Beiträge: 125.175
Themen: 6.562
Danke Empfangen: 31 in 31 Beiträgen
Danke gegeben: 47
Registriert seit: 28.01.2013
Bewertung:
2
12.02.2026 - 11:06
Interviewarchiv
12.06.2024 - 13:45 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Doruk Sahinel und Banu Yelkovan
Es war mein Traum, mit dem Trikot von Galatasaray die Meisterschaft zu gewinnen
![[Bild: s_22013_9537_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_22013_9537_2012_1.jpg)
©Akin Celiktas
In Teil 3 unserer Viererreihe kommt Ebru Topçu zu Wort. Die 27-Jährige war mit 15 Saisontoren an der Spitze der Topscorerinnen von Galatasaray.
Soccerdonna: Frau Topçu, wenn Sie zurückblicken, wie bewerten Sie diese Saison?
Ebru Topçu: Es war eine sehr gute Saison für mich und mein Team; aber diese Saison war auch stressiger und aufregender, weil sie ein bisschen intensiver war. Dies spiegelte sich in den Spielen wider, die für uns manchmal gut und manchmal schlecht waren. In der Mannschaft herrscht im Allgemeinen eine familiäre Atmosphäre, und ich denke, wir waren erfolgreich, weil wir unsere gute Freundschaft auch auf dem Spielfeld widerspiegeln konnten.
Soccerdonna: Was war für Sie der entscheidende Moment der Saison? Wenn ich Sie frage, ob es ein Spiel gibt, das auf dem Weg zur Meisterschaft wichtiger ist als andere, was fällt Ihnen dann als erstes ein?
Ebru Topçu: Es gab nicht nur einen Moment, sondern viele Momente, die ich als entscheidend bezeichnen kann. Aber einer der wichtigsten war das Tor, das wir in der 90+5. Minute gegen Hakkarigücü erzielt haben.
Soccerdonna: Wie würden Sie Ihre eigene Leistung bewerten?
Ebru Topçu: Ich habe die Saison mit 15 Toren abgeschlossen. Ich kann es nicht allein schaffen, und so haben auch meine Freunde einen großen Teil zu diesem Erfolg beigetragen. Es war eine schöne und wichtige Saison für mich.
Soccerdonna: Im Frauenfußball hat die Türkei noch keine Mannschaft in die Gruppenphase der neuen Form der UEFA Women’s Champions League geschickt. Was ist Ihrer Meinung nach ein realistisches Ziel für Galatasaray in der nächsten Saison in Europa?
Ebru Topçu: Zunächst einmal wollen wir unser Land in der Champions League so gut wie möglich vertreten, und dafür werden wir unser Bestes geben. Natürlich können wir es schaffen, aber dazu müssen wir unserem körperlichen Zustand verbessern.
Soccerdonna: Sind Sie mit der Unterstützung der Fans in dieser Saison zufrieden? Träumen Sie davon, Ihre Spiele im Rams Park auszutragen, wenn Sie sich für die Champions-League-Gruppen qualifizieren?
Ebru Topçu: Unsere Fans kommen zu unseren Spielen, um uns so gut wie möglich zu unterstützen. Vor allem die Unterstützung unserer Fans im letzten Spiel gegen ALG Spor ist nicht zu vergessen. Natürlich ist es ein Traum von mir, im Rams Park zu spielen. Ich hoffe, dass ich mir diesen Traum auch erfüllen kann.
Soccerdonna: In der letzten Saison wurde Galatasaray Gruppenerster in der Liga, aber verlor die Meisterschaft im Playoff-Halbfinale. Wie haben Sie sich nach dieser Niederlage als Team neu motiviert, um Galatasaray zu helfen, seine erste Meisterschaft in der türkischen Liga zu gewinnen?
Ebru Topçu: In der letzten Saison waren wir bis zu den Playoffs Tabellenführer, aber in den Playoffs haben wir nicht sehr gut gespielt, und wir waren sehr traurig. Diese Traurigkeit in der Umkleidekabine habe ich nie vergessen. Im Laufe dieser Saison bin ich ehrgeiziger geworden und habe versucht, mich mehr zu motivieren, weil ich nicht noch einmal so traurig sein wollte. Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass die Liga eine Doppelrunde haben sollte, damit wir mehr Spiele bestreiten können. Das trägt auch zur Entwicklung des Frauenfußballs bei.
Soccerdonna: Glauben Sie, dass die Meisterschaft von Galatasaray ein Wendepunkt für den Frauenfußball sein kann?
Ebru Topçu: Es war mein Traum, mit dem Trikot von Galatasaray die Meisterschaft zu gewinnen. Ich lebe gerade meinen Traum und bin sehr stolz. Neben der Meisterschaft spielen wir als A-Nationalmannschaft in der UEFA Nations League in der B-Liga, und wenn wir die nächsten beiden Spiele gewinnen, befinden wir uns in der nächsten Qualifikationsphase der Europameisterschaft. Ich denke, dass der Frauenfußball dank dieser Erfolge noch viel populärer wird.
Quelle
31.07.2024 - 21:29 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: doruk Sahinel und Banu Yelkovan
Zeigt eure Kräfte, die das Universum uns Frauen geschenkt hat
![[Bild: t_4065_808_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_4065_808_2012_1.jpg)
©privat
Soccerdonna: Frau Güngör Kırağası, können wir Sie ein wenig kennenlernen? Wie haben Sie Ihre Karriere als Trainerin begonnen?
Güngör Kırağası: Ich wurde im Jahr 1981 in Ankara geboren und habe mein Studium an der Hacettepe Universität, Fakultät für Sportwissenschaften und Technologie, im Fachbereich Sportpädagogik abgeschlossen. Im ersten Jahr meines Studiums begann ich meine Trainerkarriere bei Ankaragücü mit Trainer Ersun Yanal und seinem Team. Das erste Training, zu dem ich zufällig ging und sagte, ich würde es einmal versuchen, veränderte den Rest meines Lebens. Danach setzte ich meine Karriere bei Gençlerbirliği, Ankaraspor, und Vestel Manisaspor fort. 2008 fragte mich Oğuz Çetin (Ed. Not. Direktor für Entwicklung in der TFF und ehemalige Fenerbahçe-Legende), ob ich in den Frauen-Nationalmannschaften arbeiten wolle, und so hat meine Karriere in den Frauen-Nationalmannschaften begonnen. Zunächst habe ich als zuerst als Assistenztrainerin in allen Altersklassen, dann als Trainerin der U15- und der U17- Nationalmannschaft gearbeitet.
Soccerdonna: Wie haben Sie als Trainerin bei der Frauennationalmannschaft angefangen?
Güngör Kırağası: Bevor ich die Trainerin der Frauennationalmannschaft wurde, habe ich als Technischer Direktorin und Trainerin in allen Altersklassen der Frauen-Nationalmannschaften gearbeitet. Ich war nicht nur auf dem Spielfeld involviert, sondern auch in die Projektenwicklung, und das Managementprozess des Frauenfußballs. Im Jahr 2020 habe ich auf Vorschlag von Tolunay Kafkas und Oğuz Çetin und mit Zustimmung unseres Vorstands die A-Nationalmannschaft mit meinem Team übernommen.
Soccerdonna: Wie würden Sie Ihren Trainerstil erklären?
Güngör Kırağası: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich glaube nicht, dass man den Stil eines Trainerins in eine klare Schablone einpassen kann. Ich versuche, eine Führungsfigur zu sein. Als Trainerinnen sollen wir Menschen sein, die den Prozess leiten und die Probleme vorhersehen können. Außerdem sollen wir die positiven Bedingungen für alle gleichermaßen schaffen und verteilen und die Gruppe, die wir ansprechen, davon überzeugen, an das Ziel zu glauben und den gleichen Weg zu gehen. Auf meiner Seite bin ich eine Trainerin, der Regeln hat aber auch der Spaß an dem hat, was sie tut. Ich greife sofort ein, wenn ich etwas Falsches tue. Ich verfolge die wissenschaftlichen Entwicklungen, um innovativ zu sein und ich glaube, dass ich Fußball nicht nur auf dem Feld, sondern auch mit Komponenten außerhalb des Feldes wachsen kann.
Soccerdonna: Nach dem 4:1-Auswärtssieg gegen Ungarn haben Sie sich für die Play-off-Runde für die EURO 2025 qualifiziert. Wie haben Sie sich auf diese Spiele vorbereitet? Wie bewerten Sie Ihre Leistung in der Qualifikationsgruppe?
Güngör Kırağası: Wir hatten einen guten Start in die Gruppenspiele. In der Mitte haben wir Schwankungen erlebt, aber trotzdem konnten wir die Gruppe mit einem guten Ergebnis abschließen. Während die Liga gespielt wurde, konnten wir mehr Zeit für die Taktik als für die Fitness unserer Spieler aufwenden. Die zwei Aserbaidschan-Spiele nach dem Ende der Liga waren jedoch sehr schwierig, weil wir uns mehr auf den Mangel an Fitness konzentrieren mussten als taktisch zu arbeiten. Es war auch schwierig, die Mannschaft zu motivieren, denn unsere Spielerinnen hatten seit der Nations League C-Liga keinen Urlaub mehr. Unser erster Plan war natürlich, der zweite Spiele in Aserbaidschan zu gewinnen und die Gruppe als Zweiter abzuschließen, aber das war nicht möglich.
In der letzten Periode haben wir die Spiele gegen die Schweiz und Ungarn mit dem Stress des Vormonats begonnen. Im letzten Spiel haben wir auswärts mit einem gutem Kampf 4 Tore erzielt und gegen einen Gegner wie Ungarn gewonnen. Es war sehr wichtig, dass wir alle Tore im offenen Spiel gefunden haben, mit den Bällen, die wir zu unseren 2 Flügelspielern und 2 Stürmern brachten.
Soccerdonna: Die Reise, die Sie zu den heutigen Playoffs der Gruppe B führte, begann im September 2023 in der C-Liga der Nations League. Sie beendeten diese Gruppe mit 6 Siegen in 6 Spielen als Erster und qualifizierten sich für die Qualifikationsrunde der B-Liga. Wenn Sie ein Jahr zurückblicken, haben Sie alle Ziele, die Sie sich für heute gesetzt haben, erreicht? Was ist Ihr nächstes Ziel?
Güngör Kırağası: Die Spiele der C-Liga waren unvergesslich. Als ich 2020 die Leitung der A-Mannschaft übernahm, stellte ich meinen Spielern bei der ersten Sitzung vor: „Was sind unsere kurz-, mittel- und langfristigen Ziele?“, „Wie geht diese Reise weiter?“, „Was sind unsere Erwartungen an unsere Spieler?“, „Was werden wir für die Entwicklung unserer Spieler tun?“. Es war kein einfacher Prozess, aber als unsere Spieler die Entwicklung und die Veränderung erlebten, als sie unserem Weg folgten, wurden sie immer begeisterter und begannen, sich selbst zu verändern. Was wir uns vor einem Jahr vorgenommen haben, erleben wir jetzt. Unser Ziel für die nächste Zeit ist es, mit weiteren soliden Schritten voranzukommen. Wir haben noch die Play-off-Spiele vor uns. Wir wollen diese Spiele mit unserem besten Spiel abschließen und an die Tür zur Europameisterschaft klopfen.
Soccerdonna: Die türkische Frauenfußballmannschaft ist vier Spiele davon entfernt, sich zum ersten Mal in ihrer Geschichte für die Europameisterschaft zu qualifizieren. Wie beurteilen Sie den Zustand der Mannschaft vor den Play-off-Runden, die im Oktober und November stattfinden? Glauben Sie, dass die Mannschaft für diese Spiele bereit ist?
Güngör Kırağası: Ja, wir sind zum ersten Mal so nah dran. Unsere Mannschaft besteht aus Spielerinnen, die seit vielen Jahren zusammen sind, die die Härten des Frauenfußballs in der Türkei durchlitten haben. Die Bedingungen haben sich jetzt verbessert und meine Spielerinnen haben endlich das Vergnügen, den Fußball, den sie mit Leidenschaft betreiben, als „Job“ zu betrachten. Die Mannschaft ist mental sehr bereit, und sehr gespannt auf die EURO 2025. Besonders im letzten Spiel gegen Ungarn haben sie uns spüren lassen, wie sehr sie dieses Turnier wollen und wie viel sie erreichen können. Allerdings müssen wir noch einige Dinge verbessern. Bis zum ersten Play-off-Spiel wird die Liga beginnen, und unsere Spieler werden sich an den Spielbetrieb gewöhnt haben. Das Niveau des internationalen Wettbewerbs ist jedoch höher als unser derzeitiges Liganiveau. Aus diesem Grund müssen wir in Bezug auf die athletische Leistung besonders intensiv arbeiten.
Soccerdonna: Abgesehen von der Gastgeberin Schweiz haben sich alle acht Teams, die sich für die EURO 2025 qualifiziert haben, mindestens zum fünften Mal zu diesem Turnier qualifiziert. In den Play-offs werden Sie gegen Teams spielen, die sich bereits für internationale Turniere im Frauenfußball qualifiziert haben. Wird Ihre Motivation, am ersten internationalen Turnier in der Geschichte des türkischen Frauenfußballs teilzunehmen, ausreichen, um diese Unerfahrenheit zu überwinden?
Güngör Kırağası: Der Erste zu sein und die Fahne zu tragen, ist eine sehr große Verantwortung. Meine Mannschaft hat jedoch eine gewisse Erfahrung darin, die erste zu sein und den Frauenfußball an die Spitze der Sportgeschichte unseres Landes zu bringen. Es liegt auf unsere Hand, unserer Energie, unserer Kampfkraft und unserem Erfolgshunger ins Spiel zu bringen. Erfahrung gewinnt man durch Leben. Ich hoffe, dass wir mit all unserer Unerfahrenheit bei diesem Turnier dabei sein und Erfahrungen sammeln können.
Soccerdonna: Die türkische Herren-Nationalmannschaft, die im Juli 1994 ebenfalls auf Platz 57 der Weltrangliste stand und sich bis dahin nicht für die Europameisterschaft qualifizieren konnte, hat nach der EURO 1996-Qualifikation an insgesamt 5 EURO-Turnieren teilgenommen. Glauben Sie, dass eine mögliche Teilnahme an der EURO 2025 einen ähnlichen Meilenstein darstellen wird?
Güngör Kırağası: Ich glaube fest daran: Wenn wir einmal das Recht zur Teilnahme erhalten, wird der gesamte Algorithmus umgeschrieben werden. Steigende Investitionen, ein professionellerer Blick auf den Frauenfußball, die Zukunftspläne der Spielerinnen, und die Strukturierung der Vereine wird eine andere Form annehmen. In unserem Land gibt es ein wunderbares Potenzial. Wenn wir auf die letzten vier Jahre zurückblicken, erkennen wir, wie groß die Auswirkungen der kleinen Schritte waren, die wir unternommen haben. Die Qualifikation an einem großen Turnier wird die Wahrnehmung des Frauenfußballs in unserem Land eine andere Ebene aufheben.
Soccerdonna: In unseren Interviews im Jahr 2021 in die Ukraine gewechselten Nationalspielerinnen Gülbin Hız, Derya Arhan und Birgül Sadıkoğlu erwähnten sie, dass die Nationalmannschaft unter Ihrer Führung neuformiert und ein neuer Kader zusammengestellt wurde. Welche Arbeit haben Sie in den drei Jahren nach der Pandemie geleistet, um diese Mannschaft aufzubauen?
Güngör Kırağası: Diese neue Organisation wurde nicht von mir allein geschaffen, sondern mit einer ernsthaften Teamarbeit. Vor allem während der Pandemiezeit hat meine U19-Trainerin Begüm Üresin versucht, alle türkischstämmige Spielerinnen zu erreichen, die in Europa leben und Fußball spielen. An dieser Stelle möchten wir auch Soccerdonna danken. Sie haben uns mit eurer Datenbank sehr geholfen. Wir haben die Spielerinnen im Ausland kontaktiert und während der Pandemiezeit Online-Treffen organisiert, damit sich diese Spieler für die Türkei entscheiden konnten. Im Gegenzug haben wir einige unsere sehr wertvollen Spieler gewonnen, die derzeit in der A-Mannschaft spielen.
Außerdem haben wir uns bemüht, das Potenzial unserer Spieler in der Türkei aufzudecken und ein bestimmtes System auf der Ebene der Nationalmannschaft zu etablieren. Das erste Schritt war die fehlende athletische Leistung, und wir haben Pläne gemacht, um die Situation, die in Bezug auf die athletische Leistung nicht den Bedingungen des Tages entspricht, den Bedingungen des Tages anzupassen. Unsere erste Aufgabe bestand vor allem darin, unsere Laufstrecke zu erhöhen. Dann haben wir zusammen mit unseren Trainerinnen für athletische Leistungen ein Ziel für jedes Training-Camp festgelegt. Für jede Spielerin haben wir Informationen bereitgestellt, die zu seiner Entwicklung in Bezug auf bestimmte Themen beitragen, wie z. B. Gesundheitsbericht, Bericht über athletische Leistungen, taktischer Spielplan, usw.
Seit 2020 hat sich unsere Laufstrecke als Team verdoppelt. Wir konzentrieren uns jetzt auf unsere hochenergetische Laufstrecke. Wir haben immer noch körperliche Defizite. Wir werden nun Verhandlungen mit unseren Vereinen aufnehmen, um diese bis zu den ersten Play-offs zu beheben. Wir werden versuchen, Hand in Hand mit unseren Vereinen das Beste herauszuholen.
Soccerdonna: In demselben Interview sagte Derya Arhan: „Ich sehe die Nationalmannschaft als mein zweites Zuhause, ich vermisse meine Freundinnen und Trainerinnen“. Wie haben Sie es geschafft, diese Atmosphäre für die Spielerinnen in der Nationalmannschaft zu etablieren?
Güngör Kırağası: Unsere Spielerinnen werden aus einem kleinen Pool ausgewählt, sie spielen seit Jahren zusammen, und wir versuchen, ein möglichst günstiges Umfeld für sie zu schaffen, damit sie in der Nationalmannschaft ihr Bestes geben können. Wir kennen uns untereinander sehr gut. Selbst in sehr nervösen, angespannten Situationen weiß jeder sehr gut, wie sie sich verhalten sollen. Außerdem lieben wir als Team, was wir tun, und haben natürlich Spaß. Wenn wir Spaß haben, überträgt sich das auch auf die Spielerinnen. Ich denke, wir geben unseren Spielerinnen das Gefühl, wie wertvoll sie sind. Unsere Spielerinnen sind sich ihrer Verantwortung unter dem Dach der Nationalmannschaft bewusst, und die Chancen, auf die sie seit Jahren warten, kommen auf sie zu. Wenn sie Erfolg haben und einen Schritt weiter gehen, wirkt sich das positiv auf sie alle aus.
Soccerdonna: Welche Mannschaft ist Ihr Goldmedaillenkandidat im Frauenfußball bei den Olympischen Spielen 2024? Und warum?
Güngör Kırağası: Ich denke da an Spanien und England, die in Europa auf dem Vormarsch sind, und Emma Hayes, die ihr Debüt in der Nationalmannschaft der USA geben wird. Wie wird Emma Hayes den Unterschied zu den USA ausmachen, die gewohnt sind, Medaillen zu gewinnen? Nach diesen Mannschaften werde ich Japan verfolgen. Ich habe große Sympathien für die Japanerinnen, und es wird Spaß machen, zu sehen, was eine Mannschaft, die uns von der körperlichen Struktur her ähnlich ist, leisten kann.
Soccerdonna: Wenn wir uns die Altersverteilung der Spieler ansehen, die für die Qualifikationsspiele im Juli einberufen wurden, sehen wir, dass alle Spieler im Kader zwischen 19 und 31 Jahre alt sind. Diese Verteilung zeigt uns, dass Sie eine Generation haben, die in den nächsten 5-6 Jahren nach der Euro 2025 zusammen spielen kann. Wenn Sie jenseits der Euro 2025 denken, welche Ziele haben Sie sich für diese Generation auf lange Sicht gesetzt?
Güngör Kırağası: Wenn wir das Durchschnittsalter und die Spielzeit der Spielerinnen zusammen betrachten, können wir feststellen, dass sich bei uns eine sehr stabile und nachhaltige Struktur fortsetzt. Als ich 2010 Trainer der U15-Nationalmannschaft war, habe ich viele dieser Spielerinnen in die Mannschaft geholt, und jetzt setze ich sie in der A-Nationalmannschaft der Frauen fort. Nach diesem langfristigen Zusammenschluss wird die Spielerin, die das Niveau der A-Mannschaft erreicht hat, ist jetzt zu einer Spielerin geworden, die unsere Spielmentalität der Nationalmannschaft verstanden hat, sich an taktische Veränderungen anpassen und vor allem ihre innere Dynamik entsprechend dem Umfeld, in dem sie sich befindet, reflektieren kann. Die Bereitschaft dieser Spielerinnen ist ein sehr wertvoller Punkt. Mit der richtigen Planung für die Zukunft ist diese Situation meiner Meinung nach sehr wichtig für die Nachhaltigkeit und die Wirkung und natürlich die Teilnahme an großen Turnieren.
Soccerdonna: Die meisten Spielerinnen Ihrer Mannschaft spielen in der türkischen Frauenfußballliga. Was würden Sie über die Entwicklung der Liga in den letzten Jahren sagen?
Güngör Kırağası: Die Qualität unserer Liga steigt von Jahr zu Jahr. Die Qualität der ausländischen Spielerinnen und die Eigenverantwortung der in der Liga arbeitenden Trainer/-innen haben sich herausgebildet. Die Sponsorengelder, die Ihre Teams in der Liga erhalten, und die Investitionen der Vereine werden sich sicherlich auszahlen.
Soccerdonna: Wie bewerten Sie die Auswirkungen der Aufnahme von Süperlig-Mannschaften der Männer in die Frauenliga? Mit der Änderung des Ligaformats in dieser Saison wurde ein aus einer einzigen Gruppe bestehendes Ligaformat eingeführt. Was denken Sie über die Auswirkungen dieser Änderung auf die Nationalmannschaft?
Güngör Kırağası: Ich denke, dass das Einzelgruppenformat sehr positiv war. Der Kampf ging bis zur letzten Woche weiter. Der Schwierigkeitsgrad der Spiele ist gestiegen. Das sind sehr positive Entwicklungen für uns. Die Teilnahme von Mannschaften aus der Süper Lig an unserer Liga ist sehr wichtig für die Förderung, die Sichtbarkeit und die Vertretung der Frauen in der Fußballwelt. Ich wünsche mir auch, dass mehr Mannschaften aus der Süper Lig an der Frauenliga teilnehmen.
Soccerdonna: In unserem Interview mit Metin Ülgen, dem Trainer von Galatasaray, erklärte er, dass sich der Frauenfußball in der Türkei mit der Entwicklung von Infrastrukturen, dem gesteigerten Medieninteresse und der Senkung des Einstiegsalters der Spielerinnen schneller entwickeln wird. Haben Sie als TFF irgendwelche Aktivitäten zu diesen Themen, insbesondere zum Eintrittsalter von Mädchen in den Fußball?
Güngör Kırağası: Aber natürlich! Als Abteilung der Frauennationalmannschaft sind wir ein Team, das Projekte entwickelt und umsetzt. Vor allem für die unteren Altersklassen haben wir viele Projekte realisiert und werden dies auch weiterhin tun. Wenn wir den Frauenfußball als ein Projekt an sich betrachten, muss man in diesem Projekt jedes Glied der Kette anfassen. Der Erfolg der Nationalmannschaft wirkt sich auf die Struktur der Liga aus, und die Qualität der Liga wirkt sich auf die Nationalmannschaft aus. Die Qualität der ausländischen Spielerinnen in der türkischen Liga wirkt sich auf die Arbeitsweise der türkischen Spielerinnen und ihre Einstellung zum Fußball aus. In dem Maße, wie die Familien von Mädchen, die in jungen Jahren mit dem Fußball beginnen wollen, auf die Projekte aufmerksam werden und der Frauenfußball in den Medien sichtbar wird, wächst das Vertrauen in den Frauenfußball und es bildet sich am Ende ein ganzes Fußball-Ökosystem.
Ich möchte an dieser Stelle mit Stolz erwähnen, dass das Projekt „Star Girls of the Future“, das wir mit Ülker durchgeführt haben, bereits Auszeichnungen erhalten hat. Es ist ein Projekt, mit dem wir uns wohl fühlen, das allen Mädchen gleiche Chancen bietet und eine Botschaft an türkische Mädchen in der ganzen Welt sendet. Unser „Playmakers“-Projekt in Partnerschaft mit der Uefa erhält ständig Anfragen aus verschiedenen Städten und zielt darauf ab, junge Frauen mit dem Fußball vertraut zu machen. Als A-Nationalmannschaft versuchen wir, unsere Spiele in jeder Stadt unseres Landes zu organisieren. Wir organisieren in jeder Region der Türkei Vorspiele für die Altersgruppe der U15. Wir treffen uns auch mit Studentinnen an Universitäten. Wir öffnen unsere Trainings für sie und versuchen ihnen zu erklären, dass es in unserem Bereich verscheidene Arbeitsplätze gibt.
Soccerdonna: Laut der World Economic Forum Global Gender Gap Report 2023 sind 14 der 16 Länder, die an der Euro 2022 teilnehmen, auch unter den Top 20 im Gleichstellungsindex der UEFA-Mitgliedsländer [1]. Die Türkei hingegen liegt auf Platz 129 des Gleichstellungsindexes und damit hinter allen in den Index aufgenommenen UEFA-Mitgliedstaaten. Inwieweit erleben Sie die Auswirkungen des Problems der Geschlechterungleichheit im Frauenfußball in der Türkei?
Güngör Kırağası: Ich denke, dass die Mentalität „Kann ein Mädchen Fußball spielen?“ in der Türkei langsam verschwindet. Das ist eine Geschichte des sozialen Wandels: Je sichtbarer wir werden, je mehr Erfolg wir haben, desto leichter wird es, die Menschen zu überzeugen und die negativen Mythen zu zerstören. In der Vergangenheit war es sehr schwierig, Eltern zu überzeugen, aber jetzt sehe ich, dass die Eltern auf uns zukommen und nach einem Zukunftsplan fragen. Wir müssen diesen Zukunftsplan besser sichtbar machen. Das bedeutet ein sehr gut geplantes Prozessmanagement.
Natürlich berührt uns das Thema der Geschlechterungleichheit in der Türkei sehr, aber ich glaube nicht, dass jedes Problem gelöst werden kann, indem man nur über die negative Seite spricht. Wir Frauen sollten selbstbewusster sein, ich glaube, dass wir unseren eigenen Bäume wachsen sollen, anstatt unter dem Schatten eines Mannes zu leben. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass wir Frauen, selbst wenn wir eine perfekte Idee haben, nicht so unternehmerisch handeln können wie ein Mann in der heutigen Gesellschaft. Wir handeln in der Angst, dass etwas schief gehen könnte. Männer hingegen sind kontaktfreudiger und können ständig zum Ausdruck bringen, dass sie ihre Themen gut beherrschen. Ich meine damit, dass wir zuerst an uns selbst glauben und dann die Menschen um uns herum überzeugen werden. Leider sage ich Überzeugungsprozess, weil jede Frau in unserer Gesellschaft einem Mann ihr Fachwissen auf ihrem Gebiet beweisen muss. Aber eigentlich ist es so einfach: So wie Frauen Fußballtrainerinnen sein können, so können auch Mädchen Fußball spielen.
Soccerdonna: Trotz all dieser sozialen Ungleichheiten wurde die Spielerinnen der Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen im Jahr 2023 Europameisterinnen. Die Spielerinnnen der Volleyballmannschaft zu Vorbildern geworden. Motiviert dieses inspirierende Beispiel im Frauenmannschaftssport Sie und Ihre Spielerinnen, oder setzt es Sie unter Druck?
Güngör Kırağası: Nein, im Gegenteil, es gibt uns eine ernsthafte Botschaft: „Ihr könnt es schaffen“. Wir sind stolz auf unser Volleyballteam. Was sie tun, inspiriert uns und ist für uns ein Vorbild. Sie ermutigen uns, wir bekommen die Botschaft, dass wir es auch schaffen können. Sie sind diejenigen, die den Weg ebnen, und wir kämpfen für dasselbe Ziel, nur auf eine andere Art und Weise.
Soccerdonna: Wie sehen Sie das Potenzial der Türkei im Frauenfußball? Was würden Sie Mädchen sagen, die in der Türkei mit dem Fußball beginnen wollen?
Güngör Kırağası: Wenn wir uns den Anteil der jungen Bevölkerung in unserem Land ansehen, können wir sagen, dass wir ein großes Potenzial haben. Vor allem die Neugier der neuen Generation, ihre Suche nach Möglichkeiten und ihre Wille, ihre Wünsche zu äußern, deuten sehr deutlich darauf hin, dass wir in der Zukunft noch viel mehr erreichen werden. Unsere Pflicht ist es, die Chancengleichheit zu erkennen und anzustreben. Die Unterstützung des türkischen Fußballverbands wird von Tag zu Tag größer. Die Investitionen der großen Mannschaften in die Frauenliga sind sehr wichtig. Mit diesen Investitionen steigt auch die Qualität von Jahr zu Jahr. Der Anstieg türkischen Frauen in den olympischen Disziplinen, unsere Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen und die Leistung der Nationalmannschaft im EURO 2024 sollten als Ganzes betrachtet werden.
Was ich den Mädchen sagen möchte, ist, dass ihr, egal was irgendjemand sagt, keine Entscheidung treffen solltet, ohne es selbst zu versuchen. Wenn es euch gefällt, wenn ihr Interesse habt, dann kickt auf jeden Fall mit dem Fußball. Ihr werdet sehen, wie viel stärker ihr körperlich und geistig werdet, wenn ihr einen Fußball kickt. Zeigt eure Kräfte, die das Universum uns Frauen geschenkt hat.
Quelle
Beiträge: 125.175
Themen: 6.562
Danke Empfangen: 31 in 31 Beiträgen
Danke gegeben: 47
Registriert seit: 28.01.2013
Bewertung:
2
16.10.2024 - 21:46 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Emilie Bitsch
Frauenfußball hat sich in die Moderne entwickelt
![[Bild: t_126812_442_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_126812_442_2012_1.jpg)
©privat
Rainer Hannig (48), ehemaliger Co-Trainer des SC Sand und A-Lizenz-Inhaber, spricht im Interview über seine Erfahrungen als Trainer und Spieler, seine Leidenschaft für den Frauenfußball und seine Zukunftsvisionen.
Soccerdonna: Herr Hannig, in Ihrer Spielerkarriere sind Sie viel umher gekommen. Bis auf drei Ausnahmen blieben Sie nie länger als zwei Jahre. Was waren Ihre Gründe?
Rainer Hannig: Es waren in den meisten Fällen familiäre Gründe.
Soccerdonna: Nur persönliche und keine sportlichen Gründe?
Rainer Hannig: Nein, nur persönliche Gründe. Allerdings waren viele Stationen mit der Arbeit verbunden. Ab 2009 wollte ich unabhängig auf eigenen Beinen stehen und habe elf Jahre als Kraftfahrer gearbeitet. Für den SC Sand habe ich 2020 nochmals den Job gewechselt. Somit konnte der Beruf mit den Trainingseinheiten am Mittag vereinbart werden.
Soccerdonna: Welche Erfahrungen haben Sie durch die Wechsel zu verschiedenen Vereinen gemacht und was haben Sie davon mitgenommen?
Rainer Hannig: Ich durfte, egal ob als Spieler oder Trainer, bei jedem Verein irgendwas mitnehmen, was auch positiv für mein Privatleben war. Nichtsdestotrotz hätte ich mir natürlich gewünscht, ein Stück weit länger sesshaft irgendwo zu sein.
Soccerdonna: Warum haben Sie sich entschieden, während Ihrer Spielerkarriere männliche Mannschaften zu trainieren? Nicht alle gehen den Weg, während oder nach der Karriere Trainer zu werden.
Rainer Hannig: Ich war all die Jahre Fußballer mit Leib und Seele, arbeite sehr gerne mit Menschen zusammen und wollte einfach etwas aus meiner Karriere weitergeben. Durch den Sportlichen Leiter Sascha Reiß bekam ich die Möglichkeit, beim SC Sand in der Frauen-Bundesliga und dann in der 2. Bundesliga als Assistenztrainer zu arbeiten. Dies endete nach fast vier Jahren im März 2024. Jedoch hat mir das in den letzten vier Jahre so viel Spaß gemacht, dass ich mir aktuell nicht vorstellen kann, eine Männermannschaft zu trainieren. Ich möchte sehr gerne im Frauenbereich arbeiten.
Soccerdonna: Die letzte offizielle News über Sie beim SC Sand ist, dass Sie sich eine Auszeit für Ihre A-Lizenz nehmen. Warum haben Sie sich dann getrennt?
Rainer Hannig: Ich habe im August 2023 mit der Ausbildung zur UEFA A-Lizenz begonnen, dies war mit drei Präsenztagen pro Monat in Duisburg und verbunden mit der Arbeit sehr zeitintensiv. Kurz vor Abschluss der Lizenz, nach Niederlagen gegen Potsdam und Andernach, wollte der Verein andere sportliche Wege gehen. Ich habe mich dann in der Folge zurückgezogen und mich auf meine Lizenz konzentriert sowie der Mannschaft mit Alex die Möglichkeit gegeben, doch noch den Aufstieg zu realisieren. Danach hieß es, ich könnte in einer anderen Funktion tätig sein. So bin ich aktuell ehrenamtlich Trainer der U16, bei der auch meine Tochter spielt. Wenn ich eine Möglichkeit habe, einen Trainerjob im Frauenfußball zu bekommen, bin ich für einen anderen Verein frei. Aktuell mache ich das wegen meiner Tochter.
Soccerdonna: Sportliche Differenzen waren also der Grund?
Rainer Hannig: Ich sage mal so, es gab und gibt keine Differenzen zwischen mir und Cheftrainer Alex Fischinger oder dem Verein, aber es gab unterschiedliche sportliche Ansichten. Das war dann für mich okay. Ich hätte mir vom Verein am Ende der Saison eine Verabschiedung gewünscht, leider traf dies bis heute nicht ein. Somit ist es für mich unheimlich schwierig, jetzt Fuß zu fassen, wenn niemand weiß, dass ich auf dem Markt bin.
Soccerdonna: Haben Sie seitdem Ihr Ex-Trainerteam oder Ihre Spielerinnen gesehen?
Rainer Hannig: Ich sehe sie nach wie vor, pflege ein gutes und intaktes Verhältnis zu Trainerteam und den Mädels. Ich pflege weiterhin den Kontakt zum Verein, jedoch auf eine andere Art und Weise als in den letzten vier Jahren.
Soccerdonna: Das heißt, Sie verfolgen weiterhin die Spiele vom SC Sand?
Rainer Hannig: Natürlich, wenn’s die Zeit erlaubt, gehe ich zu den Heimspielen. Beim letzten Heimspiel gegen Union Berlin habe ich mich gefreut, eine Ex-Spielerin, Fatma Sakar, die jetzt bei Union spielt, gesehen zu haben.
Soccerdonna: Um nun auch etwas über Sie zu erfahren. Sind Sie lieber Trainer oder Co-Trainer?
Rainer Hannig: Durch die Arbeit mit Nora Häuptle, aktuell Nationaltrainerin in Ghana, Matthias Frieböse und Alex Fischinger durfte ich viel lernen, jetzt ist allerdings die Zeit gekommen, meine eigene Geschichte als Headcoach zu schreiben.
Soccerdonna: Was ist denn Ihr Trainerstil? Was zeichnet Sie aus?
Rainer Hannig: Ich finde, dass der Frauenfußball sich in den letzten Jahren so in die Moderne entwickelt hat, dass es sich auch auf den Trainerbereich übertragen hat. Das fasziniert mich natürlich. Das ist das, was ich jetzt gerne umsetzen möchte.
Soccerdonna: Durch Ihre A-Lizenz haben Sie nun weit mehr Möglichkeiten, in anderen Ligen zu arbeiten. Haben Sie bereits irgendwelche Vereine im Auge, sei es in Deutschland oder im Ausland? Können Sie sich etwas vorstellen?
Rainer Hannig: Zu Beginn meiner A-Lizenz hat diese noch ausgereicht, um die Frauen-Bundesliga zu trainieren. Während meiner A-Lizenz hat der DFB dies neu reformiert, jetzt wird die UEFA-Pro-Lizenz benötigt. Ziel ist es natürlich, erstmal Fuß zu fassen, um die nächsten Schritte zu gehen und dann später die UEFA-Pro-Lizenz nachmachen zu können. Aufgrund der zuvor erwähnten Situation, erhoffe ich mir durch dieses Interview, sichtbar für einen Trainerjob im Frauenfußball zu werden, egal ob es in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist. Ich möchte meinen Traum als Trainer in den höheren Klassen verwirklichen. Ich bin somit nicht gebunden, hier in Deutschland zu bleiben.
Soccerdonna: Welche Anforderungen hat die UEFA-Pro-Lizenz?
Rainer Hannig: Die Vorgabe des DFB ist, mit der A-Lizenz Minimum drei Jahre mindestens in der 2. Frauen-Bundesliga oder in der Herren-Regionalliga zu trainieren, um sich dann wieder bewerben zu dürfen. Mein Ziel ist ganz klar, einen Verein zu finden, wo ich sage, das passt für mich und wo ich auch auf diesem Niveau arbeiten kann.
Soccerdonna: Gab es bereits Gespräche mit anderen Vereinen?
Rainer Hannig: Ich habe aktuell Gespräche mit einem ambitionierten Regionalligisten sowie einer Mannschaft aus der 2. Bundesliga. Es ist aber alles noch zu frisch, um Prognosen aufzustellen.
Soccerdonna: Warum wollen Sie weiterhin unbedingt Frauenmannschaften trainieren? Was fasziniert Sie an Frauenfußball?
Rainer Hannig: Ich fand das Arbeiten in Sand mit den Frauen sehr angenehm. Sie sind sehr wissbegierig, diszipliniert aber auch sehr fordernd, mehr als Männer. Das ist eigentlich der Hauptgrund, wo ich sage: Deswegen möchte ich gerne im Frauenbereich bleiben.
Soccerdonna: Was würden Sie sich wünschen, damit der Frauenfußball sichtbarer wird, als er jetzt ist?
Rainer Hannig: Was würde ich mir wünschen? Ja, dass die Vereine das bekommen, was sie verdienen. Sie haben die gleiche Intensität wie im Herrenbereich, sind aber total unterbezahlt. Da sollte man schauen, dass man das in naher Zukunft auch ein Stück weit angleichen kann. Das würde ich mir wünschen, weil ich finde, Frauen leisten genauso viel.
Quelle
29.10.2024 - 21:27 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Nadine Dietzel
Wollen die beste U20 der 2. Bundesliga sein
![[Bild: s_62712_4340_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_62712_4340_2012_1.jpg)
©Eintracht Frankfurt
Im Interview mit Soccerdonna spricht Mia Rodach (17), Spielerin der U20-Mannschaft von Eintracht Frankfurt über die Herausforderung, Schule und Leistungssport zu vereinen, den Sieg gegen den Aufstiegskandidaten Union Berlin und ihre Saisonziele. Sie gibt Einblicke in den Umgang mit mentalem Druck und berichtet zudem von ihrem Wechsel zur Eintracht.
Soccerdonna: Vielen Dank Mia, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst. Herzlichen Glückwunsch zum Sieg über Union Berlin. Ihr habt einen großen Erfolg feiern können. Was war der spielentscheidende Faktor bei Euch?
Mia Rodach: Ich würde sagen, spielentscheidend war, wie wir unsere Spieleröffnung angegangen sind. Von hinten raus hat alles perfekt funktioniert und wir haben uns gut nach vorne durch kombiniert. Johanna Berg hat dann mit ihrem rechten „Zauberfuß“ das Tor zum 1:0 erzielt. Das Tor war nicht einfach, und wirklich Respekt auch an sie, dass sie den so getroffen hat. Anschließend haben wir noch das 2:0 gemacht, was sehr wichtig war, da Union Berlin zum Schluss noch einen Anschlusstreffer erzielte, aber auch unsere Defensive war an dem Tag ansonsten stabil und hat nicht so viel zugelassen.
Soccerdonna: Welche Ziele habt Ihr Euch als Mannschaft für diese Saison gesetzt?
Mia Rodach: Als Saisonziel haben wir uns als Team vorgenommen, dass wir wie in der Vorsaison am Ende wieder die beste U20-Mannschaft der 2. Bundesliga werden wollen und natürlich frühzeitig den Klassenerhalt zu schaffen. Ansonsten geht es uns auch darum, dass sich Jede individuell, aber auch wir als junge Mannschaft und zusammen weiterentwickeln.
Soccerdonna: Im Sommer 2023 bist Du von der TSG Hoffenheim zur Eintracht gewechselt. Was hat Dich damals zu diesem Schritt bewogen und wie kam der Wechsel zustande?
Mia Rodach: Ich kannte Fritzy (Friederike Kromp) und Sici (Julia Simic) schon von der U16- Nationalmannschaft. Das hat alles auf einmal perfekt gepasst. Zu dem Zeitpunkt war ich noch bei der TSG Hoffenheim in der U17, aber ich habe für mich bemerkt, dass ich persönlich ein bisschen stagniere und eine Veränderung brauchte. Sici und Fritzy kamen damals nach einem Lehrgang auf mich zu und fragten, ob ich mir nicht vorstellen könnte, zur Eintracht zu wechseln. Da habe ich zugestimmt, und so kam der Wechsel zustande. (Im Sommer 2023 wurden Friederike Kromp und Julia Simic Trainerinnen der U20 von Eintracht Frankfurt.)
Soccerdonna: Da Du noch zur Schule gehst, wie gelingt es Dir, die Anforderungen von Sport und Schule miteinander zu vereinbaren?
Mia Rodach: Allgemein würde ich sagen, es ist grundsätzlich recht schwer für Sportler und Sportlerinnen, das alles unter einen Hut zu kriegen, ohne dass eines von beiden leidet. Ich habe täglich Schule, dann geht es direkt danach zum Training und anschließend muss ich noch lernen. Freizeit ist da nur wenig vorhanden. Aber wenn ich sie habe, verbringe ich die Zeit gerne mit Familie und Freunden. Trotzdem schreibe ich gute Noten und kann konzentriert und gut trainieren. Es funktioniert, auch durch die Hilfe meiner Eltern, die mich jetzt jeden Tag mit dem Auto fahren und der Unterstützung im Verein, alles bestmöglich unter einen Hut zu bekommen.
Soccerdonna: Du bist noch relativ jung. Im Sport steht man häufig unter großem Druck, sowohl körperlich als auch mental. Wie gehst Du persönlich mit diesem Druck um, insbesondere auf mentaler Ebene?
Mia Rodach: Diese Saison habe ich jetzt noch nicht so oft von Anfang an gespielt. Ich versuche einfach, das Beste draus zu machen und mein Bestes zu geben, wenn ich reinkomme und dem Team zu helfen. wenn ich drin bin.
Soccerdonna: Du hast einige Spiele für die deutsche U16- und U17-Nationalmannschaft bestritten. Wie war das für Dich, für Deutschland aufzulaufen?
Mia Rodach: Man ist richtig stolz, vor allem, wenn man von Anfang an spielt und die Nationalhymne singt. Man merkt einfach, dass man auf dem richtigen Weg ist.
Soccerdonna: Welche persönlichen Ziele hast Du Dir für diese Saison gesetzt, und worauf möchtest Du in deiner Entwicklung als Spielerin besonders hinarbeiten? Vielleicht auch mit Fokus auf die Nationalmannschaft?
Mia Rodach: Persönliche Ziele sind auf jeden Fall, im Training so weitermachen, mich verbessern und anbieten für Einsätze, um auch ein bisschen mehr Spielzeit zu bekommen. Nie aufgeben und immer weitermachen lautet das Motto. Bezüglich der Nationalmannschaft möchte ich natürlich beim Sichtungstraining dabei sein und wieder bei einem Kaderlehrgang eingeladen werden.
Soccerdonna: Gibt es eine Spielerin oder einen Spieler, die oder der Dich im Fußball besonders inspiriert?
Mia Rodach: Da würde ich eher sagen, dass wären mein Papa und mein Bruder. Durch die beiden habe ich mit Fußball spielen angefangen. Ich habe früher oft mit ihnen zu Hause trainiert und so hat sich das alles entwickelt. Aber wenn ich jetzt ein Vorbild im Profibereich nennen müsste, wäre das Joshua Kimmich, weil er ein Spieler ist, der nie aufgegeben hat. Frühere Trainer haben ihn kritisiert, aber das hat ihn nur angespornt und ihn auch zu einem besseren Spieler gemacht. Man darf nie aufgeben und muss immer an sich glauben.
Soccerdonna: Was würdest Du jungen Mädchen mit auf den Weg geben, die davon träumen, selbst einmal Fußballerin zu werden?
Mia Rodach: Ich würde ihnen sagen, dass alles aus einem Grund passiert. Wenn man in einem Tief ist, man vielleicht etwas weniger Spielpraxis bekommt, hat das einen Sinn – Gott hat einen Weg für einen vorgezeichnet. Man sollte niemals aufgeben. Wenn man eine Leidenschaft hat, soll man seinen Träumen folgen und einfach durchziehen, egal, in welcher Situation man sich gerade befindet. Und ganz wichtig ist auch, dass man den Spaß dabei nicht verliert.
Quelle
20.11.2024 - 22:16 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Nadine Dietzel
Das Wichtigste ist, Freude an dem zu haben, was man tut
![[Bild: s_29535_6053_2012_2.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_29535_6053_2012_2.jpg)
©RB Leipzig
Im Interview mit Soccerdonna gibt Vanessa Fudalla, Leistungsträgerin bei RB Leipzig, spannende Einblicke in die Herausforderung, ihr Sportmanagement-Studium an der Universität Leipzig mit dem Profifußball zu vereinen. Außerdem teilt sie die Erinnerungen an ihre Zeit in der Junioren-Nationalmannschaft, ihre Ziele für die laufende Saison und wertvolle Ratschläge für junge Spielerinnen, die von einer Karriere im Fußball träumen.
Soccerdonna: Vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst! Am Montagabend habt ihr gegen die SGS Essen leider nur einen Punkt geholt. Woran hat es gelegen, dass es am Ende nicht für mehr gereicht hat?*
Vanessa Fudalla: Leider konnten wir nicht die Durchschlagskraft entwickeln, die wir uns vorgenommen hatten. Die SGS Essen hat sich sehr gut auf uns eingestellt und das Spiel größtenteils dominiert, obwohl wir eigentlich den Ballbesitz kontrollieren wollten. Sie haben es gut gemacht, und wir hatten nicht unseren besten Tag. Trotzdem haben wir einen Punkt geholt und die Null gehalten.
Soccerdonna: Am Sonntag spielt Ihr gegen Bayer Leverkusen, einen starken Gegner. Welche Ziele habt ihr euch für das Spiel gesteckt?*
Vanessa Fudalla: Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, drei Punkte zu holen – das gilt auch für dieses Spiel. Wir wissen, dass Leverkusen einen sehr guten Saisonstart hingelegt hat und derzeit vor uns steht. Es wird sicherlich schwer, aber wir sind bereit, die Punkte zu holen und unsere Heimserie auszubauen.
Soccerdonna: Mit einer Serie von zehn ungeschlagenen Heimspielen – wie stärkt das Eure Motivation und Euer Selbstvertrauen für die kommenden Begegnungen?
Vanessa Fudalla: So eine Serie ist immer schön zu haben und motiviert uns natürlich, sie weiter auszubauen. Auch die Fans, die bei jedem Spiel dabei sind, geben uns einen zusätzlichen Schub. Es ist einfach großartig, nach dem Spiel gemeinsam mit ihnen feiern zu können.
Soccerdonna: Ihr steht momentan gut in der Tabelle. Welche Ziele habt ihr euch für den Rest der Saison gesetzt und was wollt ihr als Team erreichen?
Vanessa Fudalla: Unser Ziel war es vor allem, besser zu sein und mehr Punkte zu holen als in der letzten Saison. Da sind wir auch auf einem sehr guten Weg. Wir wollen einfach sehen, was alles möglich ist und uns stetig verbessern. Wir machen uns keinen Druck.
Soccerdonna: Das frühe Ausscheiden aus dem DFB-Pokal war sicherlich eine Enttäuschung. Wie hat das Team diesen Rückschlag verarbeitet?
Vanessa Fudalla: Wir konnten das recht schnell abhaken. Es war früh in der Saison und wir mussten uns erst einmal finden – auch mit dem neuen Trainer. Im nächsten Spiel gegen Bayern haben wir gleich eine gute Reaktion gezeigt, besonders in der ersten Halbzeit. Natürlich haben wir am Ende verloren, aber wir haben ein gutes Spiel gemacht. Das Thema ist für uns längst erledigt.
Soccerdonna: Mit Jonas Stephan habt Ihr seit dieser Saison einen neuen Trainer. Welche Veränderungen haben sich durch seine Arbeit im Team ergeben?
Vanessa Fudalla: Unser Ziel ist jetzt, viel mehr Ballbesitzfußball zu spielen. Letztes Jahr haben wir uns eher darauf konzentriert, das Spiel des Gegners zu stören und darauf zu reagieren. Jetzt wollen wir selbst mehr am Ball sein, kreative Lösungen finden und ein flaches Passspiel aufziehen. Damit wollen wir mehr und mehr mit den starken Teams mithalten. Ich denke, dass wir das bisher auch schon häufig gezeigt haben.
Soccerdonna: Du bist seit mehreren Jahren Top-Torschützin bei RB Leipzig – was ist das Geheimnis deines Erfolgs?
Vanessa Fudalla: Als ich damals nach Leipzig kam, war ich eigentlich nicht immer Stürmerin. Früher habe ich oft auf der Zehn gespielt. Dann hatte man gemerkt, dass es mit dem Tore schießen ganz gut funktioniert. Mein linker Fuß ist stark und ich habe gemerkt, dass ich einen guten Distanzschuss habe, den ich immer mal wieder einsetzen kann. Außerdem setzen mich meine Mitspielerinnen oft gut in Szene, sodass ich die Chancen nutzen kann. Ich hoffe, dass ich weiterhin bei Leipzig Tore schießen kann.
Soccerdonna: In dieser Saison hast Du bereits fünf Tore geschossen und teilst mit sechs anderen Spielerinnen den dritten Platz der besten Torschützinnen. Vergangene Saison bist Du sogar Vierte geworden mit zehn Toren. Was ist dein Ziel in dieser Saison?
Vanessa Fudalla: Letzte Saison habe ich mir kein konkretes Ziel gesetzt und das hat ganz gut funktioniert. Deshalb mache ich das auch dieses Mal so. Natürlich will ich mich im Vergleich zur vergangenen Spielzeit verbessern. Es wäre cool, wieder eine zweistellige Anzahl an Toren zu erreichen und vielleicht ein, zwei Tore mehr auf mein Konto zu bringen. Auch ein paar Assists wären schön. Insgesamt will ich einfach mit guten Leistungen dem Team helfen – die Tore kommen dann von allein. Aber ein festes Ziel habe ich nicht.
Soccerdonna: Gibt es eine Spielerin oder einen Spieler, die oder der Dich im Fußball besonders inspiriert?
Vanessa Fudalla: Mein Idol war schon immer Lionel Messi. Er passt auch perfekt zu meinem Spielstil – klein, Linksfuß und technisch stark. Irgendwie habe ich schon immer versucht, so viel wie möglich von ihm abzuschauen.
Soccerdonna: Wie bist Du zum Fußball gekommen und was hat dich dazu inspiriert, diesen Weg einzuschlagen?
Vanessa Fudalla: Tatsächlich war es so, dass meine Eltern auch Fußball gespielt haben – nicht professionell, aber sie haben immer gern gekickt. Sie haben mir dann einen kleinen Ball geschenkt und seitdem war ich nicht mehr davon loszukriegen. Ich wollte jeden Tag mit ihnen auf den Fußballplatz. Mein bester Freund war damals auch in einer Fußballmannschaft und natürlich wollte ich dann auch dabei sein. Seitdem ist Fußball ein fester Teil meines Lebens und ich könnte mir einen Tag ohne Fußball gar nicht mehr vorstellen.
Soccerdonna: Gab es jemanden, der dich auf deinem Weg zum Fußball besonders unterstützt hat?
Vanessa Fudalla: Ja, meine Eltern. Als ich damals zu Bayern München gewechselt bin, bin ich nicht dorthin gezogen. Stattdessen haben sie mich jedes Mal eineinhalb Stunden zum Training gefahren und dann wieder zurück. Ohne meine Eltern hätte ich keine Chance gehabt, heute hier zu stehen.
Soccerdonna: Was war bisher der größte Erfolg in deiner Fußballkarriere?
Vanessa Fudalla: Die Erlebnisse mit der Nationalmannschaft, wie die Europameisterschaft der U17 und die Weltmeisterschaft in Uruguay, waren ganz besonders. Außerdem bin ich mit dem FC Bayern München und mit Leipzig Zweitliga-Meister geworden und bin mit Leipzig dazu noch aufgestiegen. Das sind einige meiner größten Erfolge, ebenso wie das Erreichen des Pokal-Halbfinales mit RB Leipzig als Zweitligist.
Soccerdonna: Wie hast Du es erlebt, in so jungen Jahren für die Juniorinnen-Nationalmannschaft zu spielen? Welche Eindrücke und Erfahrungen haben dich dabei am meisten geprägt?
Vanessa Fudalla: Das sind auf jeden Fall unglaublich schöne Erfahrungen. Besonders, wenn man das erste Mal die Nationalhymne singt – das sind wirklich besondere Momente. Es ist auch toll, mit Spielerinnen aus verschiedenen Vereinen, den besten aus den jeweiligen Ligen, gemeinsam auf dem Platz zu stehen. Man sieht viele Länder, spielt gegen internationale Teams und erlebt ein ganz anderes Niveau, bei dem man viel dazulernt. Die Nationalmannschaft ist definitiv immer etwas Besonderes.
Soccerdonna: Auf welcher Position fühlst du dich am wohlsten? Hilft es dir grundsätzlich in deinem Spiel, physisch starke Spielerinnen an deiner Seite zu haben?
Vanessa Fudalla: Ich sehe mich am liebsten auf der Zehn. Wenn ich jemanden neben mir habe, der die Bälle festmachen und prallen lassen kann, ist das auf jeden Fall ein Vorteil. Ich habe sowohl mit Spielerinnen gespielt, die eine ähnliche Struktur wie ich haben, als auch mit physisch stärkeren Spielerinnen. Ich denke, ich komme mit beiden Spielertypen gut klar.
Soccerdonna: Arbeitest oder studierst du neben dem Fußball? Wie gelingt es dir, das mit deinem Training und den Spielen zu verbinden?
Vanessa Fudalla: Ich studiere derzeit Sportmanagement. Es ist manchmal ein bisschen schwierig, weil ich hier an der Universität Leipzig studiere und sich das Studium gelegentlich mit dem Training überschneidet, wenn Vorlesungen und Training gleichzeitig stattfinden. Ich versuche, so oft wie möglich zu den Vorlesungen zu gehen und lerne für die Prüfungen dann in den freien Zeiten, wenn gerade kein Training ist. Irgendwie bekomme ich das dann schon hin.
Soccerdonna: Wie oft habt Ihr Training?
Vanessa Fudalla: Wir haben eigentlich jeden Tag Training, außer an einem freien Tag pro Woche. Manchmal trainieren wir sogar zweimal am Tag, je nach Plan.
Soccerdonna: Welchen Rat würdest Du jungen Mädchen geben, die davon träumen, eines Tages selbst Fußballerin zu werden?
Vanessa Fudalla: Haltet an euren Zielen fest und gebt nicht auf. Auch ich habe viele Rückschläge erlebt, aber es ist wichtig, sich davon nicht bremsen zu lassen. Glaubt an euch, macht immer weiter und verliert nie den Spaß am Spiel. Das Wichtigste ist, Freude an dem zu haben, was man tut und jedes Training zu genießen. Der Rest kommt dann von allein.
*Interview wurde vor Bayer Leverkusen Spiel aufgezeichnet
Quelle
Beiträge: 125.175
Themen: 6.562
Danke Empfangen: 31 in 31 Beiträgen
Danke gegeben: 47
Registriert seit: 28.01.2013
Bewertung:
2
03.12.2024 - 21:48 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Prytz2
Omar Adlani: Natürlich passt die Bundesliga zu meinem Stil
![[Bild: t_5863_114_2012_2.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_5863_114_2012_2.jpg)
©FC Honka
Für Omar Adlani war es eine bewegte Saison beim FC Honka. Nach seiner Freistellung beim finnischen Erstligisten blickt der Kanadier mit algerischen Wurzeln kritisch auf seine Zeit zurück und gibt uns einen Blick auf die Strukturen und finanziellen Möglichkeiten in Finnland und richtet seinen Blick in die Zukunft.
Soccerdonna: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für uns nehmen. Wie geht es Ihnen und vielleicht erzählen Sie unseren Leser*innen einmal wo wir Sie gerade antreffen?
Omar Adlani: Vielen Dank, dass Sie mich in diesem Interview haben.
Mir geht es gut, ich habe mich ausgeruht und mir etwas Zeit genommen, um über die letzten Saisons nachzudenken. Ich bin immer noch in Finnland, werde aber für ein paar Wochen nach Kanada reisen, um meine Familie und Freunde zu sehen.
Soccerdonna: Seit Anfang Oktober sind Sie freigestellt vom FC Honka. Wie haben Sie die Zeit derzeit genutzt?
Omar Adlani: Ich habe hauptsächlich versucht, mich von einer schwierigen Saison auszuruhen und zu erholen. Ich habe viele Spiele in verschiedenen Ligen gesehen, darunter Bundesliga, Serie A, schwedische Liga, Schweizer Liga und Womens Super League.
Soccerdonna: Geben Sie uns mal einen Einblick in den Trainermarkt. Wie schwer ist es, nach einer Freistellung einen neuen Arbeitgeber zu finden und ist es im Fußball der Frauen schwieriger einen Arbeitgeber zu finden, als im Herrenbereich?
Omar Adlani: Natürlich ist es schwierig, in die Top-Ligen zu kommen, da die meisten Trainer dieses Ziel haben. Ich hatte das Glück, dass mir verschiedene Positionen angeboten wurden, vom Co-Trainer über den Cheftrainer und den Erzieher bis hin zum Leiter der Nachwuchsförderung. Ich möchte mir im Entscheidungsprozess Zeit nehmen und das richtige Projekt finden. Ich denke, es gibt viele Jobs im Fußball und man muss sich von den anderen abheben, aber auch in die Vision des Vereins passen.
Soccerdonna: Wollen wir einmal einen Blick auf die Zeit beim FC Honka werfen. 2020 haben Sie als Co-Trainer beim FC Honka angefangen. Wie kam es dort zum Kontakt?
Omar Adlani: Ich habe mich beworben und wurde als „Talenttrainer“ ausgewählt. Das ist eine Rolle, die die jungen Talente innerhalb des Vereins fördert, um sie in die erste Mannschaft und in die Nationalmannschaft zu befördern. In dieser Funktion war ich auch Co-Trainer des FC Honka, Co-Trainer der U19-Nationalmannschaft und auch Regionaltrainer. Es war ein sehr anspruchsvoller Job mit vielen Stunden, aber am Ende hat es sich gelohnt, die Entwicklung der Spielerinnen zu beobachten.
Soccerdonna: Die finnische Sprache gilt nicht unbedingt als leicht verständlich. Hatten Sie bereits Vorkenntnisse was die Sprache betrifft, oder haben Sie sich ausschließlich auf Englisch unterhalten?
Omar Adlani: Es ist eine sehr schwer zu erlernende und zu verstehende Sprache. Ich hatte keine Vorkenntnisse darüber, ich sprach nur Englisch und habe es im Laufe der Zeit langsam gelernt. Ich kann es ganz gut verstehen und auf einem sehr schlechten Niveau sprechen.
Soccerdonna: Welche Sprachen sprechen Sie noch?
Omar Adlani: Ich spreche Englisch, Französisch und Arabisch. Ich habe ein paar Jahre in Frankfurt gelebt und konnte Deutsch lernen, habe es aber langsam verloren. Ich kann es immer noch ganz gut verstehen, aber das Sprechen könnte ein paar Wochen dauern, bis ich es wieder lernen kann.
Soccerdonna: Nur zwei Jahre später wurde Sie zum Cheftrainer befördert. Wie kam es dazu?
Omar Adlani: Ich arbeitete etwa 60-70 Stunden pro Woche und war sehr engagiert für meinen Job und die Spielerinnen. Ich glaube, der Verein hat das in mir erkannt und mir die Chance gegeben, die Position des Cheftrainers zu übernehmen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch meine UEFA-A-Lizenz abgeschlossen und war bereit, eine Mannschaft zu übernehmen.
Soccerdonna: Wie hat das Team Ihre Beförderung aufgenommen?
Omar Adlani: Ich möchte glauben, dass sie sich für mich gefreut haben. Ich denke, sie haben den ganzen Einsatz und die Arbeit gesehen, die ich für das Team und für sie als Einzelpersonen gesteckt habe. Mein Versprechen an sie war, dass ich weiterhin genauso viel Arbeit und Mühe investieren werde, wenn nicht sogar mehr als zuvor.
Soccerdonna: Wie sehen die finanziellen Möglichkeiten in Finnland aus?
Omar Adlani: Ich denke, dass sie im Hinblick auf eine Fußball- oder Trainerkarriere nicht die Besten sind. Die Fußballkultur in Finnland ist nicht so hoch wie beispielsweise in Deutschland. Es ist jedoch ein guter Ort, um eine Trainerkarriere zu beginnen und die Gelegenheit zu bekommen, wie ich auf hohem Niveau zu trainieren.
Soccerdonna: In ihrem Kader spielten nur finnische Spielerinnen. Ist es schwer Spielerinnen aus dem Ausland für die Kansallinen Liiga zu begeistern?
Omar Adlani: Es ist nicht schwer, sie für die Liga zu interessieren, aber ich denke, es ist schwierig, sie mit den Gehältern, die wir anbieten, zu gewinnen. Es reicht nicht aus, eine Profikarriere aufzubauen, weshalb die meisten der besten Spielerinnen schon in jungen Jahren in andere Länder wechseln. Die Liga ist großartig für junge Spielerinnen, die die Chance bekommen, Spitzenfußball zu spielen und sich einen Namen zu machen.
Soccerdonna: Hatten Sie direkten Einfluss auf die Kaderplanung beim FC Honka?
Omar Adlani: Ja, ich habe den Kader aufgebaut, die Spielerinnen gescoutet und rekrutiert, sie ausgeliehen und auch dabei geholfen, Kontakte zu Teams im Ausland zu knüpfen, damit sie verkauft werden können.
Soccerdonna: Wie sind die Bedingungen in der finnischen Liga? Kann man da schon vom professionellen Fußball sprechen?
Omar Adlani: Einige Mannschaften haben es fast geschafft. Ich glaube nicht, dass wir über Profifußball reden können, bis sich alle Spielerinnen der Liga nur noch vom Fußball ernähren können. Dafür sind von allen Vereinen große Anstrengungen erforderlich, und ich denke, dass einige Vereine diese Anstrengungen unternehmen, andere jedoch nachziehen müssen.
Soccerdonna: Die ersten zwei Saisons als Cheftrainer waren noch erfolgreich. Was ist diese Saison passiert, dass FC Honka deutlich unter seinen Möglichkeiten geblieben ist?
Omar Adlani: Ich würde sagen, dass viele Faktoren dazu beigetragen haben. Als Cheftrainer übernehme ich die Verantwortung dafür, obwohl wir im Sommer das Pokalfinale erreichten und nur einen Punkt von den Top 4 entfernt waren. Das jüngste Team mit der jüngsten Startelf zu sein, war ein Risiko, aber ich hatte volles Vertrauen in ihr zukünftiges Potenzial. Wir haben im Sommer auch unsere besten Spielerinnen verkauft, was nicht geholfen hat. Da wir ein Verein sind, dessen Ziel es ist, junge Spielerinnen zu entwickeln und sie an bessere Ligen zu verkaufen.
Dann würde ich sagen, dass ich die Bedingungen viel besser einschätzen muss. Da ich nicht täglich Assistenztrainer hatte, versuchte ich, einen hohen Standard aufrechtzuerhalten, den ich alleine nicht erreichen konnte. Die Anforderungen waren sehr hoch, so dass ich den Spielen helfen konnte, aber unsere Ressourcen reichten nicht aus. Deshalb übernehme ich die Verantwortung dafür.
Soccerdonna: Jetzt gilt es ja den Blick nach vorne zu richten. Sind Sie wieder bereit eine neue Stelle als Cheftrainer anzugehen?
Omar Adlani: Ich habe in den vergangenen Saisons viel gelernt und freue mich darauf, wieder in ein Teamumfeld einzusteigen. Ich vermisse den Alltag im Umfeld von Mitarbeiter*innen und Spielerinnen und ich vermisse es, auf dem Spielfeld zu sein. Ich bin bereit
Soccerdonna: Welche Ligen können Sie sich vorstellen?
Omar Adlani: Natürlich passt die Bundesliga zu meinem Stil und meiner Persönlichkeit. Ich habe in Deutschland gelebt und verstehe die Menschen und die Kultur sehr gut. Schweden oder Dänemark oder die Schweiz sind auch ein interessanter Schritt. Die USA, England oder Frankreich sind aufgrund der Sprachen eine einfache Wahl.
Soccerdonna: Was sollte ihr zukünftiger Verein bieten, damit Sie sich wohl fühlen?
Omar Adlani: Eine klare Vision, gute Kommunikation, Ehrlichkeit, direktes Feedback und gute moralische Werte.
Quelle
20.03.2025 - 09:57 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Emilie Bitsch
Oliwia Woś über die EM-Quali: Ein Erlebnis für mein ganzes Leben
![[Bild: s_26541_469_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_26541_469_2012_1.jpg)
©FC Basel 1893
Oliwia Woś (25) hat in ihrer noch jungen Karriere bereits viele Stationen durchlaufen und dabei wertvolle Erfahrungen gesammelt. Seit dieser Saison spielt die robuste Innenverteidigerin in der Schweiz für den FC Basel, wo sie nicht nur mit ihrer Defensivstärke, sondern auch mit ihrer Torgefährlichkeit überzeugt. Doch ihr größter Erfolg kam 2023 mit der polnischen Nationalmannschaft: Erstmals in der Geschichte qualifizierte sich das Team für die Europameisterschaft – ausgerechnet in ihrer neuen Heimat der Schweiz. Über diesen Meilenstein, ihren nicht ganz gewöhnlichen Karriereweg, ihre Torgefährlichkeit und die Entscheidung für Polen als doppelte Staatsbürgerin haben wir mit ihr gesprochen.
Soccerdonna: Oliwia, Du bist jetzt seit drei Jahren in der Schweiz. Wie hast Du dich mittlerweile so eingelebt?
Oliwia Woś: Die Schweiz macht es einem mega einfach, sich einzuleben. Dadurch, dass ich vor zwei Jahren in Zürich schnell sehr coole Leute gefunden habe, haben sie mich auch überall mitgenommen. Sie haben es mir extremst einfach gemacht und dafür bin ich dankbar, weil ich glaube, dass es nicht überall so ist.
Soccerdonna: Hinzu kommt auch noch die Sprache, die etwas anders ist, vor allem durch die verschiedenen Dialekte. Bist Du damit gut klargekommen oder hattest Du damit Probleme?
Oliwia Woś: Probleme? Nein, aber der Dialekt war am Anfang nicht so einfach zu verstehen. Ich finde, wenn man das direkt anpackt, dann versteht man den auch nach drei Monaten. Wenn man sich hingegen damit gar nicht befasst, dann versteht man es auch nach drei Jahren nicht. Aber ich sage dann immer „selber Schuld“. Ich finde, das gehört dazu, wenn man in ein neues Land geht und sich einleben will, dass man die Sprache versteht.
Soccerdonna: Bevor Du in die Schweiz gewechselt bist, hast Du in den USA, in Deutschland und in Polen gelebt. Vermisst Du irgendwas von dort, sei es die Kultur oder die Menschen? Oder bist Du zufrieden in der Schweiz?
Oliwia Woś: Ich vermisse schon die Nähe meiner Familie. Ich war mir aber immer sicher, dass ich selber raus in die Welt muss. Einfach, damit ich mich als Mensch weiterentwickle und das kann man nicht, wenn man in seiner Komfortzone bleibt. Bei mir habe ich das einfach gemerkt, dass ich oft Sachen machen muss, die sich richtig anfühlen, um mich weiterzuentwickeln. Zum Beispiel auch, als ich nach Amerika gegangen bin. Ich war 17 oder 18, als ich dieses Gespräch bzgl. Amerika hatte. Ich bin aufgestanden und ich wusste, ich will da hin. Dieses Bauchgefühl hat mich immer begleitet und ich glaube, dadurch fiel es mir auch einfach Sachen nicht zu vermissen, weil es für mich klar war, dass ich es so machen möchte. Klar, das Essen von meinen Eltern oder einfach auch zusammen mit ihnen zu sein oder sie schnell mal einfach sie zu besuchen – das vermisse ich natürlich sehr. Aber ja, wir sind halt alle Individuen und müssen irgendwie unser Leben leben.
Soccerdonna: Wie oft siehst Du mittlerweile deine Familie?
Oliwia Woś: Inzwischen sehe ich sie schon öfter. Ich fahre trotzdem relativ selten nach Hause, weil es jedes Mal mit einem größeren Aufwand verbunden ist. Aber meine Eltern oder meine Geschwister kommen eigentlich relativ oft vorbei, so alle drei Monate. Sie fliegen auch oft nach Polen, was ich mega schön finde. Das hatte ich so gar nicht in Amerika, dass ich sie oft gesehen habe, meistens nur zweimal im Jahr. Dadurch, dass sie näher an der Schweiz leben, kommen sie auch gerne hierher. Vor allem, weil sie die Schweiz lieben. Sie kommen auch manchmal nur für das Land hierher, weil es hier so schön ist.
Soccerdonna: Aber in die Schweiz ziehen wollen sie nicht?
Oliwia Woś: Meine Schwester Julia redet immer davon, sie würde gerne. Aber meine Eltern und meine andere Schwester, das wird nichts.
Soccerdonna: Vielleicht zieht deine Schwester irgendwann in die Schweiz…
Oliwia Woś: Ich wünsch es mir. Ich habe schon gesagt, dass ich mit ihr dann zusammenleben will.
Soccerdonna: Du hast vorhin bereits erwähnt, dass Du vorher beim FC Zürich gespielt hast. Diese Saison bist Du nun zum FC Basel gewechselt. Was waren deine Beweggründe?
Oliwia Woś: Ich habe einfach gemerkt, dass ich irgendwie unglücklich und unzufrieden war. Ich hatte einfach eine Unruhe in mir. Vielleicht war es auch einfach, weil ich eine sehr große Erwartungshaltung an mich selbst hatte und das Gefühl, dass ich die nichts mehr erreichen kann in Zürich. Den genauen Grund, warum ich mich gegen Zürich entschieden habe, kann ich bis heute nicht sagen. Ich kann nur sagen, warum ich mich für Basel entschieden habe. Ich habe gefühlt, dass ich diese eine neue Rolle brauchte und das neue Trainerteam mich überzeugt hatte. Ich wollte ein Teil von diesem Team unter diesen Trainern sein. Der Wechsel war für mich trotzdem extrem schwer und mir ging es auch gar nicht gut in der Zeit. Im Kopf war es so „Ich kann nicht“, aber mein Bauchgefühl hat es mir einfach gesagt. Ich bin extrem glücklich, dass ich das gemacht habe, weil ich glaube, dass muss man sich auch erst mal trauen, dann von Zürich nach Basel zu gehen.
Soccerdonna: Es ist auch ein großer Schritt gewesen. Noch dazu seid Ihr derzeit sehr erfolgreich in der Women’s Super League – nach dem Sieg am vergangenen Wochenende gegen GC Frauenfußball F* seid Ihr nun punktgleich mit Servette FC und somit Tabellenführer und habt sie im Pokal im Elfmeterschießen geschlagen. Hättest du Dir vor der Saison gedacht, dass Ihr so erfolgreich seid?
Oliwia Woś: Ich glaube, ich hätte den Wechsel sicher nicht gemacht, wenn ich nicht das Potenzial vom FC Basel gesehen hätte. Das war schon ein Riesenpunkt. Ich will gewinnen. Ohne die Erwartungshaltung hätte ich auch irgendwo anders hingehen können. Gerade eben sind wir mega gut als Team. Es braucht seine Zeit, bis man so eingespielt ist und die Abläufe sitzen. Diese Entwicklung merkt man dann eben auch bei so schwierigen Spielen wie gegen GC oder Servette ganz aktuell.
Soccerdonna: Was hast du Dir selbst für ein Ziel gesetzt? Jetzt zukünftig auch beim FCB?
Oliwia Woś: So viele Tore zu schießen, wie es geht? (lacht) Nein, ganz im Ernst, ich glaube, mein Ziel ist es einfach diese Rolle, die ich gerade habe, gut ausfüllen zu können und einfach zu versuchen dem Team zu helfen, wo es geht. Eine meiner Stärken ist angeblich auch die Präsenz, die ich habe. Ich möchte mit meiner Art und meinem Auftreten immer zeigen, dass ich bereit bin. Das Fußballerische und alles andere kommt dann automatisch.
Soccerdonna: Zum Thema Tore schießen – Du bist eine sehr torgefährliche Innenverteidigerin, was natürlich recht ungewöhnlich ist, da man als Innenverteidigerin ja eher Tore verhindert. Aber was ist so dein Geheimnis? Oder wie versuchst Du so torgefährlich zu bleiben?
Oliwia Woś: Mir wird oft gesagt, dass ich eine Spielerin mit viel Wucht bin. Ich glaube, diesen Schwung habe ich halt oft in diesen Aktionen, wo ich irgendwie in so einen Rausch komme. Natürlich, man kann so taktisch sein, wie man will, aber es gibt Momente, da kannst du dich einfach frei entfalten. In gewissen Spielen spüre ich das. Dann schieße ich einfach von irgendwo und dann klappt es irgendwie auch. Aber auch, weil ich das schon seit Jahren mache. Ich denke da gar nicht mehr dran. Ich merke einfach, ich habe den Schwung und das Selbstvertrauen und dann läuft's. Noch zusätzlich spüre ich die Bestimmung oder auch Verantwortung, dass ich da einen Unterschied machen kann und will. Ich will eine Unterschiedsspielerin sein und das macht mich dann auch mental aus. Ich hoffe, dass ich das immer abrufen kann, weil da natürlich auch sehr, sehr viel Disziplin und Überzeugung dahintersteckt.
Soccerdonna: Dann ist das jetzt eine schwierige Frage: Was ist denn für Dich wichtiger – zu Null zu spielen, also dass Du jede Aktion, jeden Angriff vereitelst oder eben selbst das Siegtor schießt?
Oliwia Woś: Keine Ahnung. Wenn wir jetzt das Spiel FCB gegen FCZ als Beispiel nehmen, da habe ich noch bei Zürich gespielt. Wir kriegen das 0:1 und da habe ich den Ausgleich eingeleitet zum 1:1. Wir haben am Ende das Spiel 2:1 gewonnen. Ich wusste auch an dem Tag „Oliwia, ich bin heute richtig, richtig bereit.“ Dieses Gefühl, was ich in dem Moment habe, ist schon heftig, weil es temporär eine extreme Euphorie ist. Das andere Beispiel ist dann, wenn ich konstant jeden Zweikampf gewinne, dann bin ich 90 Minuten lang konstant gut drauf. Das ist mein Job, finde ich. Wenn ich dann ein Tor schieße, ist es für mich „Okay, jetzt hast du nochmal einen draufgesetzt.“ Deswegen würde ich vielleicht doch sagen Siegtreffer.
Soccerdonna: Im vergangenen Jahr hast Du dich mit der polnischen Nationalmannschaft durch die zwei Siege in der Play-Off Runde gegen Österreich erstmals für eine Europameisterschaft qualifiziert. Für Polen war es die erste Qualifikation für ein großes Turnier. Hast Du es mittlerweile realisiert oder ist es immer noch surreal?
Oliwia Woś: Ich habe es mittlerweile schon realisiert. Ich rede gar nicht so oft darüber, aber es ist mega präsent. Das ist so ein happening und für mich ist es einfach so das geilste Gefühl, dass ich ein Teil dieser zwei Spiele sein durfte. Das wird mich für mein ganzes Leben begleiten.
Soccerdonna: Was war denn dein erster Gedanke nach dem Abpfiff beim Rückspiel in Österreich?
Oliwia Woś: Ich dachte mir so „What the f*ck?“ (lacht). Alle um mich herum haben angefangen zu weinen, dann habe ich mitgeweint. Es war so surreal.
Soccerdonna: Kannst Du die Stimmung im Team vor, während und nach der EM-Quali beschreiben? Wusstet Ihr von vorne rein, dass Ihr das Schaffen werdet?
Oliwia Woś: Ich finde unser Weg war relativ schwierig. Vor allem durch die Nations League, die wir hatten und durch die Mannschaften, gegen die wir spielen mussten. Dadurch, dass wir da erstmal nicht gut abgeschnitten haben, waren wir erst mal alle so „Okay, es ist schwieriger, als wir dachten.“ Aber unsere polnische Mentalität ist so, dass wir niemals aufgeben. Diese Mentalität hast du genau in diesen zwei Spielen gegen Österreich extremst gesehen. Wir haben nicht nur einfach zwei Tore geschossen, wir haben auch zu null gespielt. Das macht auch nochmal einen Unterschied. Wir haben das Spiel vielleicht nicht mit viel Ballbesitz gewonnen, aber mit Überzeugung und dieser mentalen Einstellung, dass wir das jetzt schaffen. Vor allem, als ich dann gesehen habe, wie wir aufgetreten sind, da wusste ich „Okay, wir sind wirklich bereit dafür.“
Soccerdonna: Ihr habt auch die zwei vergangenen Nations League Spiele gewonnen. Wie hat es Euch nochmals beflügelt, jetzt auch mit Hinblick auf die EM, dass es jetzt schon bald losgeht?
Oliwia Woś: Ich finde, es gibt immer so einen natürlichen Druck, den du bekommst. Natürlich auch vom Verband, von dir selbst und von den Mitspielerinnen. Der Druck ist schon groß, aber jeder weiß, worum es geht. Das ist bei uns gerade noch extremst präsent. Jeder von uns ist sich bewusst, aber gleichzeitig möchte jeder einfach seine Arbeit machen und ist gut gelaunt. Die Atmosphäre ist echt gut, wie beim ersten Spiel gegen Irland. Beim zweiten Spiel gegen Rumänien, da haben wir uns ein bisschen verloren. Die Connection war nicht so extrem da, aber ich finde trotzdem, dass wir dann doch das Spiel gewinnen, zeigt, dass wir auch ein sehr schwieriges Spiel auf schlechtem Rasen hinbekommen. Das sind so die kleinen Sachen, an die wir uns jetzt halten müssen.
Soccerdonna: Noch dazu habt Ihr eine Hammer EM-Gruppe zugelost bekommen, mit Deutschland, Schweden und Dänemark. Habt Ihr Euch schon ein bisschen darüber Gedanken gemacht?
Oliwia Woś: Nee, ich glaube, es ist wirklich so, dass wir jetzt diese Nations League erst mal gut hinbekommen müssen. Das ist dann auch automatisch die Vorbereitung auf diese Teams. Das ist ja das Coole an dieser EM, dass wir uns mit diesen Mannschaften messen dürfen, weil das bekommen wir nicht so oft. Jetzt in der Vorbereitung geht es einfach darum, dass wirklich jeder in der Verantwortung ist, damit wir dann als Team auftreten. Dann ist Polen immer am stärksten.
Soccerdonna: Wie sehr freut Ihr Euch auf die EM?
Oliwia Woś: In jedem Training, wenn wir in Polen sind, gibt es so eine Motivationsansprache. Ich finde diese Reden sind schön und erinnern dich daran, was wir erreichen wollen. Auch die Frage, die du mir geradegestellt hast – Ich finde es schön, wenn Leute mich das fragen, denn ich vergesse oft, dass ich mich darüber so freuen darf. Und wenn wir eben zusammen in Polen als Team dann Meetings haben und kurz mal so einen Rückblick hören, dann bin ich immer so „Geil, ich darf mich darauf freuen.“ Ich bin jemand, die total verbissen ist in ihrem Job. Es ist wichtig für mich auch mal sagen zu können „Hey, du hast es gut gemacht. Wir freuen uns jetzt und wir haben einfach Spaß.“
Soccerdonna: Du hast die doppelte Staatsbürgerschaft. Das heißt, Du hättest auch für die deutsche Nationalmannschaft spielen können. Wieso hast Du Dich dann für Polen entschieden?
Oliwia Woś: Ich finde es immer spannend, darüber nachzudenken. Früher als Kind war mir das gar nicht so bewusst, dass ich für Polen oder Deutschland spielen kann. Früher habe ich einfach Fußball gespielt. Jetzt in den letzten Monaten war ich so „Interessant, ich hätte ja wirklich für Deutschland spielen können.“ Aber ich bin einfach nicht deutsch. Meine Kultur, wer ich bin, woher ich komme, meine Umstände und wie ich geworden bin, kam alles durch meine polnische Familie. Wenn ich an meine Kindheit denke, dann ist es und war es immer Polen. Es war diese emotionale Entscheidung. Damals gab es eine Situation, da hätte ich zu einem Lehrgang gehen können und ich dachte mir so, dass ich nicht möchte. Klar, ich wollte gleichzeitig auch die beste Ausbildung haben, die es gibt. Ich war auch bei der Westfalenauswahl und habe mein ganzes Leben vor dem College in Deutschland gespielt. Viele geben alles dafür, dass man dann bei der deutschen Nationalmannschaft spielt. Aber ich habe anders entschieden. Ich habe einfach gesagt „Nein, ich bin Polin“ und ich treffe diese Entscheidung aus voller Überzeugung.
Soccerdonna: Damit bist Du einen recht ungewöhnlichen Weg gegangen. Du hast in Deutschland gespielt, bist in die USA gegangen, bist jetzt in der Schweiz und spielst für die polnische Nationalmannschaft. Würdest Du das genauso machen oder würdest Du es anders machen?
Oliwia Woś: Ich glaube für mich ist die Frage schwierig zu beantworten, weil ich nicht weiß, was anders wäre. Ich bin extrem glücklich, welcher Mensch ich gerade werden kann. Menschen, die ich in der Schweiz gefunden habe und Menschen, die mir über meinen Weg gelaufen sind, haben mir so viel beigebracht. Ich bin happy, dass ich diesen Weg genommen habe. Es gibt Situationen, wo ich früher gedacht habe „Warum habe ich nicht das gemacht?“ Weißt du, diese klassischen Dinge, wo du denkst, du bist nicht gut genug, weil du beispielsweise noch nicht beim FC Bayern gespielt hast als 17-Jährige. Das ist mir jetzt egal. Da ist mein Weg einfach ein bisschen anders. Ich bin extremst glücklich, wer ich gerade bin. Ich finde, Glücklichsein ist oftmals nicht so einfach in diesem Beruf.
Soccerdonna: Was konntest Du jetzt bereits alles Lernen auf deinem Weg?
Oliwia Woś: Die Begegnung mit Menschen. Ich bin offen für Input von anderen, mag es von Leuten zu lernen und deren Perspektiven wahrzunehmen. Wenn du aber nur in deiner Bubble bleibst, dann kannst du das einfach nicht machen. Das war schon immer so eine Sache, die mir viel über mich beigebracht hat. Diese Menschen, die mir eine Chance gegeben haben zu sagen „Hey Oliwia, wer bist du denn eigentlich?“ die geben mir viel. Wenn wir ehrlich sind, bin ich seit sechs, sieben Jahren komplett auf mich alleine gestellt, auch in Amerika. Ich bin komplett allein gewesen und das sind so Sachen, die kriegst du nicht anders hin, wenn du nicht offen bist. Du musst vor allem auch Hilfe annehmen können. Ich habe echt viel Hilfe gebraucht.
Soccerdonna: Das ist auch eine ganz andere Erfahrung, wenn man alleine tausende von Kilometern da ein ganzes Leben aufbauen musst. Lass uns über deine Vorbildrolle sprechen. Gerade durch die EM-Quali hast Du eine größere Vorbildrolle für Kinder speziell für Mädchen in Polen. Was möchtest Du diesen weitergeben?
Oliwia Woś: Oh ja, ich finde das eines der schönsten Sachen, wenn ich ein Kind anschaue und ich gerade merke, dass es mega Freude hat mit mir Fußball zu spielen, aber auch Freude hat einfach zu zeigen „Hey, schau wie ich dreimal den Ball hochhalte.“ Das sind diese kleinen Momente, warum wir das alles machen, und die geben mir so viel. Auch durch diese Erlebnisse kann ich mich entfalten. Was ich kleinen Kindern zeigen will, ist „Ich bin da, wenn ihr mich braucht.“ Ich möchte das Gefühl vermitteln, dass Fußball immer Spaß machen sollte, denn ohne Spaß geht es nicht.
Soccerdonna: Denkst Du auch, dass durch die EM sich die Aufmerksamkeit für Frauenfußball in Polen verändern wird?
Oliwia Woś: Das merkt man jetzt schon. Vor allem die mediale Aufmerksamkeit ist viel größer. Wie viele Leute jetzt teilweise ins Stadion kommen oder wie viel der Verband gerade möglich macht. Du merkst diesen Schwung. Ich weiß nicht, ob es reicht, dass die polnische Liga an sich besser wird. Ich finde, da müsste man anfangen, damit sich noch mehr tut, denn alle Polinnen gehen ins Ausland. Die polnische Liga bietet einfach zu wenig. Das ist ein bisschen traurig und da würde ich mir noch mehr Entwicklung für den Frauenfußball in meiner Heimat wünschen.
* Das Interview wurde vor dem 16. Spieltag der Women’s Super League geführt.
Quelle
26.03.2025 - 21:15 Uhr | News | Quelle: soccerdonna | von: Nadine Dietzel
Neuanfang in Deutschland: Warum Elena Mühlemann den Sprung ins kalte Wasser brauchte
![[Bild: s_47886_104_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_47886_104_2012_1.jpg)
©Eintracht Frankfurt
Elena Mühlemann (21) spielt seit dem Winter 2024 für die U20 von Eintracht Frankfurt in der 2. Bundesliga. Die gebürtige Schweizerin sammelte ihre ersten Erfahrungen beim FC Luzern und wagte mit 18 Jahren den Schritt ins Ausland. Nach zwei Jahren beim 1. FC Nürnberg folgte der Wechsel nach Frankfurt, wo sie sich gezielt weiterentwickeln, und Spielpraxis sammeln möchte. Im Interview spricht sie über ihren Weg in den Fußball, den Aufstieg mit dem FCN, ihre Rolle bei der Eintracht, den Frauenfußball in der Schweiz und ihre Zeit in der U- Nationalmannschaft.
Soccerdonna: Wie bewertest Du eure bisherige Saison? Ihr steht aktuell auf Platz 7, zwischenzeitlich Platz 5 und somit die beste U20 der Liga, der 2. Bundesliga – wie zufrieden seid Ihr als Team?
Elena Mühlemann: Ich glaube, wir sind mit der Vorrunde ziemlich zufrieden in die Winterpause gegangen. Zwischenzeitlich standen wir auf Platz fünf, das war wirklich stark. Darüber haben wir auch in der Vorbereitung gesprochen und wir sind stolz auf die Leistung. Natürlich war manchmal etwas Spielglück dabei, aber bei uns zählt nicht nur das Ergebnis. Als U20-Mannschaft stehen die individuelle Entwicklung und die Entwicklung im Team im Vordergrund. Klar möchte man gewinnen, doch entscheidender ist, was wir als Spielerinnen mitnehmen. Und das geht weit über den Tabellenplatz hinaus.
Soccerdonna: Gab es Spiele, die Dir besonders in Erinnerung geblieben sind, vielleicht als Wendepunkt für das Team oder für Dich persönlich?
Elena Mühlemann: Das erste Spiel, das mir in den Sinn kommt, ist auswärts gegen Union Berlin. Vor allem wegen der Atmosphäre bleibt das im Kopf. Die Kulisse war einfach überragend und bei Union ist das nicht nur eine Ausnahme, sondern bei fast jedem Heimspiel so. Es ist beeindruckend, was Berlin da regelmäßig auf die Beine stellt und was auch die Gastmannschaften dort erleben dürfen. Umso schöner war es natürlich, dass wir die drei Punkte mitnehmen konnten. Für uns als Team war, das auf jeden Fall ein echtes Highlight und auch für mich persönlich war, es ein ganz besonderer Moment. Vor fast 6000 Zuschauerinnen und Zuschauern zu spielen, ist etwas, das man nicht vergisst.
Soccerdonna: Welche Ziele habt Ihr als Team für die restlichen Spiele? Gibt es etwas, worauf Ihr Euch besonders fokussiert?
Elena Mühlemann: Eines unserer Ziele war, die beste U20 der Liga zu sein. In der Tabelle sind wir das auch aktuell, auch wenn wir im direkten Vergleich gegen andere U20-Teams zuletzt zweimal verloren haben. Trotzdem sind wir stolz auf unsere Position. Wichtiger als die Ergebnisse ist für uns aber die individuelle, taktische und technische Entwicklung jeder Spielerin. Jede hat ihre eigenen Themen, an denen sie arbeitet. Besonders wichtig ist uns, erwachseneren Fußball zu spielen, heißt strukturierter und dominanter und das über 90 Minuten konstant. Vergleicht man das mit dem Saisonstart im vergangenen Jahr, sieht man bei uns eine klare Entwicklung. Auch bei Teams wie Bayern München II erkennt man, dass sie in der Hinrunde Punkte liegengelassen haben, jetzt aber in der Rückrunde deutlich stabiler auftreten und ihre Spiele reifer zu Ende spielen. Genau das ist auch unser Anspruch.
Soccerdonna: Jede Saison bringt Höhen und Tiefen mit sich. Wie gehst Du mit schwierigen Phasen um?
Elena Mühlemann: Im Fußball gehört es einfach dazu, dass nicht immer alles rund läuft. Es gibt gute Phasen, aber eben auch schwierige. Wichtig ist für mich, in solchen Momenten ruhig zu bleiben und mich nicht verrückt zu machen. Mein Ziel ist es, meine Leistung konstant zu halten, auch wenn es mal nicht perfekt läuft. Man lernt mit der Zeit, flexibel zu sein und sich auf unterschiedliche Situationen einzustellen.
Soccerdonna:Hast Du persönliche Ziele für den Saisonendspurt?
Elena Mühlemann: Seit ich in Frankfurt bin, ist es mein Ziel, mich technisch und taktisch weiterzuentwickeln. Damit bin ich bisher auch sehr zufrieden. Ich arbeite daran, eine möglichst komplette Spielerin zu werden und meine Leistung konstant auf den Platz zu bringen. Genau das ist mein persönliches Ziel für den Rest der Saison.
Soccerdonna: Wie bist Du zum Fußball gekommen?
Elena Mühlemann: Zum Fußball bin ich tatsächlich über meinen großen Bruder gekommen. Es klingt vielleicht ein bisschen klischeehaft, aber er hat immer gespielt und ich war als kleine Schwester oft dabei. Überall lagen Bälle herum und irgendwann habe ich dann auch angefangen zu kicken. Erst habe ich eine Zeit lang Tennis gespielt, aber der Fußball hat mich nie ganz losgelassen. Mit zehn Jahren habe ich dann richtig im Verein angefangen.
Soccerdonna: Vor deinem Wechsel nach Deutschland hast Du in deinem Heimatland Schweiz beim FC Luzern gespielt. Wie hast Du dort deine persönliche Entwicklung gesehen?
Elena Mühlemann: Rückblickend war das wirklich eine sehr prägende und schöne Zeit für mich. Ich wurde beim FC Luzern in meiner Entwicklung super unterstützt. Insgesamt war ich etwa vier Jahre dort und konnte in dieser Zeit viel lernen. Ich habe alle Jugendmannschaften durchlaufen. Angefangen hat es mit der U15, zunächst mit einer Doppellizenz, danach folgten zwei Jahre in der U19 und schließlich noch ein halbes Jahr in der ersten Mannschaft. Der Verein hat mich sowohl sportlich als auch persönlich gefordert und genau das hat meine Entwicklung spürbar vorangebracht.
Soccerdonna: Mit 18 Jahren hast Du den Schritt ins Ausland gewagt und bist nach Nürnberg gewechselt. Wie hast Du die Veränderung erlebt und wie hast Du dich an das neue Umfeld angepasst?
Elena Mühlemann: Das war natürlich eine große Veränderung, aber auch ein Traum von mir. Schon während meiner Zeit in der Schweiz wollte ich unbedingt ins Ausland, um dort Fußball zu spielen. Die Vorfreude auf das Neue war größer als die Traurigkeit über das, was ich zurücklasse. Natürlich war es nicht leicht, Familie, Freunde und Schule hinter sich zu lassen. Der Schritt ins neue Land war groß, vielleicht größer, als ich es damals realisiert habe. Aber genau dieser Sprung ins kalte Wasser hat mich persönlich und sportlich weitergebracht.
Soccerdonna: In deinem ersten Jahr beim FCN hast Du bereits den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Wie hast Du diesen Moment erlebt?
Elena Mühlemann: Wunderschön. Das ist bis heute eine meiner liebsten Erinnerungen im Fußball. Die Saison war vom ersten Tag an besonders. Als ich im Sommer nach Nürnberg gekommen bin, stand bereits unser Ziel, den Aufstieg zu schaffen, fest. In meiner Zeit dort hatte ich das Gefühl, dass die Zeit regelrecht verflogen ist, da die Winterpause schnell kam. Als wir dann gesehen haben, dass es wirklich greifbar ist, hat uns das als Team nochmal extra gepusht. Wir haben gesagt: „Okay, das packen wir, wir geben alles.“ Am Ende hat es geklappt. Diese Reise war unglaublich. Ich glaube, jede einzelne Spielerin aus diesem Team würde das sofort unterschreiben. Den Moment des Abpfiffs werde ich niemals vergessen.
Soccerdonna: Welche Bedeutung hat Nürnberg für Dich, sowohl sportlich als auch persönlich?
Elena Mühlemann: Nürnberg hat in beiden Bereichen eine große Bedeutung für mich. Es war meine erste Station im Ausland und ich bin dort das erste Mal richtig von zu Hause weg gewesen. Das hat mich selbstständiger gemacht und mich persönlich reifen lassen. Sportlich habe ich in Deutschland gemerkt, wo ich noch Defizite habe, vor allem im taktischen Bereich. Es war ein intensiver Lernprozess, der mich weitergebracht hat. Ich habe dort großartige Menschen kennengelernt und ich würde diese Zeit niemals rückgängig machen.
Soccerdonna: Nach dieser Zeit hast Du dich für den Wechsel nach Frankfurt entschieden. Was hat den Ausschlag gegeben, und wie schwer fiel Dir dieser Schritt?
Elena Mühlemann: Der Wechsel nach Frankfurt war auf jeden Fall eine große Entscheidung, vor allem, weil ich sie zunächst gar nicht so kommen gesehen habe. Trotzdem hat sich schnell herausgestellt, dass es der richtige Schritt für mich war. Vor allem mit Blick auf die Spielpraxis und persönliche Entwicklung. Der Verein hat eine klare Richtung eingeschlagen und
ich wusste, dass ich bereit sein muss, diesen Weg mitzugehen. Für mich war das eine Chance, mir nochmal bewusst Zeit für meine Weiterentwicklung zu nehmen. Der Abschied aus Nürnberg fiel mir menschlich sehr schwer, weil ich dort viele großartige Menschen kennengelernt habe. Aber sportlich war es genau das, was ich gebraucht habe.
Soccerdonna: Wie bist Du mit den neuen Erwartungen, wie beispielsweise eine Stammkraft und Deiner Rolle in Frankfurt umgegangen?
Elena Mühlemann: Ich habe mir vor dem Wechsel nach Frankfurt nicht viele Gedanken machen können, weil der Abschied aus Nürnberg ziemlich plötzlich war. Am Anfang ging es für mich vor allem darum, anzukommen, ins Team zu finden und die neue Umgebung kennenzulernen. Mit der Zeit habe ich mir dann auch persönliche Ziele gesetzt, vor allem wollte ich mich weiterentwickeln und als Spielerin kompletter werden. Dass ich vom Trainerteam, dem Staff und meinen Mitspielerinnen so gut aufgenommen wurde, hat mir den Einstieg sehr erleichtert.
Soccerdonna: Wie war es, die Schweiz in der U17/U19 zu vertreten?
Elena Mühlemann: Ich habe tatsächlich nur ein Spiel bei der U17 gespielt. Das war kurz vor Corona, in dem Jahrgang, der dann leider nicht mehr weiterspielen konnte. Trotzdem war das ein echtes Highlight für mich, ich war 16, durfte das erste Mal das Nationaltrikot tragen und meine Eltern waren sogar im Stadion. Das war ein besonderer Moment, der mich stolz gemacht hat. In der U19 war ich dann im zweiten Jahr fester Bestandteil des Teams und habe insgesamt fünf Spiele gemacht, einmal war ich gesperrt. Es war eine unglaublich schöne Zeit. Unser Jahrgang hat sich super verstanden, wir waren eine richtig enge Gruppe. Man trifft sich regelmäßig, verbringt eine Woche oder sogar zehn Tage gemeinsam in einem anderen Land, spielt Turniere und erlebt diese Zeit als junge Spielerin, das war einfach eine großartige Erfahrung.
Soccerdonna: Was hast Du aus dieser Zeit für Deine Entwicklung mitgenommen?
Elena Mühlemann: Ich glaube, zu der Zeit war das Niveau in der Nationalmannschaft etwas höher als das, was ich aus meinem Verein kannte. Ich habe damals noch in der U19-Liga in der Schweiz gespielt, während viele aus meinem Jahrgang bereits in der ersten Liga aktiv waren. Das Tempo war dadurch deutlich höher und auch taktisch wurde viel mehr verlangt. Wir haben uns intensiv auf die Gegner vorbereitet, das war ich so vom Vereinsfußball nicht gewohnt. Für mich war das der erste richtige Schritt in Richtung professionelle Spielvorbereitung. Es hat mir geholfen, den Fußball nochmal auf einer ganz anderen Ebene zu verstehen.
Soccerdonna: Du hast sowohl in der Schweizer als auch in der deutschen Liga gespielt, was sind für Dich die größten Unterschiede?
Elena Mühlemann: Als ich gewechselt bin, war es für mich schwer, die Unterschiede direkt einzuschätzen, da ich in der Schweiz nur kurz in der ersten Liga gespielt habe. Rückblickend ist der Fußball in Deutschland vor allem taktisch strukturierter, das Tempo höher und es wird körperlich mehr gefordert. Ich habe schnell gemerkt, dass ich da noch Defizite hatte – besonders im physischen Bereich, obwohl ich mich in der Schweiz gut aufgestellt gefühlt habe. Das Niveau in der Schweizer Liga schwankt stärker, es gibt sehr gute Teams, aber auch einige, die noch nicht so viele professionelle Strukturen haben und es in der Liga etwas schwerer haben. In Deutschland ist die zweite Liga deutlich ausgeglichener, mit vielen ambitionierten Mannschaften. Das fördert die Entwicklung enorm.
Soccerdonna: Der Frauenfußball wächst international immer mehr. Wie erlebst Du diese Entwicklung, besonders in der Schweiz?
Elena Mühlemann: Ich bekomme über Familie und Freunde noch einiges aus der Schweiz mit, bin aber inzwischen stärker in Deutschland eingebunden. Was ich mitbekomme, ist, dass rund um die EM wieder ein spürbarer Aufschwung entsteht. Ich hoffe sehr, dass das die Zuschauerzahlen steigen lässt und dem Frauenfußball mehr Aufmerksamkeit bringt. Im Vergleich zu Deutschland sind Niveau und Strukturen noch nicht auf demselben Level. Es gibt in der Schweiz zwar Vereine, die professionell arbeiten, aber oft fehlen Sponsoren und finanzielle Mittel. In diesem Bereich hinkt die Schweiz Deutschland noch hinterher, aber mit der EM könnte ein neuer Schub kommen.
Soccerdonna: Wirst du die EM besuchen?
Elena Mühlemann: Ich würde eigentlich sehr gerne zur EM gehen und habe auch schon öfter nach Tickets geschaut, aber da die Spiele alle im Juli stattfinden und bei uns vermutlich schon die Vorbereitung beginnt, habe ich mir bisher noch keine Tickets gekauft. Falls ich in der Schweiz bin, will ich aber auf jeden Fall auf ein Public Viewing gehen, vielleicht sogar ein Heimspiel in Luzern.
Soccerdonna: Welche Herausforderungen haben junge Spielerinnen wie Du, wenn sie mit Fußball anfangen oder in den Profibereich gehen wollen. Hast Du Erfahrungen?
Elena Mühlemann: Ich glaube, eine der größten Hürden ist es, Schule und Fußball unter einen Hut zu bringen. Nicht alle haben das Glück, an eine Sportschule gehen zu können, wo man Trainingszeiten und Lehrgänge gut mit dem Unterricht abstimmen kann. Ich hatte dieses Glück und trotzdem war es herausfordernd. Ich bin oft von morgens bis abends unterwegs gewesen, habe gependelt und musste den Tag gut strukturieren, um alles unterzubringen. Eine
andere Herausforderung ist, dass man lernt, sich selbst besser einzuschätzen. Das braucht Zeit. Man muss herausfinden, was einem guttut, wie viel man sich zumuten kann und wie man mit Druck umgeht. Das sind Dinge, die man nicht sofort sieht, die aber im Hintergrund eine große Rolle spielen, gerade wenn man professionell Fußball spielen möchte.
Soccerdonna: Wo siehst Du Dich in den nächsten Jahren? Gibt es bestimmte Karriereziele, auf die Du hinarbeitest?
Elena Mühlemann: Mein wichtigstes Ziel ist es, den Spaß am Fußball nicht zu verlieren. Solange das da ist, glaube ich fest daran, dass ich noch viel erreichen kann. Ich arbeite hart daran, die beste Version von mir selbst zu werden, sowohl fußballerisch als auch persönlich. Dazu gehören für mich Dinge wie Teamfähigkeit, Führungsstärke, aber natürlich auch meine sportlichen Fähigkeiten. Ein großer Traum, den ich mir gerne erfüllen würde, ist es, einmal für die A-Nationalmannschaft zu spielen. Das wäre ein absolutes Highlight für mich.
Soccerdonna: Was würdest Du jungen Spielerinnen raten, die den Traum haben, Profi zu werden?
Elena Mühlemann: Glaubt an euch. Warum sollte es nicht funktionieren? Es gibt genauso viele Gründe, die dafürsprechen, wie dagegen. Am Ende kommt es darauf an, woran man selbst glaubt. Man kann es schaffen. Oft wirkt es weiter entfernt, als es in Wirklichkeit ist.
*Das Interview wurde vor dem 19. Spieltag der 2. Bundesliga geführt
Quelle
Beiträge: 125.175
Themen: 6.562
Danke Empfangen: 31 in 31 Beiträgen
Danke gegeben: 47
Registriert seit: 28.01.2013
Bewertung:
2
03.06.2025 - 14:30 Uhr | News | Quelle: Soccerdonna | von: Emilie Bitsch
„Ich glaube bis zum letzten Tag an die EM“ – Lydia Andrade über Verletzung, Comeback und dem Traum von der Heim-EM
![[Bild: s_30715_6053_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_30715_6053_2012_1.jpg)
©IMAGO
Lydia Andrade hat in ihrer Karriere schon einige Höhen und Tiefen erlebt. Die 26-jährige Offensivspielerin wagte früh den Schritt ins Ausland, spielte in Deutschland unter anderem für den SV Meppen und RB Leipzig – und trägt nun das Trikot des 1. FC Köln. Nach einer langen Verletzung kämpft sich die Schweizer Nationalspielerin mit viel Entschlossenheit zurück. Ihr Blick geht klar nach vorn: Sie möchte noch auf dem EM-Zug einsteigen, welche in ihrem Heimatland stattfinden wird. Im Interview mit Soccerdonna spricht sie über ihre Zeit in der Schweiz und in Deutschland, ihre erste Berufung für die Nationalmannschaft mit 25 Jahren – und weshalb sie fest an ihre EM-Chance glaubt.
Soccerdonna: Lydia, bevor Du den Schritt nach Deutschland gegangen bist, war die Schweiz lange deine Heimat. Dort hast Du einige Zeit beim FC Zürich gespielt. Welche Herausforderung war es für Dich, deine Heimat zu verlassen und in ein komplett neues Land zu wechseln?
Lydia Andrade: Ich bin in der Schweiz geboren und aufgewachsen, bis ich 2022 mich dazu entschieden habe, ins Ausland zu gehen. Ich habe mir die Frage gestellt, ob ich den Mut habe diesen Schritt zu gehen. Ich habe gemerkt, dass das ein guter Schritt ist, aber es war zugleich ein riesiger. Die einzige Herausforderung war, mich von meinen Freunden und meiner Familie zu trennen. Im Nachhinein war es die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Nicht nur sportlich, sondern auch menschlich, weil ich als Mensch dadurch gewachsen bin. Ich bin selbstständig geworden. Anfangs habe ich die ersten Tage und Wochen meine Familie und engen Freunde vermisst. Mein Gedanke war, dass ich jetzt im Ausland bin, meinen Traum lebe und Bundesligaerfahrung sammle. Als ich sie wieder gesehen habe, habe ich mich gefreut. Ich hatte nicht das Gefühl, wieder in die Heimat zu müssen. Es war das Gefühl von Dankbarkeit und Freude, die ich gespürt habe, dass ich diesen Schritt gewagt habe.
Soccerdonna: Wie war die Zeit für Dich damals in der Schweiz zum Vergleich mit dem Leben hier in Deutschland?
Lydia Andrade: Ich war damals noch jung und in meiner Komfortzone. Die Professionalität in der Schweiz habe ich noch nicht gesehen, denn dort musste ich nebenbei arbeiten. Deswegen war das Leben dort anders. Als ich ins Ausland gegangen bin, ist mir klar geworden, dass ich nun eine Profispielerin bin. Ich muss nicht mehr nebenbei arbeiten und ich kann meine Zeit genießen. Wenn ich morgens aufstehe, muss ich mir keine Sorgen machen, neben dem Training noch Arbeiten zu gehen. Diese Momente sehe ich als Privileg, denn es ist nicht überall möglich, Profi zu sein. Damals in der Schweiz gab es nicht diese Möglichkeit. Mittlerweile hat es sich auch dort gewandelt, zumindest bei einigen Vereinen. Wenn ich beide Zeiten vergleiche, sehe ich auch eine Entwicklung im fußballerischen und menschlichen Bereich bei mir. Für mich ist das aber auch nicht alles selbstverständlich. Ich habe mir das alles erarbeitet und sehe nun, wo ich war und wo ich jetzt stehe. Vor meinem Wechsel 2022 hätte ich niemals gedacht, dass ich an diesem Punkt bin.
Soccerdonna: In diesen drei Jahren in Deutschland ist bei Dir einiges passiert. Dein Weg hat Dich zunächst zum SV Meppen geführt, danach warst Du zwei Jahre bei RB Leipzig – und jetzt bist Du beim 1. FC Köln angekommen. Du sagtest selbst, dass Du Dich weiterentwickelt hast. In welchen Bereichen denn?
Lydia Andrade: Wenn ich den Fußball von der Schweiz und Deutschland vergleiche, würde ich sagen, dass ich mich im taktischen und physischen Bereich sehr entwickelt habe. Die Liga ist deutlich besser, aber ich kann mithalten. Auch die Entscheidungen auf dem Spielfeld fallen mir leichter. Insgesamt habe ich im fußballerischen Bereich einen Riesenschritt gemacht.
Soccerdonna: Neben deinem Wechsel ins Ausland, welcher Moment hat Dich am meisten geprägt, persönlich aber auch sportlich?
Lydia Andrade: Die Berufung zur schweizerischen Nationalmannschaft mit 25 Jahren. Das war etwas, was ich schon lange wollte. Etwas, wofür ich lange gekämpft habe und immer daran geglaubt habe. Wenn du 25 bist, so wie ich, denkst du, dass die Zeit dafür vorbei ist. Ich habe mir immer einen Kopf gemacht und mich gefragt, wann die Berufung kommt, und was muss ich noch dafür tun muss. Irgendwann habe ich es nicht mehr hinterfragt. Wenn es irgendwann kommt, dann würde ich mich sehr darüber freuen. Wenn nicht, weiß ich, dass ich alles gegeben habe. Vor einem Jahr kam eine Mail, dass ich für den nächsten Lehrgang für die Nationalmannschaft berufen werde. Das war ein sehr schöner Moment. Diese harte Arbeit, der ganze Weg und der ganze Aufwand hat sich ausgezahlt. Vor allem auch, weil ich das seit Klein auf immer geträumt habe.
Soccerdonna: Vergangenes Jahr durftest Du im Spiel gegen Aserbaidschan debütieren. Wie war es für Dich in so einem Moment für die Schweiz aufzulaufen?
Lydia Andrade: Als ich damals in den Lehrgang gegangen bin, hatte ich keine Erwartungen. Ich war froh, dass ich dabei war und schnuppern durfte. Das erste Spiel gegen die Türkei zu Hause war ich auf der Bank und meine Familie war im Stadion. Als ich die Hymne gehört habe, war das ein Wahnsinnsgefühl zu Hause vor den eigenen Fans, das war sehr besonders. Da bekam ich noch keinen Einsatz. Vor dem zweiten Spiel gegen Aserbaidschan auswärts hatte Trainerin Pia Sundhage mir gesagt, dass sie mir einige Minuten geben wird. Ich habe mit zehn bis fünfzehn Minuten gerechnet, aber als sie mir in der Halbzeitpause sagte, dass ich jetzt reinkomme, wurde ich etwas ins kalte Wasser geschmissen, da ich es nicht erwartet hatte. Ich wusste, ich habe lange dafür gearbeitet und immer davon geträumt. Jetzt musste ich zeigen, was ich draufhabe. Als ich reinkam, habe ich mich befreit gefühlt. Auch meine Mitspielerinnen haben sich alle für mich gefreut. Ich wusste, dass meine Familie in der Schweiz jetzt zu schauen und vor Stolz platzen. Für mich war es die schönste Halbzeit, die ich gespielt habe.
Soccerdonna: Hättest Du erwartet, dass Du fünf Spiele für die Schweiz bestreiten wirst?
Lydia Andrade: Um ehrlich zu sein, nein. Aber ich habe es trotzdem immer manifestiert. Ich habe immer daran geglaubt, dass ich irgendwann für die Nationalmannschaft spielen werde. Aber nicht, dass ich mittlerweile fünfmal für sie gespielt habe.
Soccerdonna: Derzeit laufen die Nations League Spiele. Du bist diesmal nicht nominiert. Wie siehst Du die Entscheidung? Hattest Du davor eine die Absprache mit dem Trainerteam?
Lydia Andrade: Derzeit stehe ich für die Spiele auf Abruf für das Team. Ich hatte keine Absprache mit dem Trainerteam, aber ich komme damit klar. Ein Punkt ist sicherlich meine viermonatige Verletzung. Diese Zeit war nicht einfach. Ich konnte zumindest die letzten vier Spiele bei Leipzig spielen, aber das reicht nicht aus. Es ist aktuell wichtig, dass ich wieder fit und gesund werde. Ich bin trotzdem immer noch ein Teil vom Team. Wenn es mich braucht, bin ich da.
Soccerdonna: Die Heim-EM in der Schweiz rückt immer näher. Auch wenn Du gerade verletzt bist: Glaubst Du daran, dass Du rechtzeitig fit wirst und Dir noch ein Platz im Kader gelingt?
Lydia Andrade: Ich glaube daran, bis zum allerletzten Tag. Man muss sich das erkämpfen. Nächste Woche ist bereits die EM-Vorbereitung und ich hoffe, dass ich dabei bin, damit ich mich zeigen kann. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, tun. Den Rest kann ich leider nicht beeinflussen. Am Ende, wenn es reicht, würde ich mich sehr freuen. Eine Heim-EM zu spielen ist für jedes Mädchen oder für jeden Jungen ein Traum. Wenn es doch nicht reicht, dann habe ich eine neue Herausforderung mein Können noch mehr zu zeigen.
Soccerdonna: Um nochmal auf deine Zeit bei Leipzig zurückzukommen. Du hattest bereits erwähnt, dass Du aufgrund der Verletzung eine schwierige Saison hattest. Wie würdest Du trotzdem dein persönliches Fazit ziehen, wie deine Saison bei RB war?
Lydia Andrade: Schwierig. Grundsätzlich sind es gemischte Gefühle. Es war nicht die Saison, wie ich mir das vorgestellt habe, vor allem auch im Hinblick zur EM. Ich habe mir vor der Saison einiges vorgenommen und einiges konnte ich wegen der Verletzung nicht erreichen. Anfangs habe ich gut angefangen, dann kam die Verletzung und ich war weg vom Fenster. Ich war mit mir selbst beschäftigt, dass ich wieder gesund werde. Keiner wusste, wie das Ganze verlaufen wird und wie ich damit zurechtkomme. Es war somit persönlich nicht die beste Saison von mir.
Soccerdonna: Nun bist Du den nächsten Schritt gegangen und bist nach Köln gewechselt. Wie kam der Wechsel zustande und wie sehr freust Du Dich auf Köln?
Lydia Andrade: Man wusste, dass mein Vertrag im Sommer ausläuft. Dieser wurde dann von Leipzig nicht verlängert. Während meiner Verletzung habe ich bereits gemerkt, dass von Leipziger Seite nichts kommt. Mein Agent und ich haben uns die Angebote angeschaut, die ich aus dem Ausland und aus Deutschland bekommen habe. Köln hatte mich vor allem wegen Trainerin Britta Carlson am meisten überzeugt. Damals war es mir wichtig zu sehen, was meine Ziele sind. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer ist nach einer Verletzung zurückzukommen. Man fängt gefühlt von Null an. Für mich ist aber der Schritt nach Köln die optimalste und richtige, vor allem, um mehr Spielzeit zu sammeln.
Soccerdonna: Was ist jetzt, neben der EM-Nominierung dein Hauptziel? Was möchtest Du erreichen?
Lydia Andrade: Ich bin jetzt schon 26 Jahre alt. Klar, ich will noch mal Champions League spielen oder so, diesen Wunsch hat jeder. Aber aktuell ist es so, dass ich aufgrund der Verletzung, einen Schritt zurück gehen muss. Mein Ziel in Köln ist es, eine Saison gesund zu bleiben und ein paar mehr Tore zu schießen. Ich möchte der Mannschaft helfen mit meinen Qualitäten und durch meine Qualitäten die Ziele des Vereins erreichen.
Soccerdonna: Wir hatten anfangs über die Professionalität in der Schweiz gesprochen. Mittlerweile kann man sagen, dass sich diese gesteigert hat. Dies lässt sich auch auf die Medienberichterstattung über Frauenfußball zurückführen. Wie siehst Du die Entwicklung selbst in deinem Heimatland? Findest Du, es ist besser geworden oder könnte es noch besser werden, gerade durch die EM?
Lydia Andrade: Wenn ich vergleiche, wie es vor drei Jahren war und wie es jetzt ist, ist es besser geworden. Sei es, dass sie die Spiele live im Fernsehen zeigen, oder sei es, dass sie mehr Zuschauer haben. Es ist komplett anders geworden. Es ist fast wie in Deutschland, würde ich sagen. Nur ist die Schweiz ein bisschen kleiner. Ich hoffe natürlich, dass es nach der EM noch besser wird.
Soccerdonna: Zum Schluss: Wer wird die EM gewinnen?
Lydia Andrade: Ja, natürlich die Schweiz. Wenn wir schon zu Hause spielen, dann erst recht. Ich bin Schweizerin und auch wenn ich nicht mitspielen sollte, sondern in Köln vor dem Fernseher sitze und zugucke, will ich die EM gewinnen. Ich will das auch für meine Teamkolleginnen.
Quelle
27.06.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch
Zwischen zwei Heimaten – Mathilde Janzen über Identität, Mut und den Spaß am Spiel
![[Bild: s_48695_200_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/s_48695_200_2012_1.jpg)
©Kristianstads DFF
Mit gerade einmal 16 Jahren wagte Mittelfeldspielerin Mathilde Janzen den Sprung aus ihrer schwedischen Heimat nach Deutschland, um bei der TSG Hoffenheim den Traum von einer Profikarriere im Fußball zu verfolgen. Heute, nur wenige Jahre später, blickt die doppelte Staatsbürgerin mit bemerkenswerter Offenheit auf prägende Stationen zurück: auf herausfordernde Monate bei Werder Bremen, auf das Gefühl, sich verstellen zu müssen, und auf das Vertrauen, das sie sich im schwedischen Verein Kristianstads DFF zurückgeholt hat. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht die 20-jähirge deutsche U-Nationalspielerin über ihre persönlichen Erfahrungen, den Umgang mit jungen Talenten, ihren Wunsch, bei der WM 2027 dabei zu sein – und warum sie sich noch nicht endgültig zwischen Deutschland und Schweden entschieden hat.
Soccerdonna: Mathilde, Deine Karriere begann in Schweden. Du hast Dich dazu entschieden den nächsten Schritt zu gehen und bist zur TSG Hoffenheim gewechselt. Wie war es für Dich diesen Schritt zu gehen und wie kam es zu dieser Entscheidung?
Mathilde Janzen: Es war eine schwere Entscheidung, da ich damals 16 Jahre alt war und meine Familie und das Land verlassen musste. Ich gehörte bereits zur deutschen U-Nationalmannschaft und wusste, dass ich in Deutschland mehr auffallen würde. Hoffenheim hatte Interesse an mir. Es war schwierig für mich, weil ich meine schwedische Mannschaft mochte. Die TSG hatte mir Individualtraining angeboten und gezeigt, wie ich mich bei ihnen weiterentwickeln kann. Das Gesamtpaket hat gepasst, deswegen bin ich den Schritt ins Ausland gegangen. Auch wenn es mir schwerfiel, damit meine Freunde und Familie zu verlassen.
Soccerdonna: Was hast Du Dir in dieser Zeit bei Hoffenheim erhofft? Auch in Bezug auf deine spielerische und persönliche Entwicklung?
Mathilde Janzen: Die ersten zwei, drei Monaten waren schwierig. Ich bin zwar in Hamburg geboren und kenne Deutschland, aber es ist was anderes dort zu wohnen. Erstmal hineinzufinden in eine andere Kultur und auch andere Mentalität. Vor allem, wie man mit Disziplin umgeht, das war alles anders in Schweden. Ich habe mich aber schnell eingelebt, habe viele Freunde kennengelernt, die das dann für mich einfacher gemacht haben und kam gut in die Mannschaft rein. Es gab Tage, wo es hart war, wo ich zurück nach Hause wollte. Da hat man vieles gelernt, worüber ich froh bin, dass ich alles schon erlebt habe. Von sowas wird man stärker und schneller erwachsener.
Soccerdonna: In deiner Anfangszeit in Hoffenheim spieltest Du bei der U20. Gab es Gespräche, dass Du den nächsten Schritt in Richtung ersten Mannschaft machst?
Mathilde Janzen: Mein Ziel war es, so schnell wie möglich in die erste Mannschaft zu kommen. Das erste Jahr habe ich komplett bei der U20 trainiert und gespielt, was gut war, da das Niveau hoch war. Wir hatten jedes Wochenende gespielt, das war gut für mich, um Spielerfahrung zu sammeln. Im zweiten Jahr habe ich öfters in der ersten Mannschaft mittrainiert und war im Trainingslager. Ein halbes Jahr, vor meinem Wechsel zu SV Werder Bremen, gehörte ich fest zur Ersten, war aber ohne Einsatz dort. Ich hatte mir damals erhofft schneller in die erste Mannschaft zu kommen, aber die Zeit bei der U20 war dennoch gut.
Soccerdonna: Du hast bereits angesetzt, dass Du nach deiner Zeit bei der TSG zum SVW gewechselt bist. Dort hattest Du keine einfache Zeit. Im Interview mit der „DeichStube“ sagtest Du, dass Du trotz Handbruch immer mit trainiert, aber nicht die Möglichkeit bekommen hast, Dich zu beweisen, außer die 15 Minuten beim Spiel gegen Eintracht Frankfurt. Magst Du Uns mehr über die Geschehnisse erzählen ab dem Beginn deines Wechsels zu Bremen?
Mathilde Janzen: Ich wollte Hoffenheim verlassen, da ich das Gefühl hatte, auf der Stelle zu treten. Ich hatte einige Gespräche, unter anderem mit Bremen, die mir zeigten, was aus mir noch werden kann. In Bremen wollte ich erleben, wie es ist, in einer größeren Stadt zu leben. Das Angebot von Bremen hat sich super angehört, sie wollten mich und haben mir gezeigt, welche Potenziale ich habe. Mir wurde mehr Spielzeit zugesichert. Es hat mich überzeugt, außerdem wollte ich in Deutschland bleiben. Vor Ort wurde mir schnell bewusst, dass meine Spielweise nicht in das Konzept von Trainer Thomas Horsch passte. Ich habe versucht mich anzupassen und ich merkte, dass ich keine richtige Chance bekommen werde. Somit wurde ich schnell zur zweiten Mannschaft in die Regionalliga Nord geschickt und bekam das Gefühl nicht los, dass ich auch dort keine Chance für die ersten Mannschaft bekommen würde. In der ersten Mannschaft durfte ich gegen Eintracht Frankfurt mein Debüt in der Bundesliga geben, aber das waren nur 15 Minuten, nicht mehr. Ich mochte die Mannschaft und vor allem die Fans, aber ich fand, dass ich als Mensch nicht reingepasst habe. Ich war nicht ich selbst und empfand, dass ich mich verstellen musste. Sei es vom menschlichen her oder von der Spielphilosophie. Ich lache viel, ich mag es zu tanzen und ich bin locker. Deswegen wollte ich wieder zu einem Verein, bei dem ich, ich selbst sein kann und auch meine fußballerischen Stärken und auch meine Persönlichkeit mehr zu tragen kommen.
Soccerdonna: Es gibt viele junge Spielerinnen, die das durchleben müssen, die aber dennoch es bei dem Verein weiterversuchen. Du hast für Dich selbst nach einem halben Jahr entschieden, dass Du das nicht weiter machen möchtest. Was war dein größter Faktor für diese Entscheidung?
Mathilde Janzen: Das Vertrauen war nicht da. Die versprochene Spielzeit bekam ich nicht und dadurch habe ich den Spaß daran verloren. In den weiteren Gesprächen mit den Verantwortlichen wurde mir klar kommuniziert, dass ich auch in der nächsten Saison nicht mehr Spielzeit bekommen würde, als jetzt. Mir wurde dadurch klar, dass ich in Bremen nicht bleiben kann, da mein Ziel war, viel zu spielen. Wenn mir bereits vorher schon gesagt wird, dass ich wenig spielen werde, warum sollte ich dann noch bleiben? Für meine eigene Entwicklung wäre das keine gute Entscheidung gewesen. Zumal bei der U-Nationalmannschaft die U20-WM vor der Tür stand.
Soccerdonna: Wie siehst Du den derzeitigen Umgang mit jungen Talenten? Du bist das perfekte Beispiel dafür, wie schwierig es sein kann. Siehst Du mittlerweile Unterschiede und welche Tipps kannst Du geben?
Mathilde Janzen: Den Talenten und jungen Spielerinnen sollte Vertrauen geschenkt werden. Das Wichtigste für einen selbst ist, Vertrauen zu spüren. In der Nationalmannschaft habe ich sehr viel Rückhalt bekommen von Trainer:innen und das macht sehr viel mit einem. Die größte Entwicklung hat man, wenn man spielt. Nicht nur in Deutschland, aber auch in Schweden ist es leider so, dass junge Spielerinnen viel auf der Bank sitzen. Ich hoffe, dass sich das anders entwickelt und Trainerteams mehr Mut dafür haben, jüngere Spielerinnen mehr Einsatzzeiten zu geben.
Soccerdonna: Gerade in jungen Jahren ist es wichtig, zu spielen und sich weiterzuentwickeln. Nun bist Du bereits seit vergangenem Sommer wieder zurück bei deinem Heimatverein Kristianstads DFF. Wie fühlst Du Dich jetzt?
Mathilde Janzen: Es ist derzeit schön wieder in Schweden zu sein und alte Freunde wieder zu treffen. Ich fühle mich richtig wohl in der Mannschaft und es macht mir wieder Spaß. Spielzeit bekomme ich und es läuft alles sehr gut. Die Zeit in Deutschland war aber trotzdem sehr schön und hat mich absolut weitergebracht.
Soccerdonna: Merkst Du einen Unterschied zwischen Bundesliga und schwedischen Liga Damallsvenskan im mentalen Bereich aber auch von der Trainingsweise?
Mathilde Janzen: In Schweden ist alles etwas lockerer, in Deutschland wird mehr auf Disziplin Wert gelegt. Am Ende des Tages finde ich braucht es beides. Ich selbst bin ein lockerer Typ, aber manchmal ist es in Schweden wiederrum fast zu locker.
Soccerdonna: Auch vom spielerischen her, merkst Du einen Leistungsunterschied oder ist es ausgeglichen?
Mathilde Janzen: In der Zeit in Deutschland saß ich größtenteils auf der Bank, aber ich würde sagen, dass es ein relativ ähnliches Niveau ist. Natürlich gibt es in der Bundesliga bessere Top-Spielerinnen und Top-Vereine. Das Fußballerische ist aber ähnlich. Beide Länder haben gute Taktiken und die Spielerinnen sind von der Körperlichkeit sehr gut. Es ist aber schwer zu vergleichen.
Soccerdonna: Welche Entwicklungen, sportlich und menschlich, siehst Du bei Dir selbst?
Mathilde Janzen: Die Erfahrungen in Hoffenheim und Bremen haben mich stärker gemacht. Außerdem fühle ich mich gerade in Schweden mental und körperlich sehr stark, da ich viele Spielminuten sammeln konnte, dadurch wird man selbstbewusster. Ich habe gelernt, dass das Leben weitergeht, wenn es mal nicht läuft und neue Spiele und Chancen bekommen werde. Man muss immer weitermachen, ich muss mir selbst treu bleiben und mich nicht verstellen. Dann spiele ich am besten, wenn ich das machen darf, was ich selbst mag.
Soccerdonna: Anschließend dazu, was ist dein prägendster Moment in deiner Karriere bislang gewesen?
Mathilde Janzen: Ich würde sagen, der Gewinn der U17-Europameisterschaft im Jahr 2022. Das hat mir gezeigt, dass alle harten Entscheidungen und Trainings sich gelohnt haben. So einen Titel oder die Berufung zur Nationalmannschaft ist immer eine Ehre.
Soccerdonna: Du besitzt die doppelte Staatsbürgerschaft. Bislang hast Du Dich immer für die DFB-Auswahl entschieden. Wieso?
Mathilde Janzen: Bei meinem ersten Lehrgang für Deutschland war ich erst dreizehn Jahre alt. Damals hatte sich Schweden nicht gemeldet, da hier die Sichtungen später beginnen. Nach einem Jahr kam Schweden auf mich zu. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich aber für Deutschland entschieden, da ich mich sehr wohl gefühlt habe. Ich durfte an vielen Lehrgängen teilnehmen und ich mochte die Arbeitsweise vor Spielen und auch die verschiedenen Möglichkeiten, die einem zur Verfügung stehen. Dennoch habe ich die Tür für Schweden noch nicht geschlossen. Ich wollte erstmal alle U-Nationalmannschaften durchlaufen und wenn es irgendwann die Möglichkeit gibt, für ein A-Team aufzulaufen, werde ich mich entscheiden. Es ist eine schöne Möglichkeit, dass ich für beide Nationen spielen kann. Derzeit fühle ich mich wohl in Deutschland und bin sehr stolz, den Adler auf der Brust zu tragen. Auch, dass ich schon so viele Spiele (55) für Deutschland machen durfte, macht mich stolz.
Soccerdonna: Für Dich ist die Tür noch nicht geschlossen, dennoch, wenn Du Dich heute entscheiden müsstest: Deutschland oder Schweden?
Mathilde Janzen: Ich bin in Schweden aufgewachsen und mein Herz schlägt genauso stark für Schweden, wie für Deutschland. Für Deutschland habe ich schon so viele Spiele gemacht, deswegen finde ich das eine schwere Frage. Beide Nationen sind toll und ich kann gar nicht sagen, für wen ich mich entscheiden würde. Ich muss einfach gucken, wie sich alles entwickelt. Dennoch wäre ich stolz, wenn ich für Deutschland oder für Schweden spielen dürfte.
Soccerdonna: Du bist derzeit mit der U23 unterwegs. Wie sieht gerade deine Zeit gemeinsam mit dem Team aus?*
Mathilde Janzen: Die Zeit ist sehr schön mit dem Team. Seitdem ich wieder in Schweden spiele, sehe ich meine Mitspielerinnen nicht so oft, da wir damals jede Woche in der Bundesliga gegeneinander gespielt haben. Deswegen macht es mir umso mehr Spaß, mit ihnen Fußball zu spielen. Es ist ein besonderes Gefühl, wenn man bei der Nationalmannschaft dabei sein darf. Die Vorfreude vor den beiden Spielen gegen USA ist groß.
Soccerdonna: Was nimmst Du aus diesem Lehrgang mit für Dich?
Mathilde Janzen: Hier ist es so, dass ich zum jüngeren Jahrgang gehöre. Deswegen sind Spielerinnen dabei, die mehr Erfahrung haben und man kann gegenseitig voneinander lernen. Ich versuche immer alles mitzunehmen, Spaß zu haben und meine beste Leistung zu bringen. Dann ist es erst recht schön, wenn man gemeinsam Spiele gewinnt, das macht viel aus.
Soccerdonna: Wie sehen deine nächsten Ziele aus?
Mathilde Janzen: Ich möchte in Schweden viel Spielzeit sammeln, gute Leistungen bringen und mich persönlich weiterentwickeln. Auf lange Sicht will ich viel erreichen: Ich will bei der Nationalmannschaft weiter dabei sein und auch für die A-Nationalmannschaft nominiert werden. Mein großes Ziel ist es bei der Weltmeisterschaft 2027 in Brasilien dabei zu sein. Bis dahin muss ich gucken, für wen ich spiele (lacht). In Schweden möchten wir die beste Platzierung erreichen und auf einen Champions League Platz kommen. Es sind nur noch drei Spiele in der Hinrunde.* Ich glaube, wir können mit der Mannschaft in dieser Saison wirklich was holen.
Soccerdonna: In welchen Bereichen möchtest Du Dich weiter verbessern?
Mathilde Janzen: Ich trainiere im Individualtraining derzeit meine Abschlüsse. Wenn ich mal von außen aufs Tor zulaufe und ich eine Schusssituation bekomme, dass ich da mutiger bin zu schießen. In allen Bereichen kann ich mich verbessern, wie die Präsenz auf dem Platz. Noch lauter zu werden und mehr die Leaderin auf dem Platz sein. Im persönlichen Bereich – eine gute Mentalität habe ich bereits, aber bessere geht immer.
Soccerdonna: Nur noch einige Wochen sind es bis zur Europameisterschaft in der Schweiz. Freust Du Dich darauf?
Mathilde Janzen: Ich freue mich darauf und ich werde die Spiele verfolgen. Ich freue mich immer, solche Turniere anzugucken. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich, wenn man Turniere spielt, ist es das Beste, was es gibt.
Soccerdonna: Und wer denkst Du, wird die EM gewinnen?
Mathilde Janzen: Das wird eine Nation sein, mit der man nicht rechnet. Wir werden einen Überraschungssieger haben. Vorne mitspielen werden bestimmt Deutschland, Schweden, aber auch England. Mein Bauchgefühl sagt aber, dass wir alle damit nicht rechnen werden, wer sich dieses Jahr den Pokal holt.
*Interview wurde vor den U23-Länderspielen gegen die USA Ende Mai aufgenommen.
Quelle
27.11.2025 - 14:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Lenard Baum
Blick nach Skandinavien – Trainerin Mari Savolainen über Finnland, Hope Powell als Mentorin und Britta Carlson
![[Bild: t_5819_442_2012_1.jpg]](https://www.soccerdonna.de/static/bilder_sd/spielerfotos/t_5819_442_2012_1.jpg)
©privat
Seit über 15 Jahren prägt Mari Savolainen den skandinavischen Frauenfußball – als Jugendtrainerin, Scout, Akademieleiterin und Assistenzcoach. Sie arbeitete für das finnische Nationalteam und den FC Nordsjælland in Dänemark. Als Teilnehmerin des UEFA-Mentoring-Programms wurde sie von Englands Trainer-Ikone Hope Powell gefördert, während sie sich mit Britta Carlson, der heutigen Coachin des 1. FC Köln, austauschte. Im Gespräch mit Soccerdonna spricht Savolainen über grenzübergreifendes Lernen, strukturelle Hürden in Finnland und den Traum von der Champions League.
Soccerdonna: Mari, du hast am Mentorenprogramm der UEFA für Trainerinnen teilgenommen. Was genau beinhaltet das?
Mari Savolainen: Es wurde entwickelt, um Trainerinnen bei ihrer Entwicklung zu unterstützen. Jeder Fußballverband in Europa kann eine Trainerin nominieren, doch nur zehn Mentees werden ausgewählt. Das Programm dauert 18 Monate, daher ist ein hohes Maß an Kommittent erforderlich. Man kann auch angeben, welches Profil die Mentorin haben soll. Ich habe um jemanden gebeten, der auf höchstem Niveau gecoacht hat und hatte das Glück, Hope Powell zu bekommen.
Soccerdonna: Das ist ein legendärer Name. Wie hat diese Verbindung deine Arbeit als Trainerin geprägt?
Mari Savolainen: Hope war großartig. Sie hat mich während der gesamten 18 Monate unterstützt und ist sogar zweimal nach Finnland gekommen. Sie hat meine Trainingseinheiten besucht, selbst eine geleitet, meine Vorgesetzten getroffen und mein Team beim Spielen beobachtet. Es hat mir sehr viel bedeutet, dass jemand mit ihrer Erfahrung so viel Zeit investiert hat. Wir stehen auch heute noch in Kontakt.
Soccerdonna: Gab es eine bestimmte Lektion von ihr, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Mari Savolainen: Als sie nach Finnland kam und eine meiner Trainingseinheiten leitete, wurde mir bewusst, wie wirkungsvoll ihre Kommunikation war. Sie versuchte nicht, mich zu verändern, sondern half mir, mich selbst als Trainerin besser zu verstehen. Zu sehen, wie sie mit Spielerinnen arbeitete, die sie noch nie zuvor getroffen hatte, war eine Lehrstunde in Sachen Führungsqualitäten.
Soccerdonna: Du hast auch Britta Carlson getroffen, die Teil derselben UEFA-Gruppe war, nicht?
Mari Savolainen: Ja, wir haben uns während der Workshops in Nyon kennengelernt. Britta und ich haben uns intensiv darüber unterhalten, welche Art von Coaches wir sein wollen und für welche Werte wir stehen. Obwohl sie damals für die deutsche Nationalmannschaft arbeitete und ich bei einem Verein, hatten wir ähnliche Ansichten über Entwicklung und Führung.
Soccerdonna: Du hast auch Gespräche mit Britta geführt, sie mal beim 1. FC Köln zu besuchen. Was erhoffst du dir von diesem grenzüberschreitenden Austausch?
Mari Savolainen: Lernen. Wenn ich andere Trainerinnen bei ihrer Arbeit beobachte, kann ich meine eigene Philosophie reflektieren. Da Finnland fussballtechnisch ein kleines Land ist, bin ich immer daran interessiert, verschiedene Perspektiven kennenzulernen und zu verstehen, wie andere an Taktik, Führung und Spielerentwicklung herangehen.
Soccerdonna: Apropos, wie würdest du deine eigene Trainingsphilosophie beschreiben?
Mari Savolainen: Für mich stehen Kommunikation und die Schaffung einer sicheren Umgebung im Mittelpunkt. Spielerinnen bringen ihre beste Leistung, wenn sie glücklich sind und sich wertgeschätzt fühlen. Mein Fokus liegt darauf, sowohl den Spielern als auch den Mitarbeitern dabei zu helfen, in ihren Rollen zu wachsen. Eine gute Umgebung führt zu gutem Fußball.
Soccerdonna: Du siehst dich selbst als zukünftige Cheftrainerin auf höchstem Niveau. Was fehlt dir noch auf diesem Weg?
Mari Savolainen: Es geht vor allem um Beziehungen. Die Leute sind oft positiv überrascht von meinem Lebenslauf, aber im Frauenfußball fehlen noch immer die Netzwerke, die nötig sind, um talentierte Trainerinnen mit Möglichkeiten im Ausland zusammenzubringen. Die Strukturen entwickeln sich, aber wir sind noch nicht ganz am Ziel.
Soccerdonna: Glaubst du, dass diese strukturelle Lücke in Finnland ebenso sichtbar ist?
Mari Savolainen: Ja, unsere Nationalmannschaft ist recht erfolgreich, ebenso wie die Jugendmannschaften, aber die heimische Liga entwickelt sich nicht so schnell wie andere. Wir erreichen mit unseren Vereinen nicht mehr die späteren Runden der Champions League und mit unserer Nationalmannschaft nicht mehr die späteren Runden der Europameisterschaft. Der Frauenfußball erlebt in ganz Europa einen enormen Aufschwung und Finnland muss aufholen, wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen.
Soccerdonna: Die UEFA hat für diese Saison einen UEFA Women’s Europa Cup eingeführt. Ist das ein Schritt in die richtige Richtung?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Es bietet kleineren Vereinen die Chance, international anzutreten und Geld zu verdienen. Da die Champions League von England, Frankreich, Spanien und Deutschland dominiert wird, ist ein weiterer europäischer Wettbewerb für kleinere Fußballnationen wirklich wertvoll.
Soccerdonna: Zumindest wechseln inzwischen mehr finnische Spielerinnen ins Ausland, oder?
Mari Savolainen: Das stimmt. Wir haben Spielerinnen in England, Deutschland, Schweden, Italien und den USA. Davon profitiert die A-Nationalmannschaft, aber die Frage ist, was in zehn Jahren passiert, wenn sich unsere Liga strukturell nicht weiterentwickelt.
Soccerdonna: Aus skandinavischer Sicht: Was zeichnet den Fußball in diesen Ländern aus?
Mari Savolainen: Unser kollektives Verständnis des Spiels ist unsere Stärke. Vielleicht haben wir nicht so viele Weltklasse-Einzelspieler, dafür sind wir aber hervorragende Teamplayer. Die taktische Disziplin in Skandinavien ist Weltklasse. Nehmen wir das Spiel zwischen BK Häcken und Hammarby IF DFF, den Nummern eins und zwei in der Damallsvenskan. Die defensive Organisation war unglaublich: Innerhalb von Sekunden standen sieben Spieler im Strafraum. Das ist ein Markenzeichen Skandinaviens.
Soccerdonna: Wie würdest du das derzeitige öffentliche Interesse am Frauenfußball in Finnland beschreiben?
Mari Savolainen: Es wächst. Die Spiele unserer Nationalmannschaft sind oft ausverkauft, besonders, wenn Stars wie Emma Koivisto oder Natalia Kuikka auf dem Platz stehen. Die Leute wollen sie live sehen. Doch diese Begeisterung spiegelt sich noch nicht in den Zuschauerzahlen unserer heimischen Liga wider. Daran müssen wir arbeiten.
Soccerdonna: Du hast auch als TV-Experte bei der Europameisterschaft und der vergangenen Weltmeisterschaft gearbeitet. Verändert die Analyse von Spielen deinen Blick als Trainerin?
Mari Savolainen: Auf jeden Fall. Man erkennt Muster im Verhalten von Nationen und Coaches, ihre Stärken und Schwächen. Dadurch habe ich auch einen breiteren Blick auf Führung gewonnen – es geht nicht nur um Taktik. Ein Beispiel ist Sarina Wiegman, die zeigt, dass Kommunikation und Vertrauen genauso entscheidend sein können wie Aufstellung und Strategie.
Soccerdonna: Du sprichst dabei oft über Repräsentation. Fühlst du eine besondere Verantwortung, wenn du im finnischen Fernsehen auftrittst?
Mari Savolainen: Ja, ich mache das nicht, um berühmt zu werden, sondern damit die Menschen sehen, dass Frauen über Fußball sprechen können. Ich möchte, dass junge Mädchen, die zuschauen, denken: „Das könnte mein Beruf sein.“ Als ich ein Kind war, hat es mein Leben verändert, zu sehen, wie 90.000 Menschen den Weltmeistertitel der USA bejubelten. Dieses Gefühl möchte ich jetzt anderen vermitteln.
Soccerdonna: Und schließlich, wenn wir uns in fünf Jahren wiedersehen, wo werden wir dich antreffen?
Mari Savolainen: Hoffentlich an der Seitenlinie eines Champions-League-Clubs in einer der europäischen Top-Ligen. Das ist mein Ziel und ich glaube fest daran, dass ich es erreichen kann.
Quelle
|