Merkst Du einen Unterschied zwischen Bundesliga und schwedischen Liga Damallsvenskan im mentalen Bereich aber auch von der Trainingsweise?
Mathilde Janzen: In Schweden ist alles etwas lockerer, in Deutschland wird mehr auf Disziplin Wert gelegt. Am Ende des Tages finde ich braucht es beides. Ich selbst bin ein lockerer Typ, aber manchmal ist es in Schweden wiederrum fast zu locker.
Soccerdonna: Auch vom spielerischen her, merkst Du einen Leistungsunterschied oder ist es ausgeglichen?
Mathilde Janzen: In der Zeit in Deutschland saß ich größtenteils auf der Bank, aber ich würde sagen, dass es ein relativ ähnliches Niveau ist. Natürlich gibt es in der Bundesliga bessere Top-Spielerinnen und Top-Vereine. Das Fußballerische ist aber ähnlich. Beide Länder haben gute Taktiken und die Spielerinnen sind von der Körperlichkeit sehr gut. Es ist aber schwer zu vergleichen.
Soccerdonna: Welche Entwicklungen, sportlich und menschlich, siehst Du bei Dir selbst?
Mathilde Janzen: Die Erfahrungen in Hoffenheim und Bremen haben mich stärker gemacht. Außerdem fühle ich mich gerade in Schweden mental und körperlich sehr stark, da ich viele Spielminuten sammeln konnte, dadurch wird man selbstbewusster. Ich habe gelernt, dass das Leben weitergeht, wenn es mal nicht läuft und neue Spiele und Chancen bekommen werde. Man muss immer weitermachen, ich muss mir selbst treu bleiben und mich nicht verstellen. Dann spiele ich am besten, wenn ich das machen darf, was ich selbst mag.
Soccerdonna: Anschließend dazu, was ist dein prägendster Moment in deiner Karriere bislang gewesen?
Mathilde Janzen: Ich würde sagen, der Gewinn der U17-Europameisterschaft im Jahr 2022. Das hat mir gezeigt, dass alle harten Entscheidungen und Trainings sich gelohnt haben. So einen Titel oder die Berufung zur Nationalmannschaft ist immer eine Ehre.
Soccerdonna: Du besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Bislang hast Du Dich immer für die DFB-Auswahl entschieden. Wieso?
Mathilde Janzen: Bei meinem ersten Lehrgang für Deutschland war ich erst dreizehn Jahre alt. Damals hatte sich Schweden nicht gemeldet, da hier die Sichtungen später beginnen. Nach einem Jahr kam Schweden auf mich zu. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber für Deutschland entschieden, da ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ich durfte an vielen Lehrgängen teilnehmen und ich mochte die Arbeitsweise vor Spielen und auch die verschiedenen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Dennoch habe ich die Tür für Schweden noch nicht geschlossen. Ich wollte erstmal alle U-Nationalmannschaften durchlaufen und wenn es irgendwann die Möglichkeit gibt, für ein A-Team aufzulaufen, werde ich mich entscheiden. Es ist eine schöne Möglichkeit, dass ich für beide Nationen spielen kann. Derzeit fühle ich mich wohl in Deutschland und bin sehr stolz, den Adler auf der Brust zu tragen. Auch, dass ich schon so viele Spiele (55) für Deutschland machen durfte, macht mich stolz.
Soccerdonna: Für Dich ist die Tür noch nicht geschlossen, dennoch, wenn Du Dich heute entscheiden müsstest: Deutschland oder Schweden?
Mathilde Janzen: Ich bin in Schweden aufgewachsen und mein Herz schlägt genauso stark für Schweden, wie für Deutschland. Für Deutschland habe ich schon so viele Spiele gemacht, deswegen finde ich das eine schwere Frage. Beide Nationen sind toll und ich kann gar nicht sagen, für wen ich mich entscheiden würde. Ich muss einfach gucken, wie sich alles entwickelt. Dennoch wäre ich stolz, wenn ich für Deutschland oder für Schweden spielen dürfte.
Soccerdonna: Du bist derzeit mit der U23 unterwegs. Wie sieht gerade deine Zeit gemeinsam mit dem Team aus?*
Mathilde Janzen: Die Zeit ist sehr schön mit dem Team. Seitdem ich wieder in Schweden spiele, sehe ich meine Mitspielerinnen nicht so oft, da wir damals jede Woche in der Bundesliga gegeneinander gespielt haben. Deswegen macht es mir umso mehr Spaß, mit ihnen Fußball zu spielen. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man bei der Nationalmannschaft dabei sein darf. Die Vorfreude vor den beiden Spielen gegen USA ist groß.
Soccerdonna: Was nimmst Du aus diesem Lehrgang mit für Dich?
Mathilde Janzen: Hier ist es so, dass ich zum jüngeren Jahrgang gehöre. Deswegen sind Spielerinnen dabei, die mehr Erfahrung haben und man kann gegenseitig voneinander lernen. Ich versuche immer alles mitzunehmen, Spaß zu haben und meine beste Leistung zu bringen. Dann ist es erst recht schön, wenn man gemeinsam Spiele gewinnt, das macht viel aus.
Soccerdonna: Wie sehen deine nächsten Ziele aus?
Mathilde Janzen: Ich möchte in Schweden viel Spielzeit sammeln, gute Leistungen bringen und mich persönlich weiterentwickeln. Auf lange Sicht will ich viel erreichen: Ich will bei der Nationalmannschaft weiter dabei sein und auch für die A-Nationalmannschaft nominiert werden. Mein großes Ziel ist es bei der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien dabei zu sein. Bis dahin muss ich gucken, für wen ich spiele (lacht). In Schweden möchten wir die beste Platzierung erreichen und auf einen Champions League Platz kommen. Es sind nur noch drei Spiele in der Hinrunde.* Ich glaube, wir können mit der Mannschaft in dieser Saison wirklich was holen.
Soccerdonna: In welchen Bereichen möchtest Du Dich weiter verbessern?
Mathilde Janzen: Ich trainiere im Individualtraining derzeit meine Abschlüsse. Wenn ich mal von außen aufs Tor zulaufe und ich eine Schusssituation bekomme, dass ich da mutiger bin zu schießen. In allen Bereichen kann ich mich verbessern, wie die Präsenz auf dem Platz. Noch lauter zu werden und mehr die Leaderin auf dem Platz sein. Im persönlichen Bereich – eine gute Mentalität habe ich bereits, aber bessere geht immer.
Soccerdonna: Nur noch einige Wochen sind es bis zur Europameisterschaft in der Schweiz. Freust Du Dich darauf?
Mathilde Janzen: Ich freue mich darauf und ich werde die Spiele verfolgen. Ich freue mich immer, solche Turniere anzugucken. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wenn man Turniere spielt, ist es das Beste, was es gibt.
Soccerdonna: Und wer denkst Du, wird die EM gewinnen?
Mathilde Janzen: Das wird eine Nation sein, mit der man nicht rechnet. Wir werden einen Überraschungssieger haben. Vorne mitspielen werden bestimmt Deutschland, Schweden, aber auch England. Mein Bauchgefühl sagt aber, dass wir alle damit nicht rechnen werden, wer sich dieses Jahr den Pokal holt.
*Interview wurde vor den U23-Länderspielen gegen die USA Ende Mai aufgenommen.
Quelle
27.11.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Lenard Baum
Blick nach Skandinavien – Trainerin Mari Savolainen über Finnland, Hope Powell als Mentorin und Britta Carlson
![[Bild: t_5819_442_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_5819_442_2012_1.jpg)
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Seit über 15 Jahren prägt Mari Savolainen den skandinavischen Frauenfußball – als Jugendtrainerin, Scout, Akademieleiterin und Assistenzcoach. Sie arbeitete für das finnische Nationalteam und den FC Nordsjælland in Dänemark. Als Teilnehmerin des UEFA-Mentoring-Programms wurde sie von Englands Trainer-Ikone Hope Powell gefördert, während sie sich mit Britta Carlson, der heutigen Coachin des 1. FC Köln, austauschte. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht Savolainen über grenzübergreifendes Lernen, strukturelle Hürden in Finnland und den Traum von der Champions League.
Soccerdonna: Mari, du hast am Mentorenprogramm der UEFA für Trainerinnen teilgenommen. Was genau beinhaltet das?
Mari Savolainen: Es wurde entwickelt, um Trainerinnen bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Jeder Fußballverband in Europa kann eine Trainerin nominieren, doch nur zehn Mentees werden ausgewählt. Das Programm dauert 18 Monate, daher ist ein hohes Maß an Kommittent erforderlich. Man kann auch angeben, welches Profil die Mentorin haben soll. Ich habe um jemanden gebeten, der auf höchstem Niveau gecoacht hat und hatte das Glück, Hope Powell zu bekommen.
Soccerdonna: Das ist ein legendärer Name. Wie hat diese Verbindung deine Arbeit als Trainerin geprägt?
Mari Savolainen: Hope war großartig. Sie hat mich während der gesamten 18 Monate unterstützt und ist sogar zweimal nach Finnland gekommen. Sie hat meine Trainingseinheiten besucht, selbst eine geleitet, meine Vorgesetzten getroffen und mein Team beim Spielen beobachtet. Es hat mir sehr viel bedeutet, dass jemand mit ihrer Erfahrung so viel Zeit investiert hat. Wir stehen auch heute noch in Kontakt.
Soccerdonna: Gab es eine bestimmte Lektion von ihr, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Mari Savolainen: Als sie nach Finnland kam und eine meiner Trainingseinheiten leitete, wurde mir bewusst, wie wirkungsvoll ihre Kommunikation war. Sie versuchte nicht, mich zu verändern, sondern half mir, mich selbst als Trainerin besser zu verstehen. Zu sehen, wie sie mit Spielerinnen arbeitete, die sie noch nie zuvor getroffen hatte, war eine Lehrstunde in Sachen Führungsqualitäten.
Soccerdonna: Du hast auch Britta Carlson getroffen, die Teil derselben UEFA-Gruppe war, nicht?
Mari Savolainen: Ja, wir haben uns während der Workshops in Nyon kennengelernt. Britta und ich haben uns intensiv darüber unterhalten, welche Art von Coaches wir sein wollen und für welche Werte wir stehen. Obwohl sie damals für die deutsche Nationalmannschaft arbeitete und ich bei einem Verein, hatten wir ähnliche Ansichten über Entwicklung und Führung.
Soccerdonna: Du hast auch Gespräche mit Britta geführt, sie mal beim 1. FC Köln zu besuchen. Was erhoffst du dir von diesem grenzüberschreitenden Austausch?
Mari Savolainen: Lernen. Wenn ich andere Trainerinnen bei ihrer Arbeit beobachte, kann ich meine eigene Philosophie reflektieren. Da Finnland fussballtechnisch ein kleines Land ist, bin ich immer daran interessiert, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie andere an Taktik, Führung und Spielerentwicklung herangehen.
Soccerdonna: Apropos, wie würdest du deine eigene Trainingsphilosophie beschreiben?
Mari Savolainen: Für mich stehen Kommunikation und die Schaffung einer sicheren Umgebung im Mittelpunkt. Spielerinnen bringen ihre beste Leistung, wenn sie glücklich sind und sich wertgeschätzt fühlen. Mein Fokus liegt darauf, sowohl den Spielern als auch den Mitarbeitern dabei zu helfen, in ihren Rollen zu wachsen. Eine gute Umgebung führt zu gutem Fußball.
Soccerdonna: Du siehst dich selbst als zukünftige Cheftrainerin auf höchstem Niveau. Was fehlt dir noch auf diesem Weg?
Mari Savolainen: Es geht vor allem um Beziehungen. Die Leute sind oft positiv überrascht von meinem Lebenslauf, aber im Frauenfußball fehlen noch immer die Netzwerke, die nötig sind, um talentierte Trainerinnen mit Möglichkeiten im Ausland zusammenzubringen. Die Strukturen entwickeln sich, aber wir sind noch nicht ganz am Ziel.
Soccerdonna: Glaubst du, dass diese strukturelle Lücke in Finnland ebenso sichtbar ist?
Mari Savolainen: Ja, unsere Nationalmannschaft ist recht erfolgreich, ebenso wie die Jugendmannschaften, aber die heimische Liga entwickelt sich nicht so schnell wie andere. Wir erreichen mit unseren Vereinen nicht mehr die späteren Runden der Champions League und mit unserer Nationalmannschaft nicht mehr die späteren Runden der Europameisterschaft. Der Frauenfußball erlebt in ganz Europa einen enormen Aufschwung und Finnland muss aufholen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Soccerdonna: Die UEFA hat für diese Saison einen UEFA Women’s Europa Cup eingeführt. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Es bietet kleineren Vereinen die Chance, international anzutreten und Geld zu verdienen. Da die Champions League von England, Frankreich, Spanien und Deutschland dominiert wird, ist ein weiterer europäischer Wettbewerb für kleinere Fußballnationen wirklich wertvoll.
Soccerdonna: Zumindest wechseln inzwischen mehr finnische Spielerinnen ins Ausland, oder?
Mari Savolainen: Das stimmt. Wir haben Spielerinnen in England, Deutschland, Schweden, Italien und den USA. Davon profitiert die A-Nationalmannschaft, aber die Frage ist, was in zehn Jahren passiert, wenn sich unsere Liga strukturell nicht weiterentwickelt.
Soccerdonna: Aus skandinavischer Sicht: Was zeichnet den Fußball in diesen Ländern aus?
Mari Savolainen: Unser kollektives Verständnis des Spiels ist unsere Stärke. Vielleicht haben wir nicht so viele Weltklasse-Einzelspieler, dafür sind wir aber hervorragende Teamplayer. Die taktische Disziplin in Skandinavien ist Weltklasse. Nehmen wir das Spiel zwischen BK Häcken und Hammarby IF DFF, den Nummern eins und zwei in der Damallsvenskan. Die defensive Organisation war unglaublich: Innerhalb von Sekunden standen sieben Spieler im Strafraum. Das ist ein Markenzeichen Skandinaviens.
Soccerdonna: Wie würdest du das derzeitige öffentliche Interesse am Frauenfußball in Finnland beschreiben?
Mari Savolainen: Es wächst. Die Spiele unserer Nationalmannschaft sind oft ausverkauft, besonders, wenn Stars wie Emma Koivisto oder Natalia Kuikka auf dem Platz stehen. Die Leute wollen sie live sehen. Doch diese Begeisterung spiegelt sich noch nicht in den Zuschauerzahlen unserer heimischen Liga wider. Daran müssen wir arbeiten.
Soccerdonna: Du hast auch als TV-Experte bei der Europameisterschaft und der vergangenen Weltmeisterschaft gearbeitet. Verändert die Analyse von Spielen deinen Blick als Trainerin?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Man erkennt Muster im Verhalten von Nationen und Coaches, ihre Stärken und Schwächen. Dadurch habe ich auch einen breiteren Blick auf Führung gewonnen – es geht nicht nur um Taktik. Ein Beispiel ist Sarina Wiegman, die zeigt, dass Kommunikation und Vertrauen genauso entscheidend sein können wie Aufstellung und Strategie.
Soccerdonna: Du sprichst dabei oft über Repräsentation. Fühlst du eine besondere Verantwortung, wenn du im finnischen Fernsehen auftrittst?
Mari Savolainen: Ja, ich mache das nicht, um berühmt zu werden, sondern damit die Menschen sehen, dass Frauen über Fußball sprechen können. Ich möchte, dass junge Mädchen, die zuschauen, denken: „Das könnte mein Beruf sein.“ Als ich ein Kind war, hat es mein Leben verändert, zu sehen, wie 90.000 Menschen den Weltmeistertitel der USA bejubelten. Dieses Gefühl möchte ich jetzt anderen vermitteln.
Soccerdonna: Und schließlich, wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen, wo werden wir dich antreffen?
Mari Savolainen: Hoffentlich an der Seitenlinie eines Champions-League-Clubs in einer der europäischen Top-Ligen. Das ist mein Ziel und ich glaube fest daran, dass ich es erreichen kann.
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„Ich glaube bis zum letzten Tag an die EM“ – Lydia Andrade über Verletzung, Comeback und dem Traum von der Heim-EM
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Lydia Andrade hat in ihrer Karriere schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Die 26-jährige Offensivspielerin wagte früh den Schritt ins Ausland, spielte in Deutschland unter anderem für den SV Meppen und RB Leipzig – und trägt nun das Trikot des 1. FC Köln. Nach einer langen Verletzung kämpft sich die Schweizer Nationalspielerin mit viel Entschlossenheit zurück. Ihr Blick geht klar nach vorn: Sie möchte noch auf dem EM-Zug einsteigen, welche in ihrem Heimatland stattfinden wird. Im Interview mit Soccerdonna spricht sie über ihre Zeit in der Schweiz und in Deutschland, ihre erste Berufung für die Nationalmannschaft mit 25 Jahren – und weshalb sie fest an ihre EM-Chance glaubt.
Soccerdonna: Lydia, bevor Du den Schritt nach Deutschland gegangen bist, war die Schweiz lange deine Heimat. Dort hast Du einige Zeit beim FC Zürich gespielt. Welche Herausforderung war es für Dich, deine Heimat zu verlassen und in ein komplett neues Land zu wechseln?
Lydia Andrade: Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen, bis ich 2022 mich dazu entschieden habe, ins Ausland zu gehen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich den Mut habe diesen Schritt zu gehen. Ich habe gemerkt, dass das ein guter Schritt ist, aber es war zugleich ein riesiger. Die einzige Herausforderung war, mich von meinen Freunden und meiner Familie zu trennen. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich, weil ich als Mensch dadurch gewachsen bin. Ich bin selbstständig geworden. Anfangs habe ich die ersten Tage und Wochen meine Familie und engen Freunde vermisst. Mein Gedanke war, dass ich jetzt im Ausland bin, meinen Traum lebe und Bundesligaerfahrung sammle. Als ich sie wieder gesehen habe, habe ich mich gefreut. Ich hatte nicht das Gefühl, wieder in die Heimat zu müssen. Es war das Gefühl von Dankbarkeit und Freude, die ich gespürt habe, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Soccerdonna: Wie war die Zeit für Dich damals in der Schweiz zum Vergleich mit dem Leben hier in Deutschland?
Lydia Andrade: Ich war damals noch jung und in meiner Komfortzone. Die Professionalität in der Schweiz habe ich noch nicht gesehen, denn dort musste ich nebenbei arbeiten. Deswegen war das Leben dort anders. Als ich ins Ausland gegangen bin, ist mir klar geworden, dass ich nun eine Profispielerin bin. Ich muss nicht mehr nebenbei arbeiten und ich kann meine Zeit genießen. Wenn ich morgens aufstehe, muss ich mir keine Sorgen machen, neben dem Training noch Arbeiten zu gehen. Diese Momente sehe ich als Privileg, denn es ist nicht überall möglich, Profi zu sein. Damals in der Schweiz gab es nicht diese Möglichkeit. Mittlerweile hat es sich auch dort gewandelt, zumindest bei einigen Vereinen. Wenn ich beide Zeiten vergleiche, sehe ich auch eine Entwicklung im fußballerischen und menschlichen Bereich bei mir. Für mich ist das aber auch nicht alles selbstverständlich. Ich habe mir das alles erarbeitet und sehe nun, wo ich war und wo ich jetzt stehe. Vor meinem Wechsel 2022 hätte ich niemals gedacht, dass ich an diesem Punkt bin.
Soccerdonna: In diesen drei Jahren in Deutschland ist bei Dir einiges passiert. Dein Weg hat Dich zunächst zum SV Meppen geführt, danach warst Du zwei Jahre bei RB Leipzig – und jetzt bist Du beim 1. FC Köln angekommen. Du sagtest selbst, dass Du Dich weiterentwickelt hast. In welchen Bereichen denn?
Lydia Andrade: Wenn ich den Fußball von der Schweiz und Deutschland vergleiche, würde ich sagen, dass ich mich im taktischen und physischen Bereich sehr entwickelt habe. Die Liga ist deutlich besser, aber ich kann mithalten. Auch die Entscheidungen auf dem Spielfeld fallen mir leichter. Insgesamt habe ich im fußballerischen Bereich einen Riesenschritt gemacht.
Soccerdonna: Neben deinem Wechsel ins Ausland, welcher Moment hat Dich am meisten geprägt, persönlich aber auch sportlich?
Lydia Andrade: Die Berufung zur schweizerischen Nationalmannschaft mit 25 Jahren. Das war etwas, was ich schon lange wollte. Etwas, wofür ich lange gekämpft habe und immer daran geglaubt habe. Wenn du 25 bist, so wie ich, denkst du, dass die Zeit dafür vorbei ist. Ich habe mir immer einen Kopf gemacht und mich gefragt, wann die Berufung kommt, und was muss ich noch dafür tun muss. Irgendwann habe ich es nicht mehr hinterfragt. Wenn es irgendwann kommt, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Wenn nicht, weiß ich, dass ich alles gegeben habe. Vor einem Jahr kam eine Mail, dass ich für den nächsten Lehrgang für die Nationalmannschaft berufen werde. Das war ein sehr schöner Moment. Diese harte Arbeit, der ganze Weg und der ganze Aufwand hat sich ausgezahlt. Vor allem auch, weil ich das seit Klein auf immer geträumt habe.
Soccerdonna: Vergangenes Jahr durftest Du im Spiel gegen Aserbaidschan debütieren. Wie war es für Dich in so einem Moment für die Schweiz aufzulaufen?
Lydia Andrade: Als ich damals in den Lehrgang gegangen bin, hatte ich keine Erwartungen. Ich war froh, dass ich dabei war und schnuppern durfte. Das erste Spiel gegen die Türkei zu Hause war ich auf der Bank und meine Familie war im Stadion. Als ich die Hymne gehört habe, war das ein Wahnsinnsgefühl zu Hause vor den eigenen Fans, das war sehr besonders. Da bekam ich noch keinen Einsatz. Vor dem zweiten Spiel gegen Aserbaidschan auswärts hatte Trainerin Pia Sundhage mir gesagt, dass sie mir einige Minuten geben wird. Ich habe mit zehn bis fünfzehn Minuten gerechnet, aber als sie mir in der Halbzeitpause sagte, dass ich jetzt reinkomme, wurde ich etwas ins kalte Wasser geschmissen, da ich es nicht erwartet hatte. Ich wusste, ich habe lange dafür gearbeitet und immer davon geträumt. Jetzt musste ich zeigen, was ich draufhabe. Als ich reinkam, habe ich mich befreit gefühlt. Auch meine Mitspielerinnen haben sich alle für mich gefreut. Ich wusste, dass meine Familie in der Schweiz jetzt zu schauen und vor Stolz platzen. Für mich war es die schönste Halbzeit, die ich gespielt habe.
Soccerdonna: Hättest Du erwartet, dass Du fünf Spiele für die Schweiz bestreiten wirst?
Lydia Andrade: Um ehrlich zu sein, nein. Aber ich habe es trotzdem immer manifestiert. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich irgendwann für die Nationalmannschaft spielen werde. Aber nicht, dass ich mittlerweile fünfmal für sie gespielt habe.
Soccerdonna: Derzeit laufen die Nations League Spiele. Du bist diesmal nicht nominiert. Wie siehst Du die Entscheidung? Hattest Du davor eine die Absprache mit dem Trainerteam?
Lydia Andrade: Derzeit stehe ich für die Spiele auf Abruf für das Team. Ich hatte keine Absprache mit dem Trainerteam, aber ich komme damit klar. Ein Punkt ist sicherlich meine viermonatige Verletzung. Diese Zeit war nicht einfach. Ich konnte zumindest die letzten vier Spiele bei Leipzig spielen, aber das reicht nicht aus. Es ist aktuell wichtig, dass ich wieder fit und gesund werde. Ich bin trotzdem immer noch ein Teil vom Team. Wenn es mich braucht, bin ich da.
Soccerdonna: Die Heim-EM in der Schweiz rückt immer näher. Auch wenn Du gerade verletzt bist: Glaubst Du daran, dass Du rechtzeitig fit wirst und Dir noch ein Platz im Kader gelingt?
Lydia Andrade: Ich glaube daran, bis zum allerletzten Tag. Man muss sich das erkämpfen. Nächste Woche ist bereits die EM-Vorbereitung und ich hoffe, dass ich dabei bin, damit ich mich zeigen kann. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun. Den Rest kann ich leider nicht beeinflussen. Am Ende, wenn es reicht, würde ich mich sehr freuen. Eine Heim-EM zu spielen ist für jedes Mädchen oder für jeden Jungen ein Traum. Wenn es doch nicht reicht, dann habe ich eine neue Herausforderung mein Können noch mehr zu zeigen.
Soccerdonna: Um nochmal auf deine Zeit bei Leipzig zurückzukommen. Du hattest bereits erwähnt, dass Du aufgrund der Verletzung eine schwierige Saison hattest. Wie würdest Du trotzdem dein persönliches Fazit ziehen, wie deine Saison bei RB war?
Lydia Andrade: Schwierig. Grundsätzlich sind es gemischte Gefühle. Es war nicht die Saison, wie ich mir das vorgestellt habe, vor allem auch im Hinblick zur EM. Ich habe mir vor der Saison einiges vorgenommen und einiges konnte ich wegen der Verletzung nicht erreichen. Anfangs habe ich gut angefangen, dann kam die Verletzung und ich war weg vom Fenster. Ich war mit mir selbst beschäftigt, dass ich wieder gesund werde. Keiner wusste, wie das Ganze verlaufen wird und wie ich damit zurechtkomme. Es war somit persönlich nicht die beste Saison von mir.
Soccerdonna: Nun bist Du den nächsten Schritt gegangen und bist nach Köln gewechselt. Wie kam der Wechsel zustande und wie sehr freust Du Dich auf Köln?
Lydia Andrade: Man wusste, dass mein Vertrag im Sommer ausläuft. Dieser wurde dann von Leipzig nicht verlängert. Während meiner Verletzung habe ich bereits gemerkt, dass von Leipziger Seite nichts kommt. Mein Agent und ich haben uns die Angebote angeschaut, die ich aus dem Ausland und aus Deutschland bekommen habe. Köln hatte mich vor allem wegen Trainerin Britta Carlson am meisten überzeugt. Damals war es mir wichtig zu sehen, was meine Ziele sind. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist nach einer Verletzung zurückzukommen. Man fängt gefühlt von Null an. Für mich ist aber der Schritt nach Köln die optimalste und richtige, vor allem, um mehr Spielzeit zu sammeln.
Soccerdonna: Was ist jetzt, neben der EM-Nominierung dein Hauptziel? Was möchtest Du erreichen?
Lydia Andrade: Ich bin jetzt schon 26 Jahre alt. Klar, ich will noch mal Champions League spielen oder so, diesen Wunsch hat jeder. Aber aktuell ist es so, dass ich aufgrund der Verletzung, einen Schritt zurück gehen muss. Mein Ziel in Köln ist es, eine Saison gesund zu bleiben und ein paar mehr Tore zu schießen. Ich möchte der Mannschaft helfen mit meinen Qualitäten und durch meine Qualitäten die Ziele des Vereins erreichen.
Soccerdonna: Wir hatten anfangs über die Professionalität in der Schweiz gesprochen. Mittlerweile kann man sagen, dass sich diese gesteigert hat. Dies lässt sich auch auf die Medienberichterstattung über Frauenfußball zurückführen. Wie siehst Du die Entwicklung selbst in deinem Heimatland? Findest Du, es ist besser geworden oder könnte es noch besser werden, gerade durch die EM?
Lydia Andrade: Wenn ich vergleiche, wie es vor drei Jahren war und wie es jetzt ist, ist es besser geworden. Sei es, dass sie die Spiele live im Fernsehen zeigen, oder sei es, dass sie mehr Zuschauer haben. Es ist komplett anders geworden. Es ist fast wie in Deutschland, würde ich sagen. Nur ist die Schweiz ein bisschen kleiner. Ich hoffe natürlich, dass es nach der EM noch besser wird.
Soccerdonna: Zum Schluss: Wer wird die EM gewinnen?
Lydia Andrade: Ja, natürlich die Schweiz. Wenn wir schon zu Hause spielen, dann erst recht. Ich bin Schweizerin und auch wenn ich nicht mitspielen sollte, sondern in Köln vor dem Fernseher sitze und zugucke, will ich die EM gewinnen. Ich will das auch für meine Teamkolleginnen.
Quelle
27.06.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch
Zwischen zwei Heimaten – Mathilde Janzen über Identität, Mut und den Spaß am Spiel
![[Bild: s_48695_200_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_48695_200_2012_1.jpg)
©Kristianstads DFF
Mit gerade einmal 16 Jahren wagte Mittelfeldspielerin Mathilde Janzen den Sprung aus ihrer schwedischen Heimat nach Deutschland, um bei der TSG Hoffenheim den Traum von einer Profikarriere im Fußball zu verfolgen. Heute, nur wenige Jahre später, blickt die doppelte Staatsbürgerin mit bemerkenswerter Offenheit auf prägende Stationen zurück: auf herausfordernde Monate bei Werder Bremen, auf das Gefühl, sich verstellen zu müssen, und auf das Vertrauen, das sie sich im schwedischen Verein Kristianstads DFF zurückgeholt hat. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht die 20-jähirge deutsche U-Nationalspielerin über ihre persönlichen Erfahrungen, den Umgang mit jungen Talenten, ihren Wunsch, bei der WM 2027 dabei zu sein – und warum sie sich noch nicht endgültig zwischen Deutschland und Schweden entschieden hat.
Soccerdonna: Mathilde, Deine Karriere begann in Schweden. Du hast Dich dazu entschieden den nächsten Schritt zu gehen und bist zur TSG Hoffenheim gewechselt. Wie war es für Dich diesen Schritt zu gehen und wie kam es zu dieser Entscheidung?
Mathilde Janzen: Es war eine schwere Entscheidung, da ich damals 16 Jahre alt war und meine Familie und das Land verlassen musste. Ich gehörte bereits zur deutschen U-Nationalmannschaft und wusste, dass ich in Deutschland mehr auffallen würde. Hoffenheim hatte Interesse an mir. Es war schwierig für mich, weil ich meine schwedische Mannschaft mochte. Die TSG hatte mir Individualtraining angeboten und gezeigt, wie ich mich bei ihnen weiterentwickeln kann. Das Gesamtpaket hat gepasst, deswegen bin ich den Schritt ins Ausland gegangen. Auch wenn es mir schwerfiel, damit meine Freunde und Familie zu verlassen.
Soccerdonna: Was hast Du Dir in dieser Zeit bei Hoffenheim erhofft? Auch in Bezug auf deine spielerische und persönliche Entwicklung?
Mathilde Janzen: Die ersten zwei, drei Monaten waren schwierig. Ich bin zwar in Hamburg geboren und kenne Deutschland, aber es ist was anderes dort zu wohnen. Erstmal hineinzufinden in eine andere Kultur und auch andere Mentalität. Vor allem, wie man mit Disziplin umgeht, das war alles anders in Schweden. Ich habe mich aber schnell eingelebt, habe viele Freunde kennengelernt, die das dann für mich einfacher gemacht haben und kam gut in die Mannschaft rein. Es gab Tage, wo es hart war, wo ich zurück nach Hause wollte. Da hat man vieles gelernt, worüber ich froh bin, dass ich alles schon erlebt habe. Von sowas wird man stärker und schneller erwachsener.
Soccerdonna: In deiner Anfangszeit in Hoffenheim spieltest Du bei der U20. Gab es Gespräche, dass Du den nächsten Schritt in Richtung ersten Mannschaft machst?
Mathilde Janzen: Mein Ziel war es, so schnell wie möglich in die erste Mannschaft zu kommen. Das erste Jahr habe ich komplett bei der U20 trainiert und gespielt, was gut war, da das Niveau hoch war. Wir hatten jedes Wochenende gespielt, das war gut für mich, um Spielerfahrung zu sammeln. Im zweiten Jahr habe ich öfters in der ersten Mannschaft mittrainiert und war im Trainingslager. Ein halbes Jahr, vor meinem Wechsel zu SV Werder Bremen, gehörte ich fest zur Ersten, war aber ohne Einsatz dort. Ich hatte mir damals erhofft schneller in die erste Mannschaft zu kommen, aber die Zeit bei der U20 war dennoch gut.
Soccerdonna: Du hast bereits angesetzt, dass Du nach deiner Zeit bei der TSG zum SVW gewechselt bist. Dort hattest Du keine einfache Zeit. Im Interview mit der „DeichStube“ sagtest Du, dass Du trotz Handbruch immer mit trainiert, aber nicht die Möglichkeit bekommen hast, Dich zu beweisen, außer die 15 Minuten beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Magst Du Uns mehr über die Geschehnisse erzählen ab dem Beginn deines Wechsels zu Bremen?
Mathilde Janzen: Ich wollte Hoffenheim verlassen, da ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten. Ich hatte einige Gespräche, unter anderem mit Bremen, die mir zeigten, was aus mir noch werden kann. In Bremen wollte ich erleben, wie es ist, in einer größeren Stadt zu leben. Das Angebot von Bremen hat sich super angehört, sie wollten mich und haben mir gezeigt, welche Potenziale ich habe. Mir wurde mehr Spielzeit zugesichert. Es hat mich überzeugt, außerdem wollte ich in Deutschland bleiben. Vor Ort wurde mir schnell bewusst, dass meine Spielweise nicht in das Konzept von Trainer Thomas Horsch passte. Ich habe versucht mich anzupassen und ich merkte, dass ich keine richtige Chance bekommen werde. Somit wurde ich schnell zur zweiten Mannschaft in die Regionalliga Nord geschickt und bekam das Gefühl nicht los, dass ich auch dort keine Chance für die ersten Mannschaft bekommen würde. In der ersten Mannschaft durfte ich gegen Eintracht Frankfurt mein Debüt in der Bundesliga geben, aber das waren nur 15 Minuten, nicht mehr. Ich mochte die Mannschaft und vor allem die Fans, aber ich fand, dass ich als Mensch nicht reingepasst habe. Ich war nicht ich selbst und empfand, dass ich mich verstellen musste. Sei es vom menschlichen her oder von der Spielphilosophie. Ich lache viel, ich mag es zu tanzen und ich bin locker. Deswegen wollte ich wieder zu einem Verein, bei dem ich, ich selbst sein kann und auch meine fußballerischen Stärken und auch meine Persönlichkeit mehr zu tragen kommen.
Soccerdonna: Es gibt viele junge Spielerinnen, die das durchleben müssen, die aber dennoch es bei dem Verein weiterversuchen. Du hast für Dich selbst nach einem halben Jahr entschieden, dass Du das nicht weiter machen möchtest. Was war dein größter Faktor für diese Entscheidung?
Mathilde Janzen: Das Vertrauen war nicht da. Die versprochene Spielzeit bekam ich nicht und dadurch habe ich den Spaß daran verloren. In den weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen wurde mir klar kommuniziert, dass ich auch in der nächsten Saison nicht mehr Spielzeit bekommen würde, als jetzt. Mir wurde dadurch klar, dass ich in Bremen nicht bleiben kann, da mein Ziel war, viel zu spielen. Wenn mir bereits vorher schon gesagt wird, dass ich wenig spielen werde, warum sollte ich dann noch bleiben? Für meine eigene Entwicklung wäre das keine gute Entscheidung gewesen. Zumal bei der U-Nationalmannschaft die U20-WM vor der Tür stand.
Soccerdonna: Wie siehst Du den derzeitigen Umgang mit jungen Talenten? Du bist das perfekte Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann. Siehst Du mittlerweile Unterschiede und welche Tipps kannst Du geben?
Mathilde Janzen: Den Talenten und jungen Spielerinnen sollte Vertrauen geschenkt werden. Das Wichtigste für einen selbst ist, Vertrauen zu spüren. In der Nationalmannschaft habe ich sehr viel Rückhalt bekommen von Trainer:innen und das macht sehr viel mit einem. Die größte Entwicklung hat man, wenn man spielt. Nicht nur in Deutschland, aber auch in Schweden ist es leider so, dass junge Spielerinnen viel auf der Bank sitzen. Ich hoffe, dass sich das anders entwickelt und Trainerteams mehr Mut dafür haben, jüngere Spielerinnen mehr Einsatzzeiten zu geben.
Soccerdonna: Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, zu spielen und sich weiterzuentwickeln. Nun bist Du bereits seit vergangenem Sommer wieder zurück bei deinem Heimatverein Kristianstads DFF. Wie fühlst Du Dich jetzt?
Mathilde Janzen: Es ist derzeit schön wieder in Schweden zu sein und alte Freunde wieder zu treffen. Ich fühle mich richtig wohl in der Mannschaft und es macht mir wieder Spaß. Spielzeit bekomme ich und es läuft alles sehr gut. Die Zeit in Deutschland war aber trotzdem sehr schön und hat mich absolut weitergebracht.
Soccerdonna: Merkst Du einen Unterschied zwischen Bundesliga und schwedischen Liga Damallsvenskan im mentalen Bereich aber auch von der Trainingsweise?
Mathilde Janzen: In Schweden ist alles etwas lockerer, in Deutschland wird mehr auf Disziplin Wert gelegt. Am Ende des Tages finde ich braucht es beides. Ich selbst bin ein lockerer Typ, aber manchmal ist es in Schweden wiederrum fast zu locker.
Soccerdonna: Auch vom spielerischen her, merkst Du einen Leistungsunterschied oder ist es ausgeglichen?
Mathilde Janzen: In der Zeit in Deutschland saß ich größtenteils auf der Bank, aber ich würde sagen, dass es ein relativ ähnliches Niveau ist. Natürlich gibt es in der Bundesliga bessere Top-Spielerinnen und Top-Vereine. Das Fußballerische ist aber ähnlich. Beide Länder haben gute Taktiken und die Spielerinnen sind von der Körperlichkeit sehr gut. Es ist aber schwer zu vergleichen.
Soccerdonna: Welche Entwicklungen, sportlich und menschlich, siehst Du bei Dir selbst?
Mathilde Janzen: Die Erfahrungen in Hoffenheim und Bremen haben mich stärker gemacht. Außerdem fühle ich mich gerade in Schweden mental und körperlich sehr stark, da ich viele Spielminuten sammeln konnte, dadurch wird man selbstbewusster. Ich habe gelernt, dass das Leben weitergeht, wenn es mal nicht läuft und neue Spiele und Chancen bekommen werde. Man muss immer weitermachen, ich muss mir selbst treu bleiben und mich nicht verstellen. Dann spiele ich am besten, wenn ich das machen darf, was ich selbst mag.
Soccerdonna: Anschließend dazu, was ist dein prägendster Moment in deiner Karriere bislang gewesen?
Mathilde Janzen: Ich würde sagen, der Gewinn der U17-Europameisterschaft im Jahr 2022. Das hat mir gezeigt, dass alle harten Entscheidungen und Trainings sich gelohnt haben. So einen Titel oder die Berufung zur Nationalmannschaft ist immer eine Ehre.
Soccerdonna: Du besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Bislang hast Du Dich immer für die DFB-Auswahl entschieden. Wieso?
Mathilde Janzen: Bei meinem ersten Lehrgang für Deutschland war ich erst dreizehn Jahre alt. Damals hatte sich Schweden nicht gemeldet, da hier die Sichtungen später beginnen. Nach einem Jahr kam Schweden auf mich zu. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber für Deutschland entschieden, da ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ich durfte an vielen Lehrgängen teilnehmen und ich mochte die Arbeitsweise vor Spielen und auch die verschiedenen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Dennoch habe ich die Tür für Schweden noch nicht geschlossen. Ich wollte erstmal alle U-Nationalmannschaften durchlaufen und wenn es irgendwann die Möglichkeit gibt, für ein A-Team aufzulaufen, werde ich mich entscheiden. Es ist eine schöne Möglichkeit, dass ich für beide Nationen spielen kann. Derzeit fühle ich mich wohl in Deutschland und bin sehr stolz, den Adler auf der Brust zu tragen. Auch, dass ich schon so viele Spiele (55) für Deutschland machen durfte, macht mich stolz.
Soccerdonna: Für Dich ist die Tür noch nicht geschlossen, dennoch, wenn Du Dich heute entscheiden müsstest: Deutschland oder Schweden?
Mathilde Janzen: Ich bin in Schweden aufgewachsen und mein Herz schlägt genauso stark für Schweden, wie für Deutschland. Für Deutschland habe ich schon so viele Spiele gemacht, deswegen finde ich das eine schwere Frage. Beide Nationen sind toll und ich kann gar nicht sagen, für wen ich mich entscheiden würde. Ich muss einfach gucken, wie sich alles entwickelt. Dennoch wäre ich stolz, wenn ich für Deutschland oder für Schweden spielen dürfte.
Soccerdonna: Du bist derzeit mit der U23 unterwegs. Wie sieht gerade deine Zeit gemeinsam mit dem Team aus?*
Mathilde Janzen: Die Zeit ist sehr schön mit dem Team. Seitdem ich wieder in Schweden spiele, sehe ich meine Mitspielerinnen nicht so oft, da wir damals jede Woche in der Bundesliga gegeneinander gespielt haben. Deswegen macht es mir umso mehr Spaß, mit ihnen Fußball zu spielen. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man bei der Nationalmannschaft dabei sein darf. Die Vorfreude vor den beiden Spielen gegen USA ist groß.
Soccerdonna: Was nimmst Du aus diesem Lehrgang mit für Dich?
Mathilde Janzen: Hier ist es so, dass ich zum jüngeren Jahrgang gehöre. Deswegen sind Spielerinnen dabei, die mehr Erfahrung haben und man kann gegenseitig voneinander lernen. Ich versuche immer alles mitzunehmen, Spaß zu haben und meine beste Leistung zu bringen. Dann ist es erst recht schön, wenn man gemeinsam Spiele gewinnt, das macht viel aus.
Soccerdonna: Wie sehen deine nächsten Ziele aus?
Mathilde Janzen: Ich möchte in Schweden viel Spielzeit sammeln, gute Leistungen bringen und mich persönlich weiterentwickeln. Auf lange Sicht will ich viel erreichen: Ich will bei der Nationalmannschaft weiter dabei sein und auch für die A-Nationalmannschaft nominiert werden. Mein großes Ziel ist es bei der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien dabei zu sein. Bis dahin muss ich gucken, für wen ich spiele (lacht). In Schweden möchten wir die beste Platzierung erreichen und auf einen Champions League Platz kommen. Es sind nur noch drei Spiele in der Hinrunde.* Ich glaube, wir können mit der Mannschaft in dieser Saison wirklich was holen.
Soccerdonna: In welchen Bereichen möchtest Du Dich weiter verbessern?
Mathilde Janzen: Ich trainiere im Individualtraining derzeit meine Abschlüsse. Wenn ich mal von außen aufs Tor zulaufe und ich eine Schusssituation bekomme, dass ich da mutiger bin zu schießen. In allen Bereichen kann ich mich verbessern, wie die Präsenz auf dem Platz. Noch lauter zu werden und mehr die Leaderin auf dem Platz sein. Im persönlichen Bereich – eine gute Mentalität habe ich bereits, aber bessere geht immer.
Soccerdonna: Nur noch einige Wochen sind es bis zur Europameisterschaft in der Schweiz. Freust Du Dich darauf?
Mathilde Janzen: Ich freue mich darauf und ich werde die Spiele verfolgen. Ich freue mich immer, solche Turniere anzugucken. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wenn man Turniere spielt, ist es das Beste, was es gibt.
Soccerdonna: Und wer denkst Du, wird die EM gewinnen?
Mathilde Janzen: Das wird eine Nation sein, mit der man nicht rechnet. Wir werden einen Überraschungssieger haben. Vorne mitspielen werden bestimmt Deutschland, Schweden, aber auch England. Mein Bauchgefühl sagt aber, dass wir alle damit nicht rechnen werden, wer sich dieses Jahr den Pokal holt.
*Interview wurde vor den U23-Länderspielen gegen die USA Ende Mai aufgenommen.
Quelle
27.11.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Lenard Baum
Blick nach Skandinavien – Trainerin Mari Savolainen über Finnland, Hope Powell als Mentorin und Britta Carlson
![[Bild: t_5819_442_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_5819_442_2012_1.jpg)
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Seit über 15 Jahren prägt Mari Savolainen den skandinavischen Frauenfußball – als Jugendtrainerin, Scout, Akademieleiterin und Assistenzcoach. Sie arbeitete für das finnische Nationalteam und den FC Nordsjælland in Dänemark. Als Teilnehmerin des UEFA-Mentoring-Programms wurde sie von Englands Trainer-Ikone Hope Powell gefördert, während sie sich mit Britta Carlson, der heutigen Coachin des 1. FC Köln, austauschte. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht Savolainen über grenzübergreifendes Lernen, strukturelle Hürden in Finnland und den Traum von der Champions League.
Soccerdonna: Mari, du hast am Mentorenprogramm der UEFA für Trainerinnen teilgenommen. Was genau beinhaltet das?
Mari Savolainen: Es wurde entwickelt, um Trainerinnen bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Jeder Fußballverband in Europa kann eine Trainerin nominieren, doch nur zehn Mentees werden ausgewählt. Das Programm dauert 18 Monate, daher ist ein hohes Maß an Kommittent erforderlich. Man kann auch angeben, welches Profil die Mentorin haben soll. Ich habe um jemanden gebeten, der auf höchstem Niveau gecoacht hat und hatte das Glück, Hope Powell zu bekommen.
Soccerdonna: Das ist ein legendärer Name. Wie hat diese Verbindung deine Arbeit als Trainerin geprägt?
Mari Savolainen: Hope war großartig. Sie hat mich während der gesamten 18 Monate unterstützt und ist sogar zweimal nach Finnland gekommen. Sie hat meine Trainingseinheiten besucht, selbst eine geleitet, meine Vorgesetzten getroffen und mein Team beim Spielen beobachtet. Es hat mir sehr viel bedeutet, dass jemand mit ihrer Erfahrung so viel Zeit investiert hat. Wir stehen auch heute noch in Kontakt.
Soccerdonna: Gab es eine bestimmte Lektion von ihr, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Mari Savolainen: Als sie nach Finnland kam und eine meiner Trainingseinheiten leitete, wurde mir bewusst, wie wirkungsvoll ihre Kommunikation war. Sie versuchte nicht, mich zu verändern, sondern half mir, mich selbst als Trainerin besser zu verstehen. Zu sehen, wie sie mit Spielerinnen arbeitete, die sie noch nie zuvor getroffen hatte, war eine Lehrstunde in Sachen Führungsqualitäten.
Soccerdonna: Du hast auch Britta Carlson getroffen, die Teil derselben UEFA-Gruppe war, nicht?
Mari Savolainen: Ja, wir haben uns während der Workshops in Nyon kennengelernt. Britta und ich haben uns intensiv darüber unterhalten, welche Art von Coaches wir sein wollen und für welche Werte wir stehen. Obwohl sie damals für die deutsche Nationalmannschaft arbeitete und ich bei einem Verein, hatten wir ähnliche Ansichten über Entwicklung und Führung.
Soccerdonna: Du hast auch Gespräche mit Britta geführt, sie mal beim 1. FC Köln zu besuchen. Was erhoffst du dir von diesem grenzüberschreitenden Austausch?
Mari Savolainen: Lernen. Wenn ich andere Trainerinnen bei ihrer Arbeit beobachte, kann ich meine eigene Philosophie reflektieren. Da Finnland fussballtechnisch ein kleines Land ist, bin ich immer daran interessiert, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie andere an Taktik, Führung und Spielerentwicklung herangehen.
Soccerdonna: Apropos, wie würdest du deine eigene Trainingsphilosophie beschreiben?
Mari Savolainen: Für mich stehen Kommunikation und die Schaffung einer sicheren Umgebung im Mittelpunkt. Spielerinnen bringen ihre beste Leistung, wenn sie glücklich sind und sich wertgeschätzt fühlen. Mein Fokus liegt darauf, sowohl den Spielern als auch den Mitarbeitern dabei zu helfen, in ihren Rollen zu wachsen. Eine gute Umgebung führt zu gutem Fußball.
Soccerdonna: Du siehst dich selbst als zukünftige Cheftrainerin auf höchstem Niveau. Was fehlt dir noch auf diesem Weg?
Mari Savolainen: Es geht vor allem um Beziehungen. Die Leute sind oft positiv überrascht von meinem Lebenslauf, aber im Frauenfußball fehlen noch immer die Netzwerke, die nötig sind, um talentierte Trainerinnen mit Möglichkeiten im Ausland zusammenzubringen. Die Strukturen entwickeln sich, aber wir sind noch nicht ganz am Ziel.
Soccerdonna: Glaubst du, dass diese strukturelle Lücke in Finnland ebenso sichtbar ist?
Mari Savolainen: Ja, unsere Nationalmannschaft ist recht erfolgreich, ebenso wie die Jugendmannschaften, aber die heimische Liga entwickelt sich nicht so schnell wie andere. Wir erreichen mit unseren Vereinen nicht mehr die späteren Runden der Champions League und mit unserer Nationalmannschaft nicht mehr die späteren Runden der Europameisterschaft. Der Frauenfußball erlebt in ganz Europa einen enormen Aufschwung und Finnland muss aufholen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Soccerdonna: Die UEFA hat für diese Saison einen UEFA Women’s Europa Cup eingeführt. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Es bietet kleineren Vereinen die Chance, international anzutreten und Geld zu verdienen. Da die Champions League von England, Frankreich, Spanien und Deutschland dominiert wird, ist ein weiterer europäischer Wettbewerb für kleinere Fußballnationen wirklich wertvoll.
Soccerdonna: Zumindest wechseln inzwischen mehr finnische Spielerinnen ins Ausland, oder?
Mari Savolainen: Das stimmt. Wir haben Spielerinnen in England, Deutschland, Schweden, Italien und den USA. Davon profitiert die A-Nationalmannschaft, aber die Frage ist, was in zehn Jahren passiert, wenn sich unsere Liga strukturell nicht weiterentwickelt.
Soccerdonna: Aus skandinavischer Sicht: Was zeichnet den Fußball in diesen Ländern aus?
Mari Savolainen: Unser kollektives Verständnis des Spiels ist unsere Stärke. Vielleicht haben wir nicht so viele Weltklasse-Einzelspieler, dafür sind wir aber hervorragende Teamplayer. Die taktische Disziplin in Skandinavien ist Weltklasse. Nehmen wir das Spiel zwischen BK Häcken und Hammarby IF DFF, den Nummern eins und zwei in der Damallsvenskan. Die defensive Organisation war unglaublich: Innerhalb von Sekunden standen sieben Spieler im Strafraum. Das ist ein Markenzeichen Skandinaviens.
Soccerdonna: Wie würdest du das derzeitige öffentliche Interesse am Frauenfußball in Finnland beschreiben?
Mari Savolainen: Es wächst. Die Spiele unserer Nationalmannschaft sind oft ausverkauft, besonders, wenn Stars wie Emma Koivisto oder Natalia Kuikka auf dem Platz stehen. Die Leute wollen sie live sehen. Doch diese Begeisterung spiegelt sich noch nicht in den Zuschauerzahlen unserer heimischen Liga wider. Daran müssen wir arbeiten.
Soccerdonna: Du hast auch als TV-Experte bei der Europameisterschaft und der vergangenen Weltmeisterschaft gearbeitet. Verändert die Analyse von Spielen deinen Blick als Trainerin?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Man erkennt Muster im Verhalten von Nationen und Coaches, ihre Stärken und Schwächen. Dadurch habe ich auch einen breiteren Blick auf Führung gewonnen – es geht nicht nur um Taktik. Ein Beispiel ist Sarina Wiegman, die zeigt, dass Kommunikation und Vertrauen genauso entscheidend sein können wie Aufstellung und Strategie.
Soccerdonna: Du sprichst dabei oft über Repräsentation. Fühlst du eine besondere Verantwortung, wenn du im finnischen Fernsehen auftrittst?
Mari Savolainen: Ja, ich mache das nicht, um berühmt zu werden, sondern damit die Menschen sehen, dass Frauen über Fußball sprechen können. Ich möchte, dass junge Mädchen, die zuschauen, denken: „Das könnte mein Beruf sein.“ Als ich ein Kind war, hat es mein Leben verändert, zu sehen, wie 90.000 Menschen den Weltmeistertitel der USA bejubelten. Dieses Gefühl möchte ich jetzt anderen vermitteln.
Soccerdonna: Und schließlich, wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen, wo werden wir dich antreffen?
Mari Savolainen: Hoffentlich an der Seitenlinie eines Champions-League-Clubs in einer der europäischen Top-Ligen. Das ist mein Ziel und ich glaube fest daran, dass ich es erreichen kann.
Quelle
Ich glaub ich bin eine Signatur 
Denken ist die schwerste Aufgabe ...deshalb befassen sich so wenige damit!

