04.01.2026 - 14:53
03.01.2026 - 12:30 Uhr | News | Quelle: sd | von: Pascal Winkler
2025 - Das Jahr endloser Kreuzbandrisse
![[Bild: s_31601_57_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_31601_57_2012_1.jpg)
©FC Bayern München
Es ist der 16.02.2025 (15. Spieltag) als Winterneuzugang Leonie Köster eine Woche nach ihrem Debüt für ihren neuen Verein den 1. FC Union Berlin im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg in der 11. Spielminute ausgewechselt werden muss. Die Abwehrspielerin ist im Rasen hängengeblieben und verletzte sich im am linken Knie. Endergebnis nach dem MRT: Kreuzbandriss und damit eine daraus resultierende monatelange Ausfall- und Rehazeit.
Eine Woche später zog sich die damalige Essenerin Sophia Winkler im Training mit der Nationalmannschaft ebenfalls einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Ohne gegnerische Einwirkung knickte sie bei einer Parade mit dem linken Knie weg. Gerade mal zwölf Wochen vorher debütierte sie in der A-Nationalmannschaft beim 6:0 Sieg in Zürich gegen die Schweiz. 90% aller Verletzungen wie diese passieren ohne Fremdeinwirkungen. So wie in den beiden Fällen von Leonie Köster und Sophia Winkler.
Der Anfang von vielen prägenden Karriere-Einschnitten
So ging es Schlag auf Schlag in der Bundesliga. Es folgten Menglu Shen von der Werkself, Sara Ritter (TSG Hoffenheim), Lara Marti (RB Leipzig), Lilli Purtscheller (SGS Essen), Fiona Gaißer (FC Carl Zeiss Jena), Diána Németh (RB Leipzig), Tuana Mahmoud (SV Werder Bremen), Laura Sieger (Hamburger SV), Sarah Zadrazil (FC Bayern München), Jonna Brengel (1. FC Nürnberg), Giovanna Hoffmann (RB Leipzig), Lena Oberdorf (FC Bayern München), Mailin Tenhagen (SGS Essen) und Korina Janež (1. FC Union Berlin).
Einige von ihnen sind davon schon zum zweiten Mal betroffen wie Purtscheller, Brengel, Hoffmann und Oberdorf. Lena Oberdorf erlitt ihre zweite Verletzung nur 15 Monate nach ihrem ersten Kreuzbandriss, erneut im rechten Knie. Im Gegensatz zu Leonie Köster und Sophia Winkler handelte es sich bei Lena Oberdorf um eine Verletzung mit Fremdeinwirkung, die sogenannte Kontaktverletzung. Laura Sieger erlitt sogar schon ihren dritten Kreuzbandriss in ihrer Karriere.
Im Dezember 2024 holte Barbara Dunst (damals noch Eintracht Frankfurt) und Hannah Lehmann (FC Carl Zeiss Jena) das gleiche Schicksal ein. Beide durften im November 2025 wieder ihr Comeback feiern. In weiteren zwölf Top-Ligen kommt man auf 53 Kreuzbandrisse im Jahr 2025. Darunter befindet sich auf Platz 2 hinter der Bundesliga die Women's Super League in England mit elf Verletzungen dieser Art und auf Platz 3 die National Women's Soccer League in den USA mit acht Kreuzbandrissen. Auch in der 2. Bundesliga und in den fünf Regionalligen kommt man im Jahr 2025 auf ganze 22 Kreuzbandrisse. Dabei wurden Teilrisse des Kreuzbandes oder andere Kreuzbandverletzungen nicht mitgezählt.
Das Gleichgewicht zwischen Leistung und Risiko
4,3-mal häufiger reißt ein weibliches Kreuzband in der 1. und 2. Bundesliga im Vergleich zum männlichen Part. Im Amateurbereich liege der Faktor nur bei 2,5. "Mit Anstieg des Belastungsanspruches haben die Frauen mehr Verletzungen im Vergleich zu den Männern erlitten", erklärt Dr. Leonard Achenbach, Medizinische Leitung der FC Bayern Frauen zu BR24 Sport. Gehe man dann aber in die Champions League, sei keine signifikante Zunahme erkennbar. Im Gegenteil: Der Faktor liege nur noch bei 1,6 bis zwei. "Das heißt, die Professionalität des Umfelds der Champions-League-Mannschaften kann zumindest dieses Risiko deutlich minimieren, sodass wir immer noch einen Unterschied sehen, er aber nicht mehr so extrem ist wie bei den Männern", so Dr. Achenbach.
Bei einer Europameisterschaft zeigen Spielerinnen ihr ganzes Können und rücken damit auch ein medizinisches Risiko in den Fokus, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). "Der weibliche Körper bringt besondere anatomische, biomechanische und hormonelle Voraussetzungen mit sich, die zu einer besonderen Verletzungsgefahr des Kniegelenks führen", sagt Prof. Christoph H. Lohmann, Präsident der DGOU.
Die anatomischen Faktoren: Frauen haben meist ein breiteres Becken, engere Knie-Knochen und eine X-Bein-Stellung, die das Knie stärker belasten.
Die hormonellen Faktoren: Der Menstruationszyklus hat Einfluss auf das Bindegewebe und kann dieses weicher machen. Die Sexualhormone Östrogen und Progesteron stehen unter Verdacht neuromuskuläre Reaktionen zu verändern. Dazu hat die FIFA ein Forschungsprojekt in London ins Leben gerufen, da es bislang noch nicht ausreichend erforscht, aber im Erfahrungswissen der Ärzte vorhanden ist. "Aus der Erfahrung heraus ist es so, dass einzelne Spielerinnen sich vermehrt in bestimmten Zyklusphasen verletzten" sagt Dr. Lisa Bode, Medizinische Leitung der SC Freiburg Frauen gegenüber dem ZDF.
Die biomechanischen Faktoren: Die Landetechnik und das Muskelkraftverhältnis bei Frauen machen das Kniegelenk anfälliger. Durch eine dünnere Bandstruktur und eine schwächere Stabilisierung werden diese Faktoren zudem noch zusätzlich verstärkt.
Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist ein Teil-oder Vollriss eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk. Wird von einem klassischen Kreuzbandriss gesprochen ist immer das vordere Band gemeint. Eine Verletzung des hinteren Bandes ist dagegen sehr selten. Die beiden Verletzungen stehen in einem Verhältnis von 30:1. Die ehemalige Nationaltorhüterin Merle Frohms vom spanischen Champions League-Teilnehmer Real Madrid erlitt einen solchen Riss im hinteren Kreuzband Mitte Oktober 2025. Eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes ist schwerwiegender als eine vordere Kreuzbandruptur, da sie oft mit anderen Bandverletzungen auftritt. Handelt es sich jedoch um eine isolierte Verletzung, ohne Begleitverletzungen, liegen gute Heilungstendenzen zu Grunde. Die Ausfallzeiten hängen stark von verschiedenen Kriterien ab. Bei einer operativen Behandlung geht man beim vorderen Kreuzband von acht bis neun Monaten aus, beim hinteren Kreuzband von neun bis zwölf Monaten. Bei der Operation wird das gerissene Kreuzband im Knie durch ein körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt. Ein Kreuzbandriss lässt sich grundsätzlich auch konservativ behandeln, so auch bei Merle Frohms.
Eines lässt sich auf jeden Fall sagen: Die Anzahl der Kreuzbandrisse ist viel zu hoch. Auch wenn zum Thema Vorbeugung vieles bereits angewendet und anderes noch erforscht wird, gibt es einen Punkt, der fortlaufend umstrukturiert werden muss: "Die Belastungssteuerung". Denn diese orientiert sich derzeit noch zu sehr an den physischen Grundlagen der Männer und muss mehr an die weiblichen Gegebenheiten angepasst werden.
Quelle
04.01.2026 - 12:45 Uhr | News | Quelle: sd | von: Stefan Wallaschek
Was Torbeteiligungen über den Fußball der BL-Hinrunde erzählen
![[Bild: s_26657_18_2012_2.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_26657_18_2012_2.jpg)
©TSG Hoffenheim
Viertelfinale der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. USA gegen Brasilien, 122. Minute der Verlängerung. Die US-Amerikanerinnen stehen vor dem Aus, als Megan Rapinoe ein letztes Mal den Ball mit links in den Strafraum schlägt. Abby Wambach steigt hoch, köpft – Tor. Ausgleich. Die USA gewinnen später im Elfmeterschießen. Fast 15 Jahre später, Viertelfinale der Europameisterschaft 2025 in der Schweiz. Deutschland gegen Frankreich. Die DFB-Elf spielt in Unterzahl, liegt 0:1 zurück. Eckball, 25. Minute. Klara Bühl bringt den Ball auf den kurzen Pfosten, Sjoeke Nüsken verlängert ihn ins Tor. Das Spiel endet erneut mit Elfmeterschießen und einem epischen Ende zugunsten der DFB-Elf. Diese Szenen gehören zur jüngeren Geschichte des Frauenfußballs. Und sie verdeutlichen etwas, das im Spiel oft selbstverständlich wirkt: Tore entstehen selten allein. Sie sind fast immer das Ergebnis von Vorarbeit – von Pässen, Flanken, Ecken, Standards. Ohne präzise Vorlagen gibt es viele uns bekannter, völlig ikonischer Treffer, nicht.
Was uns Vorlagen erzählen
Mit dem Ende der Hinrunde der Bundesliga 2025/26 wird deutlicher, welche Offensivmuster tragen – und welche Mannschaften ihre Tore tatsächlich herausspielen. In 98 Spielen – inklusive des 14. Spieltags – fielen 349 Tore. Rund zwei Drittel davon wurden nach einer direkten Torvorlage erzielt. Elfmeter und Eigentore machen nur einen kleineren Teil aus, ebenso Treffer ohne Assist, etwa nach Einzelaktionen oder Abprallern. Die Mehrheit der Tore ist vorbereitet – und damit ein klarer Ausdruck funktionierender Offensivstrukturen.
Tore sind Teamarbeit
Dabei lohnt sich der Blick auf die Unterschiede zwischen den Teams. Besonders hohe Anteile an assistierten Toren weisen die Spitzenteams auf. Der FC Bayern München kommt auf knapp 80 Prozent, der 1. FC Köln und der VfL Wolfsburg liegen ebenfalls deutlich über dem Ligadurchschnitt von 64 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Mannschaften wie die SGS Essen, Union Berlin oder Carl Zeiss Jena, bei denen weniger als die Hälfte der Tore nach einer direkten Vorlage fällt.
Natürlich spielt dabei auch die absolute Zahl der erzielten Tore eine Rolle – im positiven wie im negativen Sinn. Doch unabhängig davon zeichnen sich klare Tendenzen ab. Erfolgreiche Teams finden häufiger kreative, kollektive Lösungen, um Torchancen zu kreieren. Sie spielen sich Chancen heraus, nutzen Laufwege, Passfolgen und abgestimmte Bewegungen. Mannschaften mit schwächerer Offensive hingegen sind öfter auf Einzelaktionen, Zufälle oder Fehler der Gegnerinnen angewiesen.
Warum Tore schießen allein nicht reicht
Denn Tore entstehen nicht aus dem Nichts. Sie müssen vorbereitet werden. Standards wie Elfmeter bleiben wichtige Mittel, doch sie können kein nachhaltiges Offensivkonzept ersetzen. Wenn zentrale Automatismen fehlen, wenn kreative Spielerinnen den Verein verlassen oder nicht adäquat ersetzt werden, wenn Zielspielerinnen in der Sturmspitze fehlen oder verletzt sind, geraten Mannschaften ins Straucheln. Das Problem liegt dann nicht nur im Abschließen – sondern bereits einen Schritt davor.
Mehr als Scorerinnenpunkte
Ein Blick auf die Scorerinnenliste verdeutlicht das Zusammenspiel von Toren und Vorlagen. Klara Bühl führt die Liste mit 18 Scorerpunkten an, verteilt auf sechs Tore und zwölf Vorlagen. Dahinter folgen Alexandra Popp und Selina Cerci. Auffällig ist jedoch weniger die Rangfolge als die Verteilung: Nur fünf Spielerinnen kommen in dieser Saison bislang auf mindestens fünf Vorlagen. Bühl ragt heraus, doch auch sie steht nicht allein – ihre Zahlen sind eingebettet in die funktionierende Offensive des FCB.
Wenn zwei Spielerinnen den Unterschied machen
Noch deutlicher wird das auf der Ebene der Duos. Denn zu jedem assistierten Tor gehören zwei Spielerinnen. In der Hinrunde lassen sich 179 verschiedene Vorlagen-Tor-Kombinationen identifizieren – ein Hinweis auf eine gewisse Parität in der Liga. Kein einziges Duo dominiert ligaweit. Das häufigste Duo – Cerci und Kössler von der TSG – war an vier Toren beteiligt, fünf weitere Duos an jeweils drei Treffern. Und diese sechs Duos stammen aus fünf unterschiedlichen Teams. Selbst bei den Topklubs verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern. Eine Ausnahme bildet Bayern München, wo sich mit Bühl/Harder und Bühl/Dallmann zwei Duos abzeichnen, die wiederholt gemeinsam an Treffern beteiligt waren (je 3). Ligaweit führen Selina Cerci und Melissa Kössler von der TSG Hoffenheim mit vier gemeinsamen Torbeteiligungen. Bezogen auf alle Hoffenheimer Tore entspricht das rund 14 Prozent – ein beachtlicher, aber kein außergewöhnlicher Wert.
Abhängigkeit als strukturelles Risiko
Relativ gesehen sind andere Duos sogar noch wichtiger für ihre Teams. Beim Hamburger SV entfällt ein ähnlicher Anteil der Tore auf die Kombination Brunnthaler/Stoldt, bei Carl Zeiss Jena liegt das Duo Jaron/Tietz sogar bei knapp 15 Prozent. Der Grund dafür ist simpel: Beide Teams erzielen insgesamt weniger Tore. Gleichzeitig zeigt sich darin die Abhängigkeit von einzelnen Spielerinnen oder festen Spielerinnen-Kombinationen, die weitaus größer ist. Gerade darin zeigt sich eine strukturelle Schwäche vieler Teams in der unteren Tabellenhälfte. Sie haben nicht nur Probleme, Tore herauszuspielen – sie sind auch stärker auf wenige Akteurinnen angewiesen. Bessere Teams können Ausfälle kompensieren, Rollen rotieren, Verantwortung verteilen. Schwächere Teams hingegen werden berechenbarer, wenn ihre zentralen Duos nicht funktionieren.
Was Vorlagen über den Fußball verraten
Torvorlagen gehören zum Tore schießen wie die Torwarthandschuhe zu einer Torhüterin: Ohne wird es deutlich schwerer. Vorlagen sind also kein schmückendes Beiwerk, sondern ein zentraler Indikator für Eingespieltheit, offensive Vielfalt sowie Struktur. Es wird spannend zu sehen sein, wie die Rückrunde verläuft und inwiefern sich die aufgezeigten Tendenzen verfestigen oder sich im Laufe der Saison verschieben.
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2025 - Das Jahr endloser Kreuzbandrisse
![[Bild: s_31601_57_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_31601_57_2012_1.jpg)
©FC Bayern München
Es ist der 16.02.2025 (15. Spieltag) als Winterneuzugang Leonie Köster eine Woche nach ihrem Debüt für ihren neuen Verein den 1. FC Union Berlin im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg in der 11. Spielminute ausgewechselt werden muss. Die Abwehrspielerin ist im Rasen hängengeblieben und verletzte sich im am linken Knie. Endergebnis nach dem MRT: Kreuzbandriss und damit eine daraus resultierende monatelange Ausfall- und Rehazeit.
Eine Woche später zog sich die damalige Essenerin Sophia Winkler im Training mit der Nationalmannschaft ebenfalls einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. Ohne gegnerische Einwirkung knickte sie bei einer Parade mit dem linken Knie weg. Gerade mal zwölf Wochen vorher debütierte sie in der A-Nationalmannschaft beim 6:0 Sieg in Zürich gegen die Schweiz. 90% aller Verletzungen wie diese passieren ohne Fremdeinwirkungen. So wie in den beiden Fällen von Leonie Köster und Sophia Winkler.
Der Anfang von vielen prägenden Karriere-Einschnitten
So ging es Schlag auf Schlag in der Bundesliga. Es folgten Menglu Shen von der Werkself, Sara Ritter (TSG Hoffenheim), Lara Marti (RB Leipzig), Lilli Purtscheller (SGS Essen), Fiona Gaißer (FC Carl Zeiss Jena), Diána Németh (RB Leipzig), Tuana Mahmoud (SV Werder Bremen), Laura Sieger (Hamburger SV), Sarah Zadrazil (FC Bayern München), Jonna Brengel (1. FC Nürnberg), Giovanna Hoffmann (RB Leipzig), Lena Oberdorf (FC Bayern München), Mailin Tenhagen (SGS Essen) und Korina Janež (1. FC Union Berlin).
Einige von ihnen sind davon schon zum zweiten Mal betroffen wie Purtscheller, Brengel, Hoffmann und Oberdorf. Lena Oberdorf erlitt ihre zweite Verletzung nur 15 Monate nach ihrem ersten Kreuzbandriss, erneut im rechten Knie. Im Gegensatz zu Leonie Köster und Sophia Winkler handelte es sich bei Lena Oberdorf um eine Verletzung mit Fremdeinwirkung, die sogenannte Kontaktverletzung. Laura Sieger erlitt sogar schon ihren dritten Kreuzbandriss in ihrer Karriere.
Im Dezember 2024 holte Barbara Dunst (damals noch Eintracht Frankfurt) und Hannah Lehmann (FC Carl Zeiss Jena) das gleiche Schicksal ein. Beide durften im November 2025 wieder ihr Comeback feiern. In weiteren zwölf Top-Ligen kommt man auf 53 Kreuzbandrisse im Jahr 2025. Darunter befindet sich auf Platz 2 hinter der Bundesliga die Women's Super League in England mit elf Verletzungen dieser Art und auf Platz 3 die National Women's Soccer League in den USA mit acht Kreuzbandrissen. Auch in der 2. Bundesliga und in den fünf Regionalligen kommt man im Jahr 2025 auf ganze 22 Kreuzbandrisse. Dabei wurden Teilrisse des Kreuzbandes oder andere Kreuzbandverletzungen nicht mitgezählt.
Das Gleichgewicht zwischen Leistung und Risiko
4,3-mal häufiger reißt ein weibliches Kreuzband in der 1. und 2. Bundesliga im Vergleich zum männlichen Part. Im Amateurbereich liege der Faktor nur bei 2,5. "Mit Anstieg des Belastungsanspruches haben die Frauen mehr Verletzungen im Vergleich zu den Männern erlitten", erklärt Dr. Leonard Achenbach, Medizinische Leitung der FC Bayern Frauen zu BR24 Sport. Gehe man dann aber in die Champions League, sei keine signifikante Zunahme erkennbar. Im Gegenteil: Der Faktor liege nur noch bei 1,6 bis zwei. "Das heißt, die Professionalität des Umfelds der Champions-League-Mannschaften kann zumindest dieses Risiko deutlich minimieren, sodass wir immer noch einen Unterschied sehen, er aber nicht mehr so extrem ist wie bei den Männern", so Dr. Achenbach.
Bei einer Europameisterschaft zeigen Spielerinnen ihr ganzes Können und rücken damit auch ein medizinisches Risiko in den Fokus, so die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). "Der weibliche Körper bringt besondere anatomische, biomechanische und hormonelle Voraussetzungen mit sich, die zu einer besonderen Verletzungsgefahr des Kniegelenks führen", sagt Prof. Christoph H. Lohmann, Präsident der DGOU.
Die anatomischen Faktoren: Frauen haben meist ein breiteres Becken, engere Knie-Knochen und eine X-Bein-Stellung, die das Knie stärker belasten.
Die hormonellen Faktoren: Der Menstruationszyklus hat Einfluss auf das Bindegewebe und kann dieses weicher machen. Die Sexualhormone Östrogen und Progesteron stehen unter Verdacht neuromuskuläre Reaktionen zu verändern. Dazu hat die FIFA ein Forschungsprojekt in London ins Leben gerufen, da es bislang noch nicht ausreichend erforscht, aber im Erfahrungswissen der Ärzte vorhanden ist. "Aus der Erfahrung heraus ist es so, dass einzelne Spielerinnen sich vermehrt in bestimmten Zyklusphasen verletzten" sagt Dr. Lisa Bode, Medizinische Leitung der SC Freiburg Frauen gegenüber dem ZDF.
Die biomechanischen Faktoren: Die Landetechnik und das Muskelkraftverhältnis bei Frauen machen das Kniegelenk anfälliger. Durch eine dünnere Bandstruktur und eine schwächere Stabilisierung werden diese Faktoren zudem noch zusätzlich verstärkt.
Ein Kreuzbandriss (Kreuzbandruptur) ist ein Teil-oder Vollriss eines der beiden Kreuzbänder im Kniegelenk. Wird von einem klassischen Kreuzbandriss gesprochen ist immer das vordere Band gemeint. Eine Verletzung des hinteren Bandes ist dagegen sehr selten. Die beiden Verletzungen stehen in einem Verhältnis von 30:1. Die ehemalige Nationaltorhüterin Merle Frohms vom spanischen Champions League-Teilnehmer Real Madrid erlitt einen solchen Riss im hinteren Kreuzband Mitte Oktober 2025. Eine Verletzung des hinteren Kreuzbandes ist schwerwiegender als eine vordere Kreuzbandruptur, da sie oft mit anderen Bandverletzungen auftritt. Handelt es sich jedoch um eine isolierte Verletzung, ohne Begleitverletzungen, liegen gute Heilungstendenzen zu Grunde. Die Ausfallzeiten hängen stark von verschiedenen Kriterien ab. Bei einer operativen Behandlung geht man beim vorderen Kreuzband von acht bis neun Monaten aus, beim hinteren Kreuzband von neun bis zwölf Monaten. Bei der Operation wird das gerissene Kreuzband im Knie durch ein körpereigenes Sehnentransplantat ersetzt. Ein Kreuzbandriss lässt sich grundsätzlich auch konservativ behandeln, so auch bei Merle Frohms.
Eines lässt sich auf jeden Fall sagen: Die Anzahl der Kreuzbandrisse ist viel zu hoch. Auch wenn zum Thema Vorbeugung vieles bereits angewendet und anderes noch erforscht wird, gibt es einen Punkt, der fortlaufend umstrukturiert werden muss: "Die Belastungssteuerung". Denn diese orientiert sich derzeit noch zu sehr an den physischen Grundlagen der Männer und muss mehr an die weiblichen Gegebenheiten angepasst werden.
Quelle
04.01.2026 - 12:45 Uhr | News | Quelle: sd | von: Stefan Wallaschek
Was Torbeteiligungen über den Fußball der BL-Hinrunde erzählen
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©TSG Hoffenheim
Viertelfinale der Weltmeisterschaft 2011 in Deutschland. USA gegen Brasilien, 122. Minute der Verlängerung. Die US-Amerikanerinnen stehen vor dem Aus, als Megan Rapinoe ein letztes Mal den Ball mit links in den Strafraum schlägt. Abby Wambach steigt hoch, köpft – Tor. Ausgleich. Die USA gewinnen später im Elfmeterschießen. Fast 15 Jahre später, Viertelfinale der Europameisterschaft 2025 in der Schweiz. Deutschland gegen Frankreich. Die DFB-Elf spielt in Unterzahl, liegt 0:1 zurück. Eckball, 25. Minute. Klara Bühl bringt den Ball auf den kurzen Pfosten, Sjoeke Nüsken verlängert ihn ins Tor. Das Spiel endet erneut mit Elfmeterschießen und einem epischen Ende zugunsten der DFB-Elf. Diese Szenen gehören zur jüngeren Geschichte des Frauenfußballs. Und sie verdeutlichen etwas, das im Spiel oft selbstverständlich wirkt: Tore entstehen selten allein. Sie sind fast immer das Ergebnis von Vorarbeit – von Pässen, Flanken, Ecken, Standards. Ohne präzise Vorlagen gibt es viele uns bekannter, völlig ikonischer Treffer, nicht.
Was uns Vorlagen erzählen
Mit dem Ende der Hinrunde der Bundesliga 2025/26 wird deutlicher, welche Offensivmuster tragen – und welche Mannschaften ihre Tore tatsächlich herausspielen. In 98 Spielen – inklusive des 14. Spieltags – fielen 349 Tore. Rund zwei Drittel davon wurden nach einer direkten Torvorlage erzielt. Elfmeter und Eigentore machen nur einen kleineren Teil aus, ebenso Treffer ohne Assist, etwa nach Einzelaktionen oder Abprallern. Die Mehrheit der Tore ist vorbereitet – und damit ein klarer Ausdruck funktionierender Offensivstrukturen.
Tore sind Teamarbeit
Dabei lohnt sich der Blick auf die Unterschiede zwischen den Teams. Besonders hohe Anteile an assistierten Toren weisen die Spitzenteams auf. Der FC Bayern München kommt auf knapp 80 Prozent, der 1. FC Köln und der VfL Wolfsburg liegen ebenfalls deutlich über dem Ligadurchschnitt von 64 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Mannschaften wie die SGS Essen, Union Berlin oder Carl Zeiss Jena, bei denen weniger als die Hälfte der Tore nach einer direkten Vorlage fällt.
Natürlich spielt dabei auch die absolute Zahl der erzielten Tore eine Rolle – im positiven wie im negativen Sinn. Doch unabhängig davon zeichnen sich klare Tendenzen ab. Erfolgreiche Teams finden häufiger kreative, kollektive Lösungen, um Torchancen zu kreieren. Sie spielen sich Chancen heraus, nutzen Laufwege, Passfolgen und abgestimmte Bewegungen. Mannschaften mit schwächerer Offensive hingegen sind öfter auf Einzelaktionen, Zufälle oder Fehler der Gegnerinnen angewiesen.
Warum Tore schießen allein nicht reicht
Denn Tore entstehen nicht aus dem Nichts. Sie müssen vorbereitet werden. Standards wie Elfmeter bleiben wichtige Mittel, doch sie können kein nachhaltiges Offensivkonzept ersetzen. Wenn zentrale Automatismen fehlen, wenn kreative Spielerinnen den Verein verlassen oder nicht adäquat ersetzt werden, wenn Zielspielerinnen in der Sturmspitze fehlen oder verletzt sind, geraten Mannschaften ins Straucheln. Das Problem liegt dann nicht nur im Abschließen – sondern bereits einen Schritt davor.
Mehr als Scorerinnenpunkte
Ein Blick auf die Scorerinnenliste verdeutlicht das Zusammenspiel von Toren und Vorlagen. Klara Bühl führt die Liste mit 18 Scorerpunkten an, verteilt auf sechs Tore und zwölf Vorlagen. Dahinter folgen Alexandra Popp und Selina Cerci. Auffällig ist jedoch weniger die Rangfolge als die Verteilung: Nur fünf Spielerinnen kommen in dieser Saison bislang auf mindestens fünf Vorlagen. Bühl ragt heraus, doch auch sie steht nicht allein – ihre Zahlen sind eingebettet in die funktionierende Offensive des FCB.
Wenn zwei Spielerinnen den Unterschied machen
Noch deutlicher wird das auf der Ebene der Duos. Denn zu jedem assistierten Tor gehören zwei Spielerinnen. In der Hinrunde lassen sich 179 verschiedene Vorlagen-Tor-Kombinationen identifizieren – ein Hinweis auf eine gewisse Parität in der Liga. Kein einziges Duo dominiert ligaweit. Das häufigste Duo – Cerci und Kössler von der TSG – war an vier Toren beteiligt, fünf weitere Duos an jeweils drei Treffern. Und diese sechs Duos stammen aus fünf unterschiedlichen Teams. Selbst bei den Topklubs verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern. Eine Ausnahme bildet Bayern München, wo sich mit Bühl/Harder und Bühl/Dallmann zwei Duos abzeichnen, die wiederholt gemeinsam an Treffern beteiligt waren (je 3). Ligaweit führen Selina Cerci und Melissa Kössler von der TSG Hoffenheim mit vier gemeinsamen Torbeteiligungen. Bezogen auf alle Hoffenheimer Tore entspricht das rund 14 Prozent – ein beachtlicher, aber kein außergewöhnlicher Wert.
Abhängigkeit als strukturelles Risiko
Relativ gesehen sind andere Duos sogar noch wichtiger für ihre Teams. Beim Hamburger SV entfällt ein ähnlicher Anteil der Tore auf die Kombination Brunnthaler/Stoldt, bei Carl Zeiss Jena liegt das Duo Jaron/Tietz sogar bei knapp 15 Prozent. Der Grund dafür ist simpel: Beide Teams erzielen insgesamt weniger Tore. Gleichzeitig zeigt sich darin die Abhängigkeit von einzelnen Spielerinnen oder festen Spielerinnen-Kombinationen, die weitaus größer ist. Gerade darin zeigt sich eine strukturelle Schwäche vieler Teams in der unteren Tabellenhälfte. Sie haben nicht nur Probleme, Tore herauszuspielen – sie sind auch stärker auf wenige Akteurinnen angewiesen. Bessere Teams können Ausfälle kompensieren, Rollen rotieren, Verantwortung verteilen. Schwächere Teams hingegen werden berechenbarer, wenn ihre zentralen Duos nicht funktionieren.
Was Vorlagen über den Fußball verraten
Torvorlagen gehören zum Tore schießen wie die Torwarthandschuhe zu einer Torhüterin: Ohne wird es deutlich schwerer. Vorlagen sind also kein schmückendes Beiwerk, sondern ein zentraler Indikator für Eingespieltheit, offensive Vielfalt sowie Struktur. Es wird spannend zu sehen sein, wie die Rückrunde verläuft und inwiefern sich die aufgezeigten Tendenzen verfestigen oder sich im Laufe der Saison verschieben.
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Ich glaub ich bin eine Signatur 
Denken ist die schwerste Aufgabe ...deshalb befassen sich so wenige damit!

