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Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - Druckversion

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RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 23.12.2025

21.12.2025 - 11:00 Uhr | News | Quelle: FIFA | von: lb
Türchen Nummer 21: Hope Solo – Die Unbequeme
[Bild: s_1822_5026_2012_1.jpg]
©reignfc.com
Eine Torhüterin, an der sich ganze Generationen von Stürmerinnen die Zähne ausbissen. Hope Solos  Kompromisslosigkeit machte sie zur Besten ihrer Zeit und zu einer der umstrittensten Figuren des Frauenfußballs.

Wer nach den größten Paraden von Hope Solo sucht, stößt auf ein verpixeltes Video. 34 Sekunden lang. Olympisches Finale 2008 in Peking.

In der 72. Minute bricht Marta über die linke Seite durch. Eine Körpertäuschung, zwei Verteidigerinnen bleiben stehen. Sie zieht vors Tor ab mit links, hoch ins kurze Eck. Eigentlich ein Tor. Doch Hope Solo reißt den Arm hoch. Reflex, Instinkt, Weltklasse.


Nach dem Schlusspfiff steht Marta vor den Kameras. „Wieder haben wir es aus der Hand gegeben“, sagt sie. „Es ist schwer zu sagen, warum das immer wieder passiert.“ Carli Lloyds Treffer in der Nachspielzeit bringt den USA olympisches Gold, aber ohne die Paraden von Hope Solo hätte dieses Finale einen anderen Ausgang genommen.

Während Marta erklärt, läuft Hope Solo mit dem Handy am Ohr und einem breiten Grinsen über den Rasen. Es ist ihr erstes von zwei olympischen Goldmedaillen. Bei der Siegerehrung schließt sie die Augen, klammert sich an das Edelmetall. Die Fans skandieren: „We want Hope.“

Sie sollten sie oft bekommen. Nicht nur als überragende Torhüterin, sondern auch als eine der widerstandsfähigsten Figuren, die der Frauenfußball je hervorgebracht hat.

Aus dem Schatten

Hope Solo wächst in Richland, Washington, auf. Die Familie ist früh zerrüttet. Die Eltern trennen sich. Hope lebt überwiegend bei ihrer Mutter. Ihr Vater Jeffrey Solo, Vietnamveteran mit Vorstrafen, ist eine unbeständige Figur in ihrem Leben, präsent, dann wieder verschwunden. Er ist es jedoch auch, der ihr im Alter von fünf Jahren erstmals einen Fußball schenkt.

Sportlich findet sie früh Halt. An der Richland High School spielt sie zunächst im Feld, erzielt über 100 Tore und gewinnt mehrere Meisterschaften. Erst der Wechsel ins Tor verändert ihre Laufbahn entscheidend. An der University of Washington entwickelt sie sich zur Torhüterin von nationalem Format: Rekorde, Auszeichnungen, Zu-Null-Spiele. Als mehrfach ausgezeichnete All-American und Pac-10-Spielerin gilt sie als die beste Torhüterin in der Geschichte der Pac-10.

In dieser Zeit taucht auch ihr Vater wieder auf. Jeffrey Solo steht vier Stunden vor Anpfiff am Stadion und sitzt später wieder in seinem Zelt. Hope bringt ihm Makkaroni mit Käse, setzt sich zu ihm und hört ihm zu. Zwei Welten, die sich am Spielfeldrand berühren. Später wird sie sagen: „Der Einzige, der mich wirklich kannte, war mein Vater.“

Ins Licht

Über Stationen bei Philadelphia Charge, Göteborg FC und Olympique Lyonnais (heute OL Lyonnes) sowie später in den USA – vor allem bei Seattle Reign FC – wächst Hope Solo zur prägenden Torhüterin des US-Fußballs. Bis heute hält sie zentrale Rekorde: 202 Länderspiele, 153 Siege, 102 Zu-Null-Spiele. Letzterer US-Rekord und statistischer Marker einer ganzen Ära. Solo wird zur Referenz für eine neue Generation von Torhüterinnen.

Zwischen 2008 und 2016 ist sie weit mehr als die letzte Instanz. Sie spielt hoch hinter der Kette, antizipiert Tiefe, eröffnet Angriffe mit schnellen Abwürfen. Bei den Olympiasiegen 2008 und 2012 entscheidet sie Spiele mit Momenten jenseits jedes Matchplans, sei es in Peking gegen Brasilien, in London im Finale gegen Japan. Reflexe, die eher an eine Handballtorhüterin erinnern als an die klassische Linienkeeperin.

2015 kulminiert ihre Dominanz: Solo steht im Tor, als die USA in Kanada Weltmeister werden und das Finale gegen Japan zur meistgesehenen Fußballübertragung der US-Geschichte avanciert. Ihre Aufnahme in die «National Soccer Hall of Fame» 2022 wirkt weniger wie eine Ehrung als wie eine späte Formalität. Selbst nach dem Bruch mit dem Verband bleibt ihre Bilanz so stark, dass Ignorieren keine Option ist. Die US-Dominanz der 2010er lässt sich ohne Solo kaum erklären.

Im Zwiespalt

Doch Hope Solo passte dazu nie in das Bild der stillen Stars. Als sie nach dem WM-Halbfinale-Aus 2007 gegen Brasilien Trainer Greg Ryan offen kritisierte, wurde sie isoliert, aus dem Kader gestrichen, zum Störfaktor erklärt. Sportlich kehrte sie zurück, stärker als zuvor. Eine Distanz zum Verband blieb.

Auch später verweigerte sie sich der Rolle der ruhigen Führungsspielerin. Sie widersprach Kommentatorinnen, stellte Entscheidungen infrage, sprach aus, was sie als Ungerechtigkeit empfand. In einer Mannschaft, die auf Harmonie und Kontrolle setzte, wirkte ihre Direktheit wie ein Fremdkörper.

Es folgte der endgültige Bruch mit dem Verband im Jahr 2016: Nach dem Olympia-Aus gegen Schweden beschimpfte sie die Gegner als „Feiglinge“. Worte, die das Ende ihrer erfolgreichen Nationalmannschaftskarriere einläuteten. Zurück blieb die Debatte: Wo endet Führungsstärke, wo beginnt Untragbarkeit? Hope Solo wurde zur Grenzfigur. Nicht trotz, sondern wegen ihrer Kompromisslosigkeit.

Unscharfe Grenzen

Abseits des Platzes geriet diese Kompromisslosigkeit immer wieder außer Kontrolle. Medizinische Grauzonen, juristische Auseinandersetzungen und Alkohol: Es handelt sich um Brüche, die sich durch ihre Karriere ziehen. Jeder Vorfall verschob den Fokus ein Stück weiter weg vom Sport. Die Rekordhalterin blieb bestehen, wurde jedoch von Fragen nach Verantwortung, Vorbildfunktion und Selbstzerstörung überlagert.

Hope Solo selbst hat diese Ambivalenz nie aufgelöst. Auch nicht nach ihrem letzten Auftritt im Rampenlicht. Es sind die Schattenseiten abseits des Feldes, die zum Bild von Hope Solo dazugehören.

Schwer zu greifen

Und doch wird sie bis heute gefeiert. Für ihre Paraden gegen Brasilien, den Algarve Cup, den Weltmeistertitel und das olympische Gold. Zu dieser Geschichte gehören ebenso Skandale und Auseinandersetzungen wie sportliche Größe. Nach neun Jahren Pause stand Hope Solo im Juni dieses Jahres noch einmal zwischen den Pfosten, bei einem Seven-a-Side-Turnier ehemaliger Profis in North Carolina. Bis ins Achtelfinale hielt sie ihren Kasten weitgehend sauber und erinnerte daran, warum sie einst als Maßstab ihres Fachs galt.

Hope Solo zwang den Frauenfußball dazu, sich nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich zu öffnen. Sie ist eine Figur der Extreme: gefeiert für ihre Paraden und Titel, kritisiert für ihre Eskalationen und Grenzüberschreitungen. Sie war eine Weltklasse-Torhüterin, unbequem und widersprüchlich und genau deshalb bis heute so schwer einzuordnen.

Quelle 


RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 23.12.2025

22.12.2025 - 12:50 Uhr | News | Quelle: sd | von: Jan Klein Reesink
Türchen Nummer 21: Lucy Bronze – Spielen, wenn Aufgeben keine Option ist
[Bild: s_4356_990_2012_1.jpg]
©IMAGO
Viertelfinale der Europameisterschaft 2025. England steht mit dem Rücken zur Wand. Sie liegen mit 0:2 gegen die Schwedinnen zurück und die Beine sind schwer, der Druck ist riesig. Doch die Lionesses kommen zurück, erzwingen die Verlängerung. Und mittendrin: Lucy Bronze . Kurz vor Schluss geht sie zu Boden. Sie hat Schmerzen im Oberschenkel. Der Moment, in dem viele liegen bleiben würden und sich auf den Rasen setzen, sodass die Ärzt:innen herbeieilen müssen. Bronze macht das Gegenteil. Sie kümmert sich selbst. Bronze möchte keine Zeit verlieren und setzte vielleicht auch ein Zeichen an ihre Mitspielerinnen: Wir gewinnen heute, ganz egal, wie groß unsere Schmerzen sind. Am Ende entscheidet das Elfmeterschießen und diese bringt natürlich Englands Führungsspielerin Lucy Bronze. Sie schnappt sich den Ball und verwandelt trocken den entscheidenden Elfmeter. Danach keine großen Gesten von ihr, einfach nur ein Blick, der aussagt: „Job erledigt“.


Langer Weg nach oben

Lucy Bronze wuchs im englischen Berwick-upon-Tweed auf, geboren am 28. Oktober 1991. Kein glamouröser Start, kein vorgezeichneter Weg. Ihre Karriere begann beim AFC Sunderland, wo sie früh lernte, dass Erfolg selten ohne Rückschläge kommt. 2009 standen sie im FA-Cup-Finale, verloren knapp, gewannen aber die Liga und stiegen auf. Es war der erste Beweis dafür, dass Niederlagen nicht das Ende sind, sondern ein Anfang.

Es folgt der Sprung über den Atlantik. An der University of North Carolina bei den North Carolina Tar Heels erlebte sie 2009 dann den College-Fußball. Weit weg von ihrer Heimat entdeckte sie eine neue Welt und auch neue Ansprüche an sie entstanden. Bronze entwickelte sich weiter, wurde robuster, klarer, selbstbewusster. Zurück in England spielte sie zwischen 2010 und 2012 für den FC Everton. In der damaligen FA Women’s Premier League wurde sie direkt in ihrer ersten Saison Vizemeisterin mit den „Toffees“. Damit qualifizierten sie sich für die Qualifikationsrunde zur UEFA Women’s Champions League 2010/11. Das Aus kam dann im Viertelfinale durch zwei Niederlagen gegen den damaligen deutschen Vizemeister FCR 2001 Duisburg (heute: MSV Duisburg). In der Premierensaison der FA Women’s Super League 2011 und 2012 belegte Everton jeweils den dritten Platz und verpasste somit die Qualifikation für die Champions League. Danach ging es 2012 direkt weiter zum Lokalrivalen FC Liverpool. Dort feierte sie ihre ersten großen Erfolge. Sowohl in der Saison 2012/2013 als auch in der Folgesaison gewann Bronze die englische Meisterschaft mit den „Reds“.

2015 wechselte sie zu Manchester City, dem nächsten ambitionierten englischen Verein. Schnell fuhr sie die nächsten Titel ein und gewann in ihrer ersten Saison erneut die englische Meisterschaft. Im Folgejahr folgte der FA-WSL-Cup und auch der FA-Women’s-Cup. Auch in der Champions League kam sie ihrem Traum vom Sieg ein Stückchen näher. Im Halbfinale der UEFA Women’s Champions League 2016/17 endete die Reise erst im Halbfinale gegen Lyon.

Ein Jahr später trägt sie dann selbst das Trikot von Olympique Lyonnais (mittlerweile: OL Lyonnes). Dort, wo das Gewinnen zum Alltag gehört. Bronze fügt sich nicht nur ein in die Mannschaft, sie wurde ein wichtiges Puzzlestück für den Erfolg. Bronze spielte jedes Spiel, jede Minute, traf in großen Momenten. Gegen ihren Ex-Verein Manchester City schoss sie Lyon ins Champions-League-Finale. Kein großes Feiern. Nur diese stille Gewissheit, jetzt kommen die großen Erfolge.

Titel reihten sich an Titel. Und trotzdem zog sie weiter. Zurück nach Manchester. Weiter nach Barcelona. Neue Länder, neue Sprachen, gleiche Haltung. Selbst Verletzungen halten sie nicht auf. Wenn es entscheidend wurde, stand Lucy Bronze auf dem Platz. Am Ende standen acht Titel: Drei französische Meisterschaften und Champions League-Titel mit Lyon (2018-2020), dazu noch zwei Coupe-de-France-féminine-Siege (2019, 2020). In Spanien beim FC Barcelona räumte Bronze weitere sieben Titel ab. Im Jahr 2023 und 2024 gewann sie ihre insgesamt vierte und fünfte Königsklassen-Trophäe. Dazu noch spanische Supercupsiegerin 2022/23, 2023/24, Spanische Meisterin 2022/23, 2023/24 und Copa de la Reina-Siegerin 2023/24.

Heute spielt die 34-jährige Rechtsverteidigerin beim Chelsea FC und feierte auch dort bereits eine englische Meisterschaft.

Lionesses im Fußball-Olymp dank Bronze

Im englischen Trikot ist sie seit Jahren mehr als nur Stammspielerin. Am 26. Juni 2013 debütierte Bronze gegen Japan in der englischen A-Nationalmannschaft. Bei der WM 2015 schoss sie England erstmals zu einem Sieg in der K.-o.-Phase. Im Achtelfinale gegen Norwegen erzielte sie dann den 2:1-Siegtreffer. Bei der WM 2019 spielte sie jede Minute, wird zur zweitbesten Spielerin des Turniers gewählt. 2022 gewann sie dann auch mit der Nationalmannschaft ihren ersten großen Titel: Bei der Heim-EM in England schlugen sie im Finale die deutsche Nationalmannschaft mit 1:0 in Wembley vor 87.192 Zuschauer: innen. Das war der erste EM-Titel für die englische Nationalmannschaft. Bei der folgenden Weltmeisterschaft 2023 drang Bronze mit ihrem Team wieder ins Finale vor, dieses Mal reichte es nicht ganz zum Titel gegen die Spanierinnen. In diesem Jahr gelang aber die Revanche und die Engländerinnen verteidigten ihren EM-Titel in der Schweiz gegen Spanien mit 3:1 nach Elfmeterschießen.

Die Mannschaftsspielerin mit vielen individuellen Erfolgen

Lucy Bronze wurde zur FIFA-Weltfußballerin des Jahres 2020 sowie zur Europas Fußballerin des Jahres 2019 gewählt und gewann den „Silberner Ball“ als zweitbeste Spielerin der WM 2019. Dazu wurde sie auch viermal in die FIFA FIFPro World XI gewählt: 2022, 2023, 2024 und 2025.

Die leise Anführerin

Lucy Bronze ist keine Frau der großen Worte. Sie schreit nicht, sie inszeniert sich nicht. Im EM-Finale 2025 trug Bronze keine Kapitänsbinde und doch orientierte sich alles an ihr. Jeder Laufweg, jeder Zweikampf, jede Entscheidung. Führung ohne Show. Später wurde bekannt: Sie spielte das gesamte Turnier mit einem gebrochenen Schienbein. Medien nannten es „unmenschlich“.

Vielleicht ist es einfach Lucy Bronze. Eine Spielerin, die gelernt hat, Schmerz einzuordnen und ihre Verantwortung für ihre Mannschaft höher zu bewerten.

Und manchmal heißt das eben: Elfmeterschießen. Letzter Schluss, trotz Schmerz und dem Verletzungsrisiko.

Weil Aufhören keine Option ist.

Quelle 


RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 24.12.2025

23.12.2025 - 12:25 Uhr | News | Quelle: sd | von: Neele Rosen
Türchen Nummer 23: Formiga – die unermüdliche Legende des brasilianischen Frauenfußballs
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©IMAGO
Sie läuft weiter, wenn andere längst erschöpft sind. Sie kämpft für jede Chance, für jeden Ball, für ihr Team: Formiga ist die unermüdliche Ameise des Frauenfußballs, deren Karriere Generationen inspiriert hat. Formiga ist das Symbol für Ausdauer, Leidenschaft und Professionalität im Frauenfußball und eine Inspiration für unzählige Spielerinnen weltweit. Schon früh zeigte sie außergewöhnliches Talent und Engagement.

Von Brasilien nach Europa

Miraildes Maciel Mota, besser bekannt als Formiga, zählt zu den größten Persönlichkeiten des internationalen Frauenfußballs. Geboren am 3. März 1978 in Salvador, Brasilien, ist sie eine Spielerin, deren Karriere Maßstäbe setzt: unermüdlich, konstant und über Jahrzehnte auf höchstem Niveau. Ihr Spitzname „Formiga“ (portugiesisch für „Ameise“) spiegelt ihre Arbeitsbereitschaft, Ausdauer und Teamorientierung wider. Bereits in jungen Jahren debütierte sie für die brasilianische Nationalmannschaft und entwickelte sich schnell zu einer Schlüsselspielerin im Mittelfeld, die sowohl defensiv stabil als auch offensiv kreativ agierte.


Während ihrer Karriere spielte sie für zahlreiche Clubs in Brasilien, Frankreich, den USA und Schweden und sammelte so wertvolle internationale Erfahrung auf höchstem Niveau. In Brasilien begann sie ihre Vereinskarriere bei Saad Esporte Clube, wo sie erste Erfahrungen auf professionellem Niveau sammelte. Später spielte sie unter anderem für Santos FC und São Paulo FC, zwei der größten brasilianischen Vereine, und etablierte sich als Schlüsselspielerin im Mittelfeld. Im Jahr 2004 wechselte die Brasilianerin ins kalte Schweden zu Djurgårdens IF, wo sie sich an das schnelle, technisch anspruchsvolle skandinavische Spiel anpassen musste. Trotz der häufigen Vereinswechsel blieb Formiga stets eine konstante Größe: Sie brachte überall ihre Erfahrung, Führungsqualitäten und Disziplin ein, war Vorbild für jüngere Spielerinnen und half ihren Teams, sportlich und organisatorisch zu wachsen. Ihre Fähigkeit, sich schnell an neue Ligen, Kulturen und Spielstile anzupassen, machte sie zu einer der vielseitigsten Spielerinnen des internationalen Frauenfußballs. In den USA war sie unter anderem bei den New Jersey Wildcats und den Boston Breakers aktiv. Dort hat sie sich im damals noch jungen US-amerikanischen Profifußball behauptet und von der harten physischen Spielweise profitiert.

Mit 39 Jahren wagte sie ein neues Abenteuer bei Paris Saint-Germain. Dort hat sie ihre taktische Vielseitigkeit und Spielintelligenz weiterentwickelt. Die Brasilianerin hat maßgeblich dazu beigetragen, dass sich PSG als ernstzunehmender Gegner in der Division 1 Féminine etabliert. Mit dem französischen Hauptstadtklub hat sie im Jahr 2016/17 das Finale der Champions League erreicht. Im Elfmeterschießen mussten sie sich dann gegen Olympique Lyonnais (heute: OL Lyonnes) geschlagen geben. Nachdem sie 2021 den französischen Meistertitel gewann, verließ sie Paris Saint-Germain, kehrte zu ihrem Heimatklub São Paulo FC zurück und beendete schlussendlich dort ihre Karriere.

Formiga ist bekannt für ihre Ausdauer, ihr strategisches Verständnis des Spiels und ihre Fähigkeit, sowohl defensiv als auch offensiv entscheidende Akzente zu setzen. Sie war stets das Herzstück ihres Teams, eine Spielerin, die das Spiel lesen und lenken konnte. Ihr Einsatz und ihre Führungsstärke machten sie zu einem Vorbild für jüngere Generationen von Fußballerinnen.

Glanz auf internationalem Parkett

Mit der brasilianischen Nationalmannschaft ist Formiga eine wahre lebende Legende. Ihre Karriere bei den „Seleção“ erstreckte sich über mehr als zwei Jahrzehnte, in denen sie das brasilianische Spiel wie keine andere Spielerin prägte. Sie nahm an sieben Olympischen Spielen teil – von Atlanta 1996 bis Rio 2016 – und gewann dabei zweimal Silber (2004 in Athen, 2008 in Peking). Bei diesen Turnieren beeindruckte sie durch ihre Konstanz, Führungsstärke und ihre Fähigkeit, auch in den entscheidenden Momenten Ruhe zu bewahren. Darüber hinaus ist die heute 47-Jährige die einzige Spielerin, die an sieben Weltmeisterschaften (1995–2015) teilnahm. Keine andere Spielerin oder Spieler konnte diese Bestmarke bislang übertreffen. Formiga wurde zum Herzstück des brasilianischen Mittelfelds. Sie war maßgeblich daran beteiligt, dass Brasilien mehrfach das WM-Halbfinale erreichte und 2007 in China sogar das Finale spielte. Mit mehr als 250 Länderspielen gehört die Ameise zu den Rekord-Nationalspielerinnen der Fußballgeschichte. Am 25. November 2021 wurde sie im Spiel gegen Indien verabschiedet, nach 26 Jahren im brasilianischen Trikot. Ein Rekord, der ihre unglaubliche Fitness, Disziplin und ihr Durchhaltevermögen über Jahrzehnte hinweg unterstreicht.

Die Brasilianerin steht nicht nur für ihren sportlichen Erfolg, sondern auch für ihren Pioniergeist. In einer Zeit, in der Frauenfußball in Brasilien und weltweit noch lange nicht die Anerkennung erhielt, die er verdient, setzte sie Maßstäbe. Sie inspirierte junge Spielerinnen und trug zur Professionalisierung des Sports bei. Über Jahrzehnte hinweg hat sie bewiesen, dass Beständigkeit, Leidenschaft und harte Arbeit über Jahrzehnte hinweg belohnt werden.

Pia Sundhage, ehemalige Trainerin der brasilianischen Nationalmannschaft fasst das Erbe von Formiga passend zusammen: „Ich bin sehr sehr stolz auf Formiga. Sie weiß nicht, wie viel sie mir und dem Frauenfußball bedeutet.“ (I´m really, really proud of Formiga. She doesn´t know how much she means to me and to women´s football.)

Formiga ist weit mehr als nur eine herausragende Fußballerin. Sie ist eine Legende, ein Symbol für Durchhaltevermögen und ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Frauenfußball über Generationen hinweg geprägt und inspiriert werden kann. 

Quelle 


RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 24.12.2025

24.12.2025 - 12:30 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch
Türchen Nummer 24: Mia Hamm – Das Fundament einer neuen Ära
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©IMAGO
Es gibt Karrieren, die Titel sammeln. Und es gibt Karrieren, die etwas verändern. Mia Hamm  gehört zur zweiten Kategorie. Sie war nicht nur eine der besten Fußballerinnen ihrer Zeit, sondern die erste, die dem Frauenfußball in den USA eine neue Dimension eröffnete: sichtbar, ernst genommen, gesellschaftlich relevant. Ohne große Gesten, ohne politische Parolen. Ihre Wirkung entstand aus Konstanz, Exzellenz und der Selbstverständlichkeit, mit der sie Großes tat.

Ein Moment, der größer wurde als das Spiel


Pasadena, Kalifornien, Juli 1999. Über 90.000 Menschen füllen das Rose Bowl Stadium, Millionen verfolgen das WM-Finale vor den Bildschirmen. Die USA gegen China, Elfmeterschießen. Als Brandi Chastain  später ihr Trikot auszieht, wird dieses Bild zur Ikone. Die, die sich im amerikanischen Frauenfußball oder den WM-Geschichten gut auskennen, sehen auch dieses Bild direkt vor Augen. Doch der Weg zu diesem Moment führt über eine Spielerin, die nie das Rampenlicht suchte und dennoch darinstand: Mia Hamm. Sie hatte das Spiel geprägt, Räume geöffnet, Verteidigerinnen gebunden. Nicht laut, nicht spektakulär, aber unübersehbar.

Auch beim Elfmeterschießen zeigt sie wieder einmal ihre persönliche Stärke: Führung übernehmen in unfassbarer Ruhe. Ihr Elfmeter-Treffer bringt die zwischenzeitliche Führung: Schneller Anlauf, harter aber präziser Schuss ins untere rechte Eck. Unhaltbar für die chinesische Torhüterin Gao Hong . Der eigentliche Moment folgt nach dem Schuss. Hamm rennt zu ihrem Team, jubelt und feiert mit ihnen gemeinsam über diese Führung. Nicht alleine, sondern gemeinsam. Es zeigt, wie mannschaftsdienlich und wichtig sie für das Team war.

Dieses Finale wurde zum unüberhörbaren Wendepunkt des Frauenfußballs. Und Mia Hamm war sein leiser Mittelpunkt.

Ein Ausnahmetalent ohne Umwege

Mariel Margaret Hamm wurde in Selma, Alabama, 1972 mit einer Fehlstellung, die ihre sportliche Zukunft eigentlich hätte verhindern können, einem Klumpfuß geboren. Es ist eine häufig angeborene Fehlstellung, die bei Hamm operativ berichtigt werden musste. Die schon damals ehrgeizige junge “Mia”, wie sie von allen genannt wird, ließ auch so einen Schicksalsschlag nicht auf sich sitzen und probierte sich trotzdem sportlich aus. Aufgrund des Jobs ihres Vaters, er arbeitete beim Militär, reisten sie als Familie viel – auch nach Europa. In Italien konnte sich Vater Hamm für Fußball begeistern und steckte damit auch seine Tochter an. Von dort aus startete eine Karriere, bei der keiner damals geglaubt hat, dass sie so erfolgreich enden wird.

Mia Hamm debütierte mit 15 Jahren in der US-Nationalmannschaft im Spiel gegen China – nicht als Versprechen, sondern als fertige Spielerin. Die Stürmerin war damit die jüngste Debütantin der US-Geschichte. Früh zeigte sich, was ihre Karriere prägen sollte: Spielintelligenz, Tempo, ein präziser Abschluss und ein tiefes Verständnis für Räume. An der University of North Carolina gewann sie vier National-Collegiate-Athletic-Association-Titel und formte dort ihr Spiel zwischen Individualität und Teamdenken. Schon damals war klar: Hamm spielte nicht, um aufzufallen. Sie spielte, um zu dominieren. In ihrer Zeit beim College stellte sie außerdem einen Rekord auf: Mit den Tar Heels war sie 95 Spiele in Folge ungeschlagen.

In North Carolina spielte die heute 53-Jährige bis zu ihrem Abschluss und kam dann nur für die US-amerikanische Nationalmannschaft zum Einsatz. Bis 2001 gab es in den USA keine Profiliga, wo Hamm sich hätte weiterentwickeln und fit halten könnte. Heutzutage kann man es sich nicht vorstellen, dass man nur in der Nationalmannschaft spielte, ohne auch im Vereinsfußball tätig zu sein. Gerade bei einer Spielerin ihres Formats zeigt das, wie wenig professionelle Strukturen es damals selbst in den USA gab.

Von 2001 bis 2003 spielte sie in der neu gegründeten Women’s United Soccer Association (WUSA) bei den Washington Freedom, in der sie in der letzten Saison gar die Meisterschaft holte. Danach wurde die Liga wieder eingestellt.

Die goldene Generation der USA

Mit der Nationalmannschaft gewann Mia Hamm zwei Weltmeisterschaften (1991, 1999) und zwei olympische Goldmedaillen (1996, 2004). Sie erzielte in 276 Länderspielen 158 Tore – ein Rekord, der über ein Jahrzehnt Bestand hatte. Außerdem hält sie weiterhin die Rekorde mit den meisten Assists (145) und den meisten Hattricks (8). Doch ihre Bedeutung geht über Zahlen hinaus. Die „99ers“ wurden zu einem kulturellen Phänomen, das den Frauenfußball in den USA nachhaltig veränderte. Stadien füllten sich, Mädchen bekamen Vorbilder, der Sport bekam eine Bühne. Mia Hamm war das Gesicht dieser Entwicklung, ohne sie je für sich zu beanspruchen.

2001 und 2002 erhielt sie von der FIFA den Titel zur Weltfußballerin des Jahres. Eine Wertschätzung, die zeigte, was Hamm alles für den Frauenfußball getan hatte.

Spielstil statt Show

Hamm war keine klassische Dribblerin, keine Provokateurin, keine Lautsprecherin. Ihr Spiel lebte von Timing, Übersicht und Effizienz. Sie wusste, wann sie beschleunigen musste und wann ein Laufweg mehr wert war als ein Tor. Als Stürmerin arbeitete sie für das Team, ließ sich fallen, schuf Räume für andere. Führung bedeutete für sie Verantwortung, nicht Inszenierung. Gerade diese Haltung machte sie für Mitspielerinnen so wertvoll und für Gegnerinnen so schwer zu greifen.

Dass sie sich für nichts zu schade ist, zeigte sie bei der WM 1995: Im Gruppenspiel gegen Dänemark erhielt US-Torhüterin Briana Scurry  kurz vor Schluss eine rote Karte, es konnte auch nicht mehr gewechselt werden. Hamm übernahm die Verantwortung, zog sich die Handschuhe von Scury an und hütete das Tor der Amerikanerinnen für die letzten fünf Minuten. Dabei konnte sie sogar zwei Torschüsse abwehren und das 2:0-Endergebnis halten. Die vermeintliche Stürmerin ist bislang die einzige Feldspielerin, die ein Tor bei einer WM hütete.

Symbolfigur ohne Aktivismus

Im Vergleich zu späteren Generationen war Mia Hamm keine politische Stimme. Sie protestierte nicht, sie polarisierte nicht. Und dennoch war sie eine der wirksamsten Figuren des Frauenfußballs. Durch ihre Präsenz in Werbekampagnen, Medien und öffentlichen Debatten wurde sie zur Normalisierung weiblicher sportlicher Exzellenz. Nike stellte einen speziellen Schuh her, den “Air Zoom M9” und benannte auch ein Firmengebäude in ihrer Zentrale nach ihr.

Dieser Boom kam aber vor allem durch den Gewinn der WM 1999 in ihrem Heimatland. Hamm selbst blickt gerne darauf zurück und erzählte beim Treffen der Olympischen Familie im FIFA-House: “Die Menschen wussten, wer wir waren. Sie kannten unsere Vor- und Nachnamen und wollten unbedingt dabei sein und unser Team und den Fußball unterstützen.“

Sie bewies, dass Frauenfußball nicht erklärt werden muss, wenn er auf höchstem Niveau gespielt wird. Hamm ebnete den Weg, auf dem andere später laufen werden konnten.

Hamm ist eben durch diese “Nebenauftritte” die bekannteste Fußballspielerin ihres Landes.

Neben dem Fußballspielen rief die US-Amerikanerin im WM-Jahr 1999 eine Stiftung ins Leben: Die Mia-Hamm-Stiftung ist eine gemeinnützige Organisation, die sich auf Knochenmarkerkrankungen spezialisiert, nach Mitteln forscht und Aufmerksamkeit für dieses Thema schafft. Der Grund für diese Spezialisierung ist der frühe Tod ihres Bruders zwei Jahre zuvor, der aufgrund von Komplikation im Zusammenhang mit einer aplastischen Anämie verstarb. Neben der Knochenmarkerkrankung setzt sich ihre Stiftung auch für mehr Möglichkeiten für Mädchen und Frauen im Sport ein.

Abschied und Vermächtnis

2004 beendete Mia Hamm ihre Karriere nach olympischem Gold in Athen. Sie hinterließ Rekorde, Titel und vor allem Strukturen. Ohne sie gäbe es vieles nicht: die Popularität des US-Frauenfußballs, die wirtschaftliche Grundlage, die globale Wahrnehmung. Spielerinnen wie Abby Wambach , Alex Morgan  oder Megan Rapinoe  stehen auf einem Fundament, das Mia Hamm mit aufgebaut hat.

Mehr als eine Legende

Mia Hamm war nie die Lauteste. Nie die Provokanteste. Aber vielleicht die Entscheidendste. Sie öffnete Räume, in denen andere wachsen konnten. Und zeigte, dass Größe manchmal genau darin liegt: den Weg so zu gehen, dass viele folgen können.

Sie legte den Grundstein für den Frauenfußball, wie wir ihn heute kennen.

Quelle