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RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 11.12.2025 11.12.2025 - 12:50 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch Türchen Nummer 11: Caroline Seger – Die Architektin des schwedischen Spiels ![]() ©IMAGO Als der Schlusspfiff ertönt, steht Caroline Seger einen Moment lang reglos da. Das Stadion in Göteborg erhebt sich, Tausende klatschen im Takt. Seger wischt sich über die Augen, hebt kurz die Hand und lächelt dieses leise Lächeln, das ihre ganze Laufbahn begleitet hat: nicht triumphierend, nicht pathetisch, sondern von einer ruhigen Dankbarkeit getragen. Es ist ihr letztes Spiel im gelben Trikot. Ein Abschied, der sich anfühlt, als würde ein ganzes Kapitel des europäischen Frauenfußballs zu Ende gehen. Vom Mädchen aus Helsingborg zur Führungsspielerin Geboren in Helsingborg, wuchs Seger in einer Region auf, in der Fußball mehr war als nur ein Sport. Schon früh bewegte sie sich wie selbstverständlich auf dem Platz, mit einer Ruhe, die nicht zu ihrem Alter passte. Während viele andere sich noch suchten, wusste Seger, was sie wollte: Spiele gestalten, Spiele lesen, Spiele kontrollieren. Schon früh erkannte man ihr Talent: Sie wurde zur besten schwedischen Nachwuchsspielerin ausgezeichnet. Ihr erster Profiverein, Stattena IF, erkannte schnell, dass hier jemand auf dem Platz stand, der später einmal die Linien des Spiels bestimmen würde. Nicht durch Dribblings oder Spektakel, sondern durch Struktur. Es folgte der Schritt zu Linköpings FC, der ihr endgültig den Weg in die Spitze ebnete. Dort reifte sie zur zentralen Figur, zur Verbindungsstelle zwischen Abwehr und Angriff. 2009 gewann sie mit dem Klub ihre erste schwedische Meisterschaft. Ein Moment, der ihren Status im schwedischen Fußball verankerte: Seger, die Taktgeberin. Seger, die Verlässliche. Der Sprung in die Welt – USA, Paris, Lyon Doch Seger wollte mehr als nur nationale Dominanz. Sie suchte die Herausforderung, die Intensität und die internationalen Reize. Der Wechsel in die USA zu Western New York Flash war mutig: physischer Fußball, hohes Tempo, komplett neue Umgebung. Doch genau dort wuchs sie weiter. In ihrem Jahr bei New York holte sich die zentrale Mittelfeldspielerin den nächsten Titel, den der WSP. Dieser Titel zeigte, dass sie auch außerhalb Europas dominieren konnte. Ihre Zeit bei Paris Saint-Germain verlieh ihrer Karriere noch einmal eine neue Tiefe. Paris brauchte Führung, Stabilität, jemanden, der der Mannschaft Struktur gab, und fand all das in ihr. Danach kam der Wechsel zu Olympique Lyonnais (heute: OL Lyonnes), dem erfolgreichsten Frauenklub der Welt. 2017 gewann sie mit Lyon die Champions League, wurde aber im Finale gegen ihren Ex-Klub PSG nicht eingesetzt. Zuvor trug sie jedoch viel dazu bei, ins Finale zu kommen. Die Champions-League-Saison war ein Höhepunkt ihrer internationalen Laufbahn und ein weiterer Beweis dafür, wie anpassungsfähig und konstant sie auf höchstem Niveau spielte. Nach ihren Jahren im Ausland kehrte sie nach Schweden zurück, zum FC Rosengård. Sie tat das, was sie immer tat: das Spiel ordnen, das Tempo bestimmen und jüngere Spielerinnen führen. Auch dort gewann sie die schwedische Meisterschaft, aber nicht nur einmal: Ganze viermal durfte sie die Trophäe am Ende der Saison hochheben. Seger ist somit die einzige Spielerin, die bei vier verschiedenen schwedischen Teams die Meisterschaft holte. Am 09. November 2024 verabschiedete sie sich endgültig von der Fußballkarriere. Beim 3:0 gegen Djurgårdens IF DFF spielte sie gemeinsam mit der deutschen Nationalspielerin Rebecca Knaak 90 Minuten durch und wurde anschließend gebührend gefeiert. Die Konstante im Nationalteam Mit 20 Jahren debütierte sie im Nationalteam und blieb fast zwei Jahrzehnte lang eine unverzichtbare Figur. 240 Länderspiele, mehrere Welt- und Europameisterschaften, olympische Medaillen. Kaum eine Spielerin prägte die schwedische Nationalmannschaft stärker und länger. Seger war keine Kapitänin, die vorneweg schrie. Sie war eine, die man ansah, um Ruhe zu finden. Eine, die Räume öffnete, bevor andere sie überhaupt sahen. Ihre Stärke war nicht der große Auftritt, sondern das Gleichgewicht. Und kein Team braucht etwas so sehr wie das. In ihren 18 Jahren im gelben Trikot wurde sie dreimal WM-Dritte, gewann zweimal die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen und wurde in die beste Mannschaft der WM 2011 berufen. Mit ihren 240 Spielen ist sie nun die zweitbeste europäische Rekordnationalspielerin, nach Sherida Spitse (248 Spiele), die nun vor Kurzem ebenfalls ihre internationale Karriere beendete. Vermächtnis einer stillen Ikone Segers Einfluss lässt sich nicht allein in Zahlen festhalten. Sie war eine der ersten schwedischen Spielerinnen, die offen über Professionalität, mentale Belastung und Gleichberechtigung im Sport sprach. Durch ihre Beständigkeit zeigte sie, wie wichtig langfristige Struktur im Frauenfußball ist. Sie prägte eine Generation, die nach ihr kam: nicht durch große Reden, sondern durch tägliche Arbeit. 2022 eröffnete sie gemeinsam mit dem FC Rosengård einen „Fonds“, der sich um Kinder kümmerte, die kein Geld hatten, um Fußball zu spielen. Laut einer Sifo-Umfrage des FCR können rund 100 000 schwedische Kinder Vereinssport nicht ausüben, da sie finanziell nicht in der Lage sind. Mit dieser Stiftung schenken Seger und der FCR den Kindern die Möglichkeit, ihrer Leidenschaft nachzugehen. Auch Seger berührte diese Entscheidung: „Ich bin stolz darauf, dass der FC Rosengård in meinem Namen einen Fonds eingerichtet hat, der es mehr Kindern in unserem Verband ermöglichen kann, Fußball zu spielen und an ihre Träume zu glauben.“ Ihre Karriere ist ein Symbol dafür, wie weit man kommen kann, wenn man Geduld mitbringt und sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Nicht jede Legende ist laut. Manche schreiben Geschichte im Flüsterton. Ein Abschied mit leiser Größe Als Caroline Seger ihr letztes Nationalspiel verlässt, legt sie erneut die Hand aufs Herz. Die Fans danken ihr, die Mitspielerinnen umarmen sie, Trainerinnen verneigen sich fast. Und Seger? Sie wirkt, als würde sie all das nicht für selbstverständlich halten. Interessant ist auch, was „Seger“ im Schwedischen heißt: nämlich „Sieger“. Die heute 40-Jährige mochte es nie, sich wirklich feiern zu lassen als Siegerin, aber sie war eine, die den Frauenfußball in Schweden nachhaltig stark geprägt hat. Ihre Karriere endet nicht mit einem großen Knall, sondern mit einem Gefühl von Vollständigkeit. Ein Kapitel schließt sich. Ein Vermächtnis bleibt. Caroline Seger – die Architektin, die ein Spiel ordnete und eine Ära prägte. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 12.12.2025 12.12.2025 - 11:30 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch Türchen Nummer 12: Lotta Schelin – Zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit ![]() ©fcrosengard.se Es ist ein warmer Spätsommertag im August 2018, als Lotta Schelin vor die Presse tritt. Die sonst so lockere, lächelnde Stürmerin wirkt einen Moment lang ungewohnt ernst. Ihre Hände liegen gefaltet auf dem Tisch, die Augen wandern über die Köpfe der Journalist:innen im Raum. Dann sagt sie den Satz, den niemand hören wollte: „Mein Körper lässt es nicht mehr zu.“ Eine Nackenverletzung, die sie seit 2017 begleitet, hat chronische Kopfschmerzen verursacht. Es ist der Moment, in dem eine der größten Stürmerinnen Europas ihre Karriere beendet. Ein leiser Abschied für eine Spielerin, die auf dem Platz oft für das genaue Gegenteil stand: Tempo, Präsenz, Torgefahr. Doch dieser Moment zeigt, was sie immer ausgemacht hat: Ehrlichkeit, Stärke und ein tiefes Bewusstsein für ihren Weg. Die Anfänge eines Naturtalents Lotta Schelin wächst in Trångsund, südlich von Stockholm, auf – ein ruhiger Ort, der den Grundstein für eine Karriere legt, die später in den großen Fußballmetropolen gefeiert wird. Schelin beginnt früh, sich für Sport zu begeistern, probiert viel aus, landet aber immer wieder beim Fußball. Schon im Jugendbereich fällt sie auf: lang, schnell, athletisch, mit einer Dynamik, die selten ist. Bei Mölnlycke IF wird schnell klar, dass sie ein Talent besitzt, das weit über den lokalen Fußball hinausgeht. Mit 17 Jahren debütiert sie in der Damallsvenskan für den Kopparbergs/Göteborg FC. Die Liga ist damals stark, aber strukturell weit entfernt von dem professionellen Umfeld, das Spielerinnen heute vorfinden. Trotzdem setzt Schelin sich durch. Ihr Spiel ist direkt, zielstrebig, fast instinktiv. Sie wirkt nie „gemacht“, sondern natürlich, als hätte sie das Toreschießen einfach im Gefühl. Nach einigen Jahren in Göteborg, in denen sie sich zur gefährlichsten Angreiferin der Liga entwickelt, klopft der internationale Fußball an. Der große Schritt: Olympique Lyon und die Ära der Titel Als Schelin 2008 zu Olympique Lyonnais wechselt, ist der französische Klub gerade dabei, zur globalen Spitzenadresse des Frauenfußballs zu werden. Der Schritt ist groß: neuer Verein, neue Kultur, höherer Leistungsdruck. Doch für Schelin ist es der perfekte Moment. In Lyon wächst sie über sich hinaus und entwickelt sich endgültig zu einer der besten Stürmerinnen Europas. Die Kombination aus Schnelligkeit und ihrem außergewöhnlichen Timing macht sie nahezu unberechenbar. In Frankreich spielt sie nicht nur mit internationalen Topspielerinnen zusammen, sie wird selbst zu einer. Sie gewinnt acht Meistertitel, fünf Pokale und vor allem drei Champions-League-Trophäen. Schelin ist nicht die Spielerin, die jede Szene laut feiert, aber sie ist diejenige, die Lyon immer wieder in entscheidenden Momenten rettet. Und das lässt sich auch in Zahlen bestätigen: In 150 Spielen erzielte die heute 41-Jährige 140 Tore – nahezu ein Tor pro Spiel. Es sind diese Jahre, die ihren Namen weltweit bekannt machen. Und es ist die Zeit, die viele junge Spielerinnen dazu bewegt, ihren Weg ins Ausland zu suchen. Denn Schelin hat gezeigt, dass eine Schwedin nicht nur mithalten, sondern dominieren kann. Eine Konstante im Nationalteam Lotta Schelin trägt das schwedische Trikot dreizehn Jahre lang und wird eine der wichtigsten Figuren der Nationalmannschaft. 185 Länderspiele, 88 Tore – Rekordwerte, die ihre Bedeutung unterstreichen. In einem Team, das oft zwischen Euphorie und Druck schwankt, ist sie ein Ruhepol. Keine, die sich in den Vordergrund drängt, aber eine, die Verantwortung übernimmt, wenn es darauf ankommt. Beim Amtsantritt von Pia Sundhage übernahm sie gemeinsam mit Caroline Seger die Kapitäninrolle. Bei der WM 2011 führt sie Schweden mit ihren Treffern zu Bronze. Es ist ein Turnier, in dem sie endgültig in die Weltklasse aufsteigt. 2016 folgt der nächste große Moment: das olympische Finale von Rio. Schweden verliert zwar gegen Deutschland, doch die Silbermedaille bleibt ein Meilenstein. Auch, weil Schelin trotz körperlicher Probleme bis zum Schluss kämpft. Ihr Spielstil ist simpel zu beschrieben, aber schwer zu verteidigen: Sie besitzt ein außergewöhnliches Gefühl für Räume, einen enorm schnellen ersten Schritt und einen Abschluss, der in seiner Klarheit kaum zu überbieten ist. Schelin braucht oft nur einen Kontakt, um ein Spiel zu verändern. Der Kampf gegen den eigenen Körper Dass die Karriere einer Spielerin wie Schelin aus medizinischen Gründen enden muss, wirkt fast ungerecht. 2017 erleidet sie eine schwere Nackenverletzung, die zunächst harmlos wirkt, sich aber als weitreichender entpuppt. Es folgen Kopfschmerzen, Schwindel, Probleme bei Kopfbewegungen. Für eine Profisportlerin kaum zu überstehen. Sie kämpft, versucht zurückzukommen, bleibt geduldig. Doch irgendwann merkt sie: Ihr Körper entscheidet. Der Rücktritt 2018 ist die logische, aber harte Konsequenz. Auf der Pressekonferenz wirkt sie nicht gebrochen, sondern klar. Sie weiß, dass ihr Vermächtnis bleibt, auch ohne weitere Tore. Und vielleicht hat sie gerade durch diesen verletzungsbedingten Abschied vielen Spielerinnen gezeigt, wie wichtig es ist, auf den eigenen Körper zu hören. Nach der Karriere: Einfluss ohne Trikot Lotta Schelin bleibt auch nach dem Karriereende eine wichtige Figur im Fußball. Sie engagiert sich in Schweden für Nachwuchsarbeit, wird Botschafterin für die UEFA Playmakers-Initiative, die Mädchen spielerisch den Weg in den Fußball ermöglicht. Sie spricht offen über mental health, über Verletzungen und über die Bedeutung fairer Strukturen im Frauensport. Heute sieht sie dem Spiel nicht mehr vom Spielfeld aus zu, sondern mit dem Blick einer Mentorin. Und obwohl sie nicht mehr selbst trifft, trifft sie weiterhin Entscheidungen, die die Zukunft prägen. Eine Stürmerin, die Generationen beeinflusste Was Lotta Schelin so besonders macht, ist nicht nur ihre Statistik. Es ist die Art, wie sie sie erreicht hat: unaufgeregt, fokussiert, menschlich. Sie war nie eine Spielerin der großen Worte, sondern der klaren Momente. Tore, die ein Spiel veränderten. Laufwege, die den Unterschied machten. Präsenz, die Sicherheit gab. Sie hat den Weg für schwedische Spielerinnen geebnet, hat Lyon mitgeprägt und internationale Maßstäbe gesetzt. Und sie hat gezeigt, dass Größe nicht laut sein muss. Manchmal reicht es, einfach konsequent den eigenen Weg zu gehen. Lotta Schelin war eine Stürmerin, die den europäischen Fußball über Jahre definierte. Und sie bleibt eine Legende, deren Karriere vielleicht leiser endete, deren Wirkung aber bis heute weit über die Tore hinaus klingt. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 15.12.2025 13.12.2025 - 12:30 Uhr | News | Quelle: FIFA | von: lb Türchen Nummer 13: Marta – Die Königin des Joga Bonito ![]() ©Orlando Pride Im Finale der Copa América Femenina 2025 hätte ihre Geschichte ein kitschiges Ende finden können. Stattdessen bekam Marta etwas Größeres: einen Moment, der zeigt, warum sie seit zwei Jahrzehnten den Frauenfußball prägt. Als vielleicht beste Spielerin aller Zeiten und als Verkörperung eines ganzen Lebensgefühls. The Last Dance Quito, Finale der Copa América Femenina 2025. Es steht 3:3, das Elfmeterschießen beginnt. Marta, 39 Jahre alt, vor einem Jahr fast zurückgetreten aus der Seleção, steht wieder auf dem Platz im Mittelpunkt. Zwei Tore hatte sie Brasilien in letzter Sekunde geschenkt: den wuchtigen Schlenzer in der 90.+6. Minute und die feine Ballberührung in der Verlängerung. Zwei Momente voller Eleganz, Trotz oder schlicht: Marta. Nun könnte dies ihr Hollywood-Abschied werden: ein letzter Treffer, ein letzter Titel. Sie, die in Brasilien oft „A Rainha“ (die Königin) genannt wird tritt erneut an. Ein letzter Penalty für die „Samba Queens“. Ein Moment für Legenden. Die Kunst, zu spielen wie niemand sonst Um ihn zu verstehen, muss man zurückgehen. Denn Marta Vieira da Silva war nie einfach eine Stürmerin. Sie war der Inbegriff von Joga Bonito im Frauenfußball: Leichtigkeit, Rhythmus, Kreativität und Widerstandskraft. Während Ronaldinho, Kaká oder Ronaldo dieses Ideal vor Millionen zelebrierten, musste Marta denselben Mythos fast im Alleingang gegen ein System verteidigen, dass Frauen jahrzehntelang ignoriert hatte. In der Kleinstadt Dois Riachos, auf roten Staubplätzen, wuchs sie in einer Welt auf, in der Talent allein nicht genügte. Vor allem nicht für Mädchen. Sie trainierte mit Jungen, weil es keine Teams für Mädchen gab, und gab mit 14 Jahren ihr Profidebüt in einer Liga ohne Strukturen, ohne Geld, ohne Beachtung. Dass sie trotzdem durchbrach, war ihr Wille. Dass sie zur besten Spielerin der Welt wurde, ihr Versprechen an die Nächsten. Für Marta war Schönheit nie Zierde. Schönheit war Arbeit. Oder wie Brasiliens Nationaltrainer Arthur Elias es während der Copa América Femenina sagte: „Sie inspiriert uns alle, nicht nur wegen vergangener Leistungen, sondern auch wegen dem, was sie immer noch leistet.“ Aus Vasco in die Welt Bei Vasco da Gama, der ersten ihrer elf Profistationen, fiel sie sofort auf. Sissi, brasilianische Ikone, spielte zum Abschluss ihrer Karriere zeitgleich mit ihr. Von der 14-Jährigen schwärmte sie gegenüber CNN: „Sie war so gut am Ball. Es war, als würde sie vor dem Tor auf die Verteidigerin warten, nur um dann etwas völlig anderes zu machen.“ Die Verteidigerinnen stellten sich bald nur noch eine Frage: „Wie sollen wir dieses Mädchen stoppen?“ Die Antwort führte über drei Kontinente. Der große Sprung folgte 2004 mit dem Wechsel nach Schweden zu Umeå IK. Dort, in einer Liga mit professionellen Strukturen, explodierte sie. UEFA-Cup-Sieg, Torschützenkronen, fünfmal Weltfußballerin. Zwischen 2009 und 2013 prägte sie die WPS in den USA so sehr, dass sie dreimal beste Torschützin wurde. Einer von vielen Rekorden, der bis heute unerreicht bleibt. Seit 2017 ist sie das Gesicht von Orlando Pride, erst als Stürmerin, später als spielmachende Neun mit weniger Tempo aber genauso viel Wucht und Übersicht. Und immer begleitet von derselben Frage: Wie stoppt man sie? Zwischen Triumph und Widerspruch Sechsmal Weltfußballerin. 17 WM-Tore – mehr als jede Spielerin oder jeder Spieler. Neun Copa-América-Titel. Europäische Erfolge, US-Titel, Rekorde. Zahlen, die jede GOAT-Debatte nähren. Und doch: Martas Karriere lebte immer auch vom Widerstand. Während Mia Hamm den Markt formte und Megan Rapinoe politisierte, verteidigte Marta etwas anderes: die Idee, dass Schönheit am Ball ein Recht sein kann. Gegenüber CNN führte Sissi ebenso aus, dass Martas „Stärke, ihre Meinung zu sagen“, entscheidend dafür war, dass der Frauenfußball in Brasilien heute diese Struktur hat. „Dafür kämpft sie bis heute“, so die Torschützenkönigin der WM 1999. Marta vertrat eine Haltung, die regelmäßig mit dem brasilianischen Verband kollidierte: Unterfinanzierung, Ignoranz und schlechte Strukturen. Sie schwieg nicht. Besonders nach dem WM-Aus im Jahr 2019 appellierte sie in Richtung Kamera an die nächste Generation: „Der Frauenfußball hängt von euch ab. Denkt darüber nach, schätzt ihn mehr. Weint am Anfang, um am Ende zu lächeln.“ Ein Manifest für eine Generation, die mehr verdient hat. Weitergabe des Feuers Zurück im Finale. Zurück zum Elfmeter. Marta holt Luft, läuft an und schießt in die Arme der Torhüterin. Kein Hollywood-Abschied, kein perfekter Kreis. Es ist die Wahrheit des des Spiels: Auch die Größte kann scheitern. Sie, der nur WM- und Olympia-Silber blieben. Doch als auch Kolumbiens Carabalí verfehlt und die 22-jährige Luany den letzten Elfmeter verwandelt, sprintet Marta als eine der Ersten zu ihr. Erschöpft, lächelnd, wissend. Zwischen ihnen liegen 17 Jahre und die Übergabe eines Feuers. Martas internationale Karriere endet nicht mit einem perfekten Abschlussbild, sondern mit einem Weiterreichen. Sie hat gezeigt, wie weit man mit Schönheit und Beharrlichkeit kommt. Viele werden ihr folgen, weil sie nie aufgehört hat, für dieses Spiel zu kämpfen. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 15.12.2025 14.12.2025 - 13:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch Türchen Nummer 14: Dzsenifer Marozsán – Die, die Räume schuf ![]() ©Saskia Nafe Photography Der Ball rollt langsam auf sie zu, irgendwo im Mittelfeld. Keine Gegenspielerin sprintet hektisch heraus, kein Publikum hält den Atem an – noch nicht. Dzsenifer Marozsán nimmt den Ball mit dem ersten Kontakt an, hebt kurz den Kopf, sieht mehr als die anderen. Ein Pass, flach und präzise, öffnet den Raum, den es Sekunden zuvor scheinbar nicht gab. Es ist keine Szene, die sofort Schlagzeilen produziert. Aber es ist eine, die Spiele entscheidet. Genau darin lag über Jahre ihre größte Stärke: Marozsán war nie das Spektakel, sie war die Struktur. Ein Talent, das zu früh erwachsen wurde Dzsenifer Marozsán wird 1992 in Budapest geboren, wächst jedoch in Saarbrücken auf. Fußball begleitet sie von klein auf, auch, weil ihr Vater selbst Fußballer war und in der ungarischen Nationalmannschaft spielte. Schon früh spielt sie in Jungenmannschaften, weil ihr Talent nach höherem Niveau verlangt. Mit gerade einmal 15 Jahren debütiert sie für den 1. FC Saarbrücken in der Bundesliga. Sie ist damit nicht nur die jüngste Spielerin der Ligageschichte, sondern auch die jüngste Torschützin. Ein Rekord, der weniger von Sensationslust erzählt als von einer außergewöhnlichen Selbstverständlichkeit am Ball. Während andere Talente Zeit brauchen, um sich an das Tempo zu gewöhnen, wirkt Marozsán von Beginn an angekommen. Ihre Technik ist sauber, ihr Spielverständnis außergewöhnlich. Sie sucht nicht den direkten Weg zum Tor, sondern den richtigen. Schon früh zeigt sich: Diese Spielerin denkt Fußball voraus. Auch bereits in den U-Nationalmannschaften machte sie auf sich aufmerksam. Einen Meilenstein holte sie sich dabei: In der U17 erzielte sie in 21 Spielen 21 Tore. Sie ist somit nicht nur eine starke Mittelfeldstrategin, sondern strahlt offensiv Torgefahr aus. Frankfurt: der Ort des Erwachsenwerdens 2009 wechselt Marozsán zum 1. FFC Frankfurt, damals eines der Zentren des europäischen Frauenfußballs. Hier wird aus dem Wunderkind eine Führungsspielerin. Frankfurt verlangt mehr: taktisch, physisch, mental. Und Marozsán wächst mit diesen Anforderungen. Sie wird zur zentralen Figur im Mittelfeld, lenkt das Spiel, verteilt Bälle, bestimmt das Tempo. Der Höhepunkt dieser Zeit folgt 2015 mit dem Gewinn der UEFA Women’s Champions League. Im Finale gegen Paris Saint-Germain ist sie es, die mit Übersicht und Ruhe das Spiel prägt. Frankfurt gewinnt, Marozsán steht sinnbildlich für eine Generation deutscher Fußballerinnen, die Technik und Disziplin miteinander verbindet. In ihren fünf Jahren beim FFC erzielte sie in 173 Spielen 56 Tore und legte 52 vor. Lyon: Perfektion auf höchstem Niveau 2016 folgt der Schritt zu Olympique Lyonnais. Es ist der Wechsel zu dem Klub, der den europäischen Frauenfußball in den kommenden Jahren dominieren wird. Und Marozsán wird ein zentraler Teil dieser Dominanz. In Lyon ist sie nicht die Lauteste, nicht die Auffälligste, aber oft die Wichtigste. Sie wechselte, wie sie selbst sagte, zum “weltbesten Verein mit den besten Spielerinnen der Welt” und das zeigte sich auch: Fünf Champions-League-Titel, zahlreiche Meisterschaften und Pokalsiege prägen ihre Zeit in Frankreich. In einem Team voller Weltklassespielerinnen übernimmt Marozsán die Rolle der Architektin. Sie verbindet Defensive und Offensive, gibt dem Spiel Struktur, liest Situationen, bevor sie entstehen. Mehrfach wird sie zur besten Mittelfeldspielerin Europas gewählt. Auszeichnungen, die ihre Bedeutung unterstreichen, ohne ihr Wesen zu verändern. Einen kurzen Ausflug machte die heute 33-Jährige gemeinsam mit ihren Mannschaftskolleginnen Sarah Bouhaddi und Eugénie Le Sommer in die USA. Bei Seattle Reign FC sollte sie per Leihe weitere Erfahrung sammeln, doch nach einem halben Jahr kehrte sie zurück. Die Nationalmannschaft und der große Triumph Auch im Trikot der deutschen Nationalmannschaft ist Marozsán über Jahre hinweg eine feste Größe. 13 Jahre, 112 Länderspiele, 33 Tore – Zahlen, die ihre Konstanz belegen. Bei der Europameisterschaft 2013 in Schweden trug sie wie immer einen großen Teil dazu bei. Sie erzielte im Halbfinale gegen die Gastgeberinnen sowie im Finale gegen Norwegen das wichtige Siegtor und holte sich somit den Titel. 2016 erreicht sie mit Deutschland den zweiten sportlichen Höhepunkt: Olympisches Gold in Rio. Gerade dieses Turnier zeigt, wofür Marozsán steht. Sie ist keine Spielerin der großen Gesten, sondern der entscheidenden Momente. Ein Pass, ein Laufweg, ein Tempowechsel. Oft unscheinbar, aber spielentscheidend. In einem Team voller Charaktere bleibt sie sich treu: ruhig, konzentriert, kontrolliert. Sie führte das DFB-Team außerdem für drei Jahre an. Verletzungen und das Ende eines Kapitels Doch auch ihre Karriere bleibt nicht von Rückschlägen verschont. Knieverletzungen begleiten sie in den letzten Jahren immer wieder und kosten sie Rhythmus und Leichtigkeit. 2023 zieht Marozsán einen Schlussstrich unter ihre internationale Karriere. Es ist kein lauter Abschied, kein großes Inszenieren. Es ist eine Entscheidung, die zu ihr passt: reflektiert, ehrlich, konsequent. Sie verabschiedet sich als eine der prägendsten Mittelfeldspielerinnen ihrer Generation. Nicht nur wegen ihrer Titel, sondern wegen der Art, wie sie Fußball verstanden hat. Heute steht Marozsán bei Al-Qadsiah, in der saudi-arabischen Liga unter Vertrag. Ein Vermächtnis jenseits der Zahlen Dzsenifer Marozsán hat den Frauenfußball nicht revolutioniert, indem sie laut war. Sie tat es, indem sie Maßstäbe setzte: technisch, taktisch, spielerisch. Sie zeigte, dass Kreativität und Kontrolle kein Widerspruch sind. Dass Führung auch leise funktionieren kann. Ihr Einfluss ist besonders bei jenen sichtbar, die heute auf ihrer Position spielen. Spielerinnen, die den Raum lesen, das Spiel lenken, Verantwortung übernehmen, ohne im Mittelpunkt stehen zu müssen. Marozsán war nie die Spielerin, die Aufmerksamkeit suchte. Aber sie war immer die, die sie verdiente. Dzsenifer Marozsán bleibt eine Fußballerin, die das Spiel verstand wie wenige andere. Eine Architektin, deren Werk nicht in einzelnen Momenten besteht, sondern in der Summe ihrer Entscheidungen. Und genau darin liegt ihre Größe. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 16.12.2025 15.12.2025 - 13:30 Uhr | News | Quelle: sd | von: Emilie Bitsch Türchen Nummer 15: Florence Omagbemi – Eine, die blieb, wenn es schwierig wurde ![]() ©privat Es ist das Finale des Africa Women Cup of Nations 2016. Die “Super Falcons” stehen unter Druck, nicht nur sportlich. Streiks, Machtkämpfe im Verband, fehlende Wertschätzung – all das liegt wie ein Schatten über dem nigerianischen Team. An der Seitenlinie steht Florence Omagbemi , ehemalige Nationalspielerin, erstmals als Cheftrainerin in dieser Rolle. Sie wirkt ruhig, fast zurückhaltend. Doch genau diese Ruhe überträgt sich auf das Spielfeld. Nigeria gewinnt das Turnier ohne Niederlage. Es ist nicht nur ein Titel – es ist ein Signal. Eine Spielerin, die das Gleichgewicht hielt Florence Omagbemi wird 1985 in Aba geboren, in einer Zeit, in der Frauenfußball in Nigeria kaum strukturelle Unterstützung erfährt. Sie setzt sich dennoch durch, schafft den Sprung in die Nationalmannschaft und wird über Jahre zu einer festen Größe im Mittelfeld der “Super Falcons”. Ihre Rolle ist klar: stabilisieren, absichern, ordnen. Omagbemi war nie die Spielerin der Schlagzeilen. Sie suchte nicht den Abschluss, sondern den richtigen Moment, um das Spiel zu beruhigen oder zu beschleunigen. Über 100 Länderspiele absolvierte sie für Nigeria und gewann viermal den Africa Women Cup of Nations und nahm an vier Weltmeisterschaften teil. Im Jahr 2000 startete ihr Land erstmals bei den Olympischen Spielen. Ihre Präsenz gab dem Team Balance. Eine Qualität, die im Erfolg oft übersehen wird, aber unverzichtbar ist. Erfahrungen jenseits der Heimat Wie viele afrikanische Spielerinnen ihrer Generation ging Omagbemi früh ins Ausland, um bessere Trainingsbedingungen und professionelle Strukturen kennenzulernen. Stationen in Europa und den USA erweiterten ihren Blick auf den Fußball. Diese Erfahrungen prägten nicht nur ihr eigenes Spiel, sondern legten den Grundstein für ihre spätere Arbeit als Trainerin. Sie verstand früh, dass Erfolg nicht allein von Talent abhängt, sondern von Organisation, Vertrauen und klaren Rollen. Eigenschaften, die sie später an ihre Teams weitergab. Der Schritt an die Seitenlinie Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere bleibt Omagbemi dem Fußball treu. Sie entscheidet sich bewusst für den Weg als Trainerin. Ein mutiger Schritt in einem Umfeld, in dem Frauen in Führungspositionen selten sind. Erst durchläuft sie einige Trainerstationen bei Jugendmannschaften in den USA, und wird schließlich Co-Trainerin der nigerianischen U20-Mannschaft. 2016 übernimmt sie die nigerianische Nationalmannschaft zunächst interimistisch. Die Situation ist schwierig: Die Spielerinnen kämpfen um Anerkennung, um ausstehende Prämien, um Respekt. Sie selbst erhielt von der Nigeria Football Federation kein Geld für ihre Arbeit. Ein Aufschrei in den internationalen Medien, der die Gesamtsituation verbessern sollte. Omagbemi kennt diese Kämpfe aus eigener Erfahrung. Sie wird zur Vermittlerin, zur Stimme zwischen Team und Verband. Und sie liefert sportliche Antworten. Der Turniersieg beim Africa Women Cup of Nations 2016 macht sie zur ersten Frau, die Nigeria als Cheftrainerin zu einem kontinentalen Titel führt und zur ersten afrikanischen Ex-Spielerin, die erfolgreich ein Nationalteam coachte. Mehr als ein sportlicher Erfolg Dieser Titel ist mehr als ein Pokal. Er steht für Selbstbestimmung, für Vertrauen in eigene Kompetenzen und für die Erkenntnis, dass ehemalige Spielerinnen nicht nur Teil der Geschichte sind, sondern ihre Zukunft gestalten können. Omagbemi bewies, dass Führung nicht laut sein muss, sondern konsequent. Auch nach ihrer Zeit als Nationaltrainerin bleibt sie eine wichtige Stimme im afrikanischen Frauenfußball. Sie setzt sich für bessere Bedingungen, faire Bezahlung und langfristige Strukturen ein. Ihr Weg zeigt, dass Veränderung oft von innen kommt – von Menschen, die das System kennen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Ein Vermächtnis der Beständigkeit Florence Omagbemi hat den Frauenfußball in Nigeria nicht revolutioniert, aber sie hat ihn stabilisiert. Als Spielerin gab sie dem Mittelfeld Halt, als Trainerin gab sie einem ganzen Kontinent Orientierung und Motivation. Ihr Einfluss liegt nicht in Rekorden oder großer Öffentlichkeit, sondern in der Nachhaltigkeit ihres Wirkens. Sie steht für eine Generation afrikanischer Fußballerinnen, die den Weg geebnet haben – auf dem Platz und daneben. Und für die Erkenntnis, dass Führung manchmal dort beginnt, wo niemand hinschaut: im Zentrum, im Hintergrund, mit klarer Haltung. Florence Omagbemi bleibt eine Figur, die zeigt, wie viel Kraft in Beständigkeit liegen kann. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 16.12.2025 16.12.2025 - 10:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Stefan Wallaschek Türchen Nummer 16: Wendie Renard – der französische Kontrollturm ![]() ©IMAGO Als im Juli 2025 der französische Nationaltrainer Laurent Bonadei seinen Kader für die Europameisterschaft in der Schweiz veröffentlichte, ging ein Raunen durch die Fußballwelt. Nicht nur fehlte mit Eugénie Le Sommer eine der bekanntesten Offensivspielerinnen Frankreichs. Auch Wendie Renard – langjährige Kapitänin, Abwehrchefin und Identifikationsfigur der Les Bleues – stand nicht auf der Liste. Kein Abschiedsstatement, keine Vorwarnung. Ihr Name fehlte einfach. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Medien, Fans und ehemalige Spielerinnen zeigten sich irritiert, teils fassungslos. Auch Renard selbst suchte nach Erklärungen und sagte öffentlich „Nur Gott weiß, warum ich nicht in diesem Kader stehe.“ Um die ganze Bedeutung dieser Spielerin einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf eine Karriere, die im europäischen Frauenfußball ihresgleichen sucht. Von Martinique nach Lyon Wendie Renard wurde 1990 im französischen Übersee-Département Martinique geboren. Auf der Karibikinsel begann sie früh mit dem Fußball, nutzte jede Gelegenheit, um zu spielen. Als Mädchen, weit entfernt von den großen Stadien Europas, schien der Traum vom Profifußball zunächst unrealistisch. So unwirklich, dass eine Lehrerin ihr sagte, den Beruf Profi-Fußballerin, den Renard geäußert hatte, gebe es nicht. Renard widersprach: „Es war keine Frage, ob dies passieren könnte. Es würde passieren. In meinen Augen war es eine Tatsache.“ Für sie war nur die Frage, wann es die anderen realisieren würden. Mit 16 Jahren flog sie in das 8000km entfernte Frankreich, um im nationalen Leistungszentrum in Clairefontaine ausgebildet zu werden, doch nach Eingangstest wurde sie nicht berücksichtig. Und schließlich landete sie im Nachwuchszentrum von Olympique Lyonnais und nach nur einer Woche Probetraining, durfte sie bleiben. Noch im selben Alter debütierte sie für die erste Mannschaft. Ein Jahr später folgte die Berufung in die französische Juniorinnen-Nationalmannschaft. Seit der Saison 2007/08 ist Renard fester Bestandteil der OL Defensive – und Verein und Spielerin sind sich bis heute treu geblieben. In einer Zeit stetiger Wechsel, Titeljagden und wachsender Transfermärkte ist diese Konstanz außergewöhnlich. Im Verein: Unglaublich dominant und erfolgreich Titel sammeln musste Renard anderswo nicht. 19 Jahre Lyon. 18 Meisterschaften. 10 nationale Pokale. Acht Champions-League-Titel bei elf Finalteilnahmen. Fünfmal gelang es Lyon mit Renard sogar das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League zu holen. Zahlen, die fast unwirklich klingen – und doch Ausdruck einer Mannschaft und einer Spielerin sind, die das Verlieren nahezu verlernt haben. „Ich bin sehr jung nach Lyon gekommen und habe da Spielerinnen mit dem Siegergen kennengelernt. Das lernt man Schritt für Schritt“, erinnert sich Renard und fährt fort: „Du machst Fortschritte, indem du mit anderen großen Spielerinnen zusammenspielst, die das Verlieren hassen, und Trainer hast, die es dir einprägen“. Und wurde selbst zu einer solchen Spielerin. Der torgefährliche Kontrollturm Mit 1,87 Metern Körpergröße ist Renard auf dem Platz kaum zu übersehen. Ihre Physis verbindet sie mit Spielintelligenz, Antizipation und außergewöhnlicher Ruhe. Sie verteidigt nicht hektisch, sondern kontrolliert. Nicht umsonst trägt sie den Spitznamen „Kontrollturm“. Besonders bei Standards ist sie brandgefährlich: In 384 Pflichtspielen für Lyon erzielte sie 127 Tore – ein bemerkenswerter Wert für eine Innenverteidigerin. Ebenso bemerkenswert ist ihre Disziplin: In ihrer gesamten Profikarriere bei OL und im Nationalteam wurde sie nie des Feldes verwiesen und erhielt in 515 Spielen lediglich 50 Gelbe Karten. Individuelle Weltklasse Individuelle Auszeichnungen blieben dennoch lange aus. Die Wahl zur Spielerin des Jahres der französischen Liga ging seit dessen Einführung 2001 bislang nie an eine Verteidigerin. Dennoch wurde Renard 2015 in die Weltauswahl berufen und landete 2018 und 2019 unter den Top Ten des Ballon d’Or – jeweils als beste Abwehrspielerin. Zudem ist Renard mit aktuell 129 Einsätzen Rekordhalterin der Champions League. Ihr damaliger Trainer Reynald Pedros nannte sie eine „außergewöhnliche Wettkämpferin“, die nicht nur zu den „besten Spielerinnen der Welt auf ihrer Position“ gehört, sondern „sich noch weiter verbessern“ würde. In der Nationalelf: Ambitioniert, aber erfolglos Während Renard mit OL dominierte, blieb der große Erfolg mit der Nationalmannschaft aus. Seit 2011 absolvierte sie 118 Länderspiele für Frankreich, nahm an vier Welt-, drei Europameisterschaften und drei Olympischen Spielen teil. Der größte Erfolg: jeweils Platz vier bei der WM 2011 und den Olympischen Spielen 2012. Konflikte begleiteten diese Zeit. Unter Trainerin Corinne Diacre verlor Renard 2017 das Kapitänsamt, das Verhältnis galt als zerrüttet. Erst 2021 wurde sie wieder zur Spielführerin ernannt. 2023 erklärte Renard schließlich aus mentaler Erschöpfung ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft – aber auch als Protest gegen eine fehlende Professionalisierung und ungenügende Strukturen im Verband. Nach dem Trainerwechsel kehrte sie zurück, spielte bei der WM 2023 eine zentrale Rolle und erzielte ein Tor. Umso überraschender war die Entscheidung Bonadeis vor der EM 2025. Renard und andere erfahrene Spielerinnen fehlten zunächst in der Nations League und schließlich auch im EM-Kader. Das Medienecho in Frankreich war enorm, zumal die Ambitionen hoch waren, endlich eine Medaille zu gewinnen. Ihre Nationalmannschaftskarriere hat sie damit nicht offiziell beendet. Die WM 2027 in Brasilien bleibt eine Möglichkeit. Vielleicht auch ein offenes Kapitel für die Wettkämpferin, die stets gewinnen will. Internationale Identifikationsfigur Wendie Renards Karriere erzählt von außergewöhnlichem Erfolg und von Widerständen. Von Dominanz auf Vereinsebene und auf dem Platz, aber auch von Enttäuschungen und Rückschläge im Nationaltrikot. Von einer Spielerin, die früh gelernt hat, dass ihr gesagt wird, was nicht möglich sei und die genau das nie akzeptiert hat. Mit diesem unerschütterlichen Willen, ihrer Führungsstärke und der Bereitschaft, auch unbequeme Sachen im Frauenfußball anzusprechen, gehört Wendie Renard nicht nur zu den erfolgreichsten Spielerinnen, sondern auch zu den prägendsten Figuren des internationalen Sports der letzten zwei Jahrzehnte. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 17.12.2025 17.12.2025 - 13:10 Uhr | News | Quelle: sd | von: Anika Knösel-Hein Türchen Nummer 17: Alex Morgan – Das Gesicht des amerikanischen Fußballs ![]() ©IMAGO Noch knapp 30 Sekunden sind zu spielen, als sich Alex Morgan in der 123. Minute in die Herzen der amerikanischen Fußballfans köpfte. Bei den Olympischen Spielen 2012 erzielte sie in der Nachspielzeit der Verlängerung beim Stand von 3:3 den Siegtreffer gegen die Rivalen aus Kanada und sicherte ihrer Mannschaft den Einzug ins Finale, welches sie gewinnen würden. Morgan festigte damit ihre Rolle für die kommenden Jahre in der Mannschaft: Als Torjägerin, als Star der Mannschaft, als Gesicht des amerikanischen Fußballs. Eine bewegte Vereinskarriere Alex Morgan wurde am 2. Juli 1989 in San Dimas, Kalifornien, geboren. Während ihrer Kindheit und Jugend probierte sie sich in vielen verschiedenen Sportarten. Fußball war auch dabei, in einen Verein trat sie allerdings erst mit 14 Jahren ein. Dort wurde ihr Talent schnell sehr deutlich und sie stach zwischen ihren Mitspielerinnen hervor. Wie in den USA üblich, spielte Morgan danach für ihr College, Berkeley, und wurde direkt in ihrer ersten Saison die beste Torschützin für ihre Mannschaft. Ein Titel, der sich beinahe konstant durch ihre Karriere zog. Nachdem sie sich durch ihre vielen Tore und herausragenden Leistungen im College beweisen konnte, wurde Morgan 2011 im sogenannten College-Draft als erste Spielerin von Western New York Flash ausgewählt und begann dort ihre Karriere als Fußballprofi. Allerdings wurde die damalige US-Liga, Women’s Professional Soccer (WPS), bereits ein Jahr später im Januar 2012 aufgelöst und die amerikanischen Fußballerinnen standen plötzlich ohne Liga da. Um sich im olympischen Jahr 2012 fit zu halten und Spielpraxis zu sammeln, spielte Alex Morgan mit einigen Mitspielerinnen aus der Nationalmannschaft bei den Seattle Sounders Women in einer semi-professionellen Liga, bevor 2013 die National Women’s Soccer League (NWSL) gegründet wurde. Mit der Gründung der Liga wurde Morgan beim Portland Thorns FC unter Vertrag genommen. In ihrer ersten Saison belegte die Mannschaft den dritten Platz und gewann nach den Play-Offs die Meisterschaft. Morgan und die kanadische Nationalspielerin Christine Sinclair schossen die meisten Tore für ihr Team. Zur Saison 2016 wechselte Alex Morgan zu Orlando Pride. Nach nur einer Saison entschloss sich die heute 36-Jährige für einen Wechsel nach Europa und unterschrieb im Januar 2017 einen Vertrag über sechs Monate bei Olympique Lyonnais. Morgan gewann in ihrer kurzen Zeit in Lyon die französische Meisterschaft, den Pokal und die UEFA Women’s Champions League. Nach einem halben Jahr kehrte sie nach Orlando zurück und spielte die zweite Hälfte der NWSL Saison, in der sie neun Tore und vier Vorlagen in nur 14 Spielen erzielte. 2019 lief Morgan nur selten für ihren Verein auf, da sie einen großen Teil der Saison mit der Nationalmannschaft verbrachte. Nach der Weltmeisterschaft kehrte sie mit einer Verletzung zurück und gab schließlich im Herbst 2019 ihre erste Schwangerschaft bekannt. Nach der Geburt ihrer Tochter folgte für die Amerikanerin ein zweiter kurzer Aufenthalt in Europa: Sie stand von September bis Dezember 2020 bei Tottenham Hotspur unter Vertrag, um wieder fit zu werden. Die letzte Station ihrer Vereins-Karriere war beim 2022 neugegründete Club San Diego Wave. In der ersten Saison konnte das Team bereits die Playoffs erreichen. Morgan leistete dazu einen großen Beitrag und erzielte 15 Tore in 17 Spielen, ihre persönliche Bestmarke auf Vereinsebene. Insgesamt konnte sie von 2022 bis 2024 23 Tore und neun Vorlagen in 50 Spielen für San Diego Wave verbuchen. Am 8. September 2024 spielte sie das letztes Spiel ihrer Karriere, in dem sie nach symbolischen dreizehn Minuten – in Anlehnung an ihre Rückennummer – ausgewechselt wurde. Erfolgreich mit der Nationalmannschaft Bereits als Studentin wurde Alex Morgan zum ersten Mal für die A-Nationalmannschaft berufen und absolvierte am 31. März 2010 ihr erstes Spiel. Im Oktober desselben Jahres erzielte sie ihr erstes Tor für die US-Nationalmannschaft. Vorbereitet wurde das Tor von Abby Wambach , was ein Vorzeichen für die erfolgreiche Partnerschaft der beiden Spielerinnen war. 2011 wurde sie als jüngste Spielerin im Kader der USA für die Weltmeisterschaft in Deutschland nominiert. Dort war sie die erste Spielerin, die jemals ein Tor und eine Vorlage in einem WM-Finale machte, auch wenn die USA letztendlich im Elfmeterschießen gegen Japan verloren. Ab 2012 war Morgan ein fester Bestandteil der Startelf und bildete ein Sturm-Duo mit Wambach. Von Januar bis Mai erzielte sie 14 Tore in zwölf Spielen für die Nationalmannschaft. Diese erfolgreiche Serie konnte sie auch bei den Olympischen Spielen in London fortsetzen. Das Jahr 2012 war das torreichste Jahr für die Nationalmannschaft in Morgans Karriere, sie schoss in 31 Spielen insgesamt 28 Tore und legte 21 weitere vor. Viele der Vorlagen waren für Wambach und umgekehrt. Wambach sagte zu der Dynamik: „Alex hat meine Karriere irgendwie verlängert, […] weil es mir so viel Spaß macht, wieder mit einer anderen Stürmerin zusammenzuspielen.“ 2015 gewann Morgan zum ersten Mal die Weltmeisterschaft. Sie verpasste aufgrund einer Verletzung die ersten zwei Spiele des Turniers, spielte danach aber alle Partien von Beginn an. In diesem Turnier wurde deutlich, dass die Stürmerin nicht nur durch ihre Torgefährlichkeit, sondern auch als Ziel für Fouls der Mannschaft dienen konnte: Sie holte sowohl im Achtel- als auch im Halbfinale Elfmeter für die USA raus. Vier Jahre später gewannen die USA erneut die Weltmeisterschaft. Co-Kapitänin Morgan trug dazu unter anderem mit fünf Toren und drei Vorlagen im ersten Gruppenspiel bei, welches die USA 13:0 gegen Thailand gewann. An Morgans 30. Geburtstag fand das Halbfinale gegen England statt, in dem sie das Tor zum 2:1 Endstand erzielte. Sie feierte das Tor mit einer Geste, bei der sie das Teetrinken imitierte. Besonders die Gegnerinnen aus England waren über diesen Torjubel nicht erfreut. Während des Turniers wurde sehr deutlich wie Morgans Bewegungsabläufe Räume für ihre Mitspielerinnen schafften, die dadurch treffen konnten. Ihre Arbeit ohne den Ball machte sich besonders im Finale gegen die Niederlande bemerkbar: Zunächst wurde sie wieder zum Ziel eines gegnerischen Fouls und holte den Elfmeter, den Megan Rapinoe zum 1:0 verwandelte. Und in der zweiten Halbzeit zog sie bei einem Angriff die niederländische Abwehr auf sich und machte den Raum frei, den Rose Lavelle nutzte, um den 2:0 Endstand zu erzielen. Morgan absolvierte insgesamt 224 Spiele für die Nationalmannschaft, in denen sie 123 Tore und 53 Vorlagen verbuchen konnte. Einfluss neben dem Platz Alex Morgan nutzte während ihrer Karriere ihre Platform und den Namen, den sie sich in der Fußballwelt erarbeitet hatte, immer wieder, um sich für die Weiterentwicklung des Sports und vor allem für eine Verbesserung der Bedingungen für Spielerinnen einzusetzen. So war sie eine von fünf Spielerinnen, die 2016 eine Beschwerde gegen den amerikanischen Fußballverband vor der Equal Employment Opportunity Commission einreichten, weil der Verband gegen das Lohngleichheitsgesetzt verstoßen habe. Die Nationalmannschaft gab an, dass die weiblichen Spielerinnen vom Verband deutlich niedriger bezahlt wurden als die Spieler der männlichen Nationalmannschaft. Ein Vergleich der dabei angeführt wurde, waren die Boni, die die beiden Mannschaften nach ihren jeweiligen Weltmeisterschaften bekamen: Die Frauen erhielten insgesamt zwei Millionen US-Dollar für den Sieg der WM 2015, die Männer bekamen 2014 insgesamt neun Millionen US-Dollar für das Ausscheiden im Achtelfinale. Es folgten sechs lange Jahre Rechtsstreit mit dem eigenen Verband, in dem Morgan immer wieder sowohl den Medien gegenüber als auch im Prozess als Sprachrohr der Mannschaft auftrat. Im Februar 2022 gewannen die Spielerinnen der USA den Kampf um den Equal Pay. Der Verband musste fortan die gleiche Bezahlung für männliche und weibliche Fußballer:innen bei Freundschaftsspielen, kleineren Turnieren und auch bei Weltmeisterschaften zahlen. Morgan bezeichnete diesen Sieg später als den größten Erfolg ihrer Karriere. Des Weiteren setzte sie sowohl ihren jeweiligen Vereine als auch den amerikanischen Verband unter Druck, die Bedingungen für Mütter zu verbessern. Mit Orlando Pride gab es nach einigen Verhandlungen eine Vereinbarung, dass ihre Tochter und eine Betreuung zu Auswärtsspielen mit dem Team reisen konnten. Auch zum Speisesaal und der Umkleidekabine wurde ihrer Tochter letztlich Eintritt gewährt. Hiermit konnte sie Standards durchsetzen, die 2024 als Teil des neuen Tarifvertrags für die Liga implementiert wurden. Es gibt viele weitere größere und kleinere Beispiele während ihrer aktiven Karriere, in denen sich Morgan für ihre Mitspielerinnen und die Entwicklung des Sports einsetzte. Naomi Girma fasste das Engagement von Alex Morgan sehr treffend zusammen: „Wie sie ihre Plattform und ihre Stimme für das Gute eingesetzt hat – das hätte sie nicht tun müssen, aber sie hat es wirklich auf sich genommen.“ Morgan schien es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, den Sport besser zu hinterlassen als sie ihn vorgefunden hatte. Ihre sportlichen Leistungen und vielen Tore, besonders für die Nationalmannschaft, sprachen dabei für sich. Sie erarbeitete sich dadurch im Laufe der Jahre einen Stand im Fußball, der es ihr erlaubte, unbequem für Entscheidungsträger:innen zu sein, Dinge zu hinterfragen und für sich und ihre Mitspielerinnen einzufordern. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 18.12.2025 18.12.2025 - 13:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Jan Klein Reesink Türchen Nummer 18: Hege Riise – Die Spielerin mit den sechs Augenpaaren ![]() ©IMAGO Es ist der 25. Juli 2023, Norwegen spielt am zweiten Gruppenspieltag der Weltmeisterschaft gegen die Schweizer-Nationalmannschaft. Nach der 0:1-Niederlage im ersten Spiel gegen Neuseeland, ist bereits Druck auf der Mannschaft von Hege Riise . Ein Sieg muss her. Die beiden Top-Spielerinnen Ingrid Engen und Graham Hansen nehmen zu Spielbeginn auf der Ersatzbank Platz und werden erst im Laufe der zweiten Halbzeit eingewechselt. Hansen platzt der Kragen und kritisiert Riise. Der Gemeinschaftserfolg stehe im Vordergrund zulasten der Ausschöpfung individueller Qualität der Top-Stars. Eine heftige Kritik an der norwegischen Spielerinnen-Legende schlechthin, dem Vorbild vieler junger norwegischer Fußballerinnen. Tags später entschuldigte sich Graham auch öffentlich für ihre Worte, trotzdem blieb der fade Beigeschmack einer „Majestätsbeleidigung“. Die Person Hege Riise Hege Riise wird am 18. Juli 1969 in Norwegen, geboren. Bis heute ist sie die erfolgreichste Spielerin ihres Landes und hat das kleine skandinavische Land auf die große Fußball-Karte gehievt. Die mittlerweile 56-Jährige selbst beschreibt ihren Spielstil laut der Website „Inside FIFA“ wie folgt: „Es ist fast so, als würde das Spiel in Zeitlupe ablaufen, sodass ich, bevor der Ball überhaupt zu mir kommt, sehen kann, wie der Zug ablaufen wird.“ Sie hatte also alles, was um sie herum geschah, perfekt im Blick, deshalb auch die Bezeichnung „Die Spielerin mit den sechs Augenpaaren“. Angefangen hat aber alles in ihrem Geburtsort Lorenskog, am Stadtrand von Oslo. In ihrer Kindheit fährt Riise nämlich zuerst Ski und spielt Handball. Relativ schnell schwenkt die Norwegerin mit 15 Jahren laut einem Bericht von Uefa.com aber auf den Fußball um. Zu dieser Zeit gab es allerdings noch keinen Fußballverein für Frauen und Mädchen, weshalb sie immer mit, beziehungsweise gegen die Jungs spielte. „Ich war das einzige Mädchen im Team, also musste ich lernen, kreativ mit dem Ball zu sein. Ich habe es wirklich genossen, aber um mit den Jungs mitzuhalten, musste ich stetig stärker und schneller werden", äußerte sich Hege Riise einmal zu ihren ersten Berührungspunkten mit dem Fußball. Auch Weggefährt:innen aus ihrer langen Spielerinnenzeit, bis 2007, äußern sich durchweg positiv über die Norwegerin. Ihre ehemalige Carolina-Courage-Trainerin Marcia McDermott war ein großer Fan des Superstars: "Hege ist so gut, dass jedes gegnerische Team versucht, sie aus dem Spiel zu nehmen – und sie scheitern immer. Wenn du versuchst, sie zu markieren, schwebt sie buchstäblich von ihrem Markierer weg und kommt auf den Ball. Sie ist klug, flexibel und kreativ." Auffällig war dabei weniger ihre Torgefahr als ihre Funktion im Gefüge. Riise agierte als verbindendes Element zwischen Defensive und Offensive. Trainerinnen beschrieben sie in offiziellen Interviews häufig als verlängerten Arm auf dem Platz. Ihre Spielweise war von Übersicht geprägt, ihr Stellungsspiel vorausschauend. Fehler im eigenen Aufbau waren selten, unnötige Risiken ebenso. Auch als Führungsspielerin blieb sie zurückhaltend. Riise führte nicht über Lautstärke, sondern über Verlässlichkeit. In entscheidenden Spielen war sie präsent, übernahm Verantwortung, ohne sie zu inszenieren. Diese Art der Führung prägte auch ihr öffentliches Bild: sachlich, fokussiert, professionell. Riise erklimmt den Fußball-Olymp 188 Länderspiele für Norwegen, 58 Treffer – das sind beeindruckende Zahlen. Im Alter von 20 Jahren gab sie 1990 ihr Debüt in der Nationalmannschaft. Bereits ein Jahr später war sie maßgeblich daran beteiligt, dass sie zusammen mit ihrer Mannschaft den Vize-Europameisterinnen-Titel errungen haben. Erst im Finale musste sich die norwegische Auswahl in Aalborg (Dänemark) mit 1:3 der deutschen Nationalmannschaft geschlagen geben. Ebenfalls im selben Jahr fand die FIFA-Weltmeisterschaft in China statt. Auch dort gelang es Riise und den Norwegerinnen bis ins Finale vorzustoßen, dort waren dann aber die Favoritinnen aus den USA zu stark. Aber bereits im Jahr 1993 konnte Hege Riise dann ihren ersten großen Titel mit der Nationalmannschaft Norwegens feiern: Bei der EURO 1993 in Italien war der Titel fällig. Im Finale gelang ihnen ein 1:0-Sieg gegen die Gastgeberinnen. Bei der WM im Jahr 1995 gelang dann der ganz große Coup. Angeführt von einer überragenden Hege Riise, gelang bei dem großen FIFA-Turnier im Nachbarland Schweden dann der Triumph. Im Finale gegen Deutschland gelang ein 2:0-Sieg. Den wichtigen Führungstreffer erzielte damals Riise selbst. Dafür gewann sie auch mit ihren insgesamt fünf Turniertreffern den adidas Goldenen Ball 1995 und wurde noch im selben Jahr als erste Frau Norwegens zur "Fußballerin des Jahres" in ihrem Heimatland gekürt. In einem Interview mit der FIFA 2016 äußerte sie sich später selbst so über das Turnier: „1995 war zweifellos der schönste Moment meiner Karriere." 1996 fand zum allerersten Mal ein Frauenfußball-Turnier bei den Olympischen Spielen in Atlanta (USA) statt. Direkt führte die offensive Mittelfeldspielerin ihr Land zu einer Bronzemedaille. Nur vier Jahre später bei Olympia 2000 in Sydney machte Riise mit Norwegen das Triple aus Welt- und Europameisterschaft und olympischem Gold perfekt. Im Finale wurden die Titelverteidigerinnen aus den USA mit 3:2 nach Golden Goal (erster Treffer in der Verlängerung entscheidet die Partie) besiegt. Aufgrund ihrer herausragenden Leistungen wurde Hege Riise deshalb auch im Jahr 2003 als beste norwegische Fußballerin aller Zeiten ausgezeichnet. Im September 2004 beendete sie dann ihre Nationalmannschaftskarriere mit 35 Jahren. Die Auslandserfahrungen Bis 1995 spielte Riise bei ihrem Jugendverein Setskog/Høland FK in Norwegen, bevor sie den Schritt nach Japan wagte zu den Nikko Securities Dream Ladies. Ein Schritt, der in den 1990er-Jahren keineswegs selbstverständlich war. Der Wechsel ins Ausland verdeutlichte früh ihre Offenheit für neue Fußballkulturen. In einer Zeit, in der internationale Karrieren für Spielerinnen oft mit Unsicherheiten verbunden waren, sammelte Riise Erfahrungen, die über das Sportliche hinausgingen. Später spielte sie auch noch in den USA bei Carolina Courage. Erfolgreiche Spielerin gleich erfolgreiche Trainerin? Nach dem Ende ihrer aktiven Karriere folgte der Übergang ins Trainerinnenfach. Zunächst arbeitete Riise als Spielertrainerin beim Team Strømmen FK. Zwischen Zwischen 2009 und 2011 war sie Co-Trainerin von Pia Sundhage von der US-Nationalmannschaft. 2021 übernahm sie interimsweise die Position als Cheftrainerin der englischen Nationalmannschaft. Unter ihrer Leitung gewann das Team die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio. Als Cheftrainerin der norwegischen Nationalmannschaft übernahm Riise 2022 Verantwortung in einer Phase sportlicher Neuorientierung. Ihre Berufung wurde als Rückgriff auf Erfahrung und Identifikation verstanden. Ziel war es, Strukturen zu festigen und internationale Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen. Ein Prozess, der weniger von schnellen Effekten, als von nachhaltiger Entwicklung geprägt war. Nach dem erneuten Aus in der Vorrunde bei der Europameisterschaft 2022 in England, sollte Riise die norwegische Nationalmannschaft auf eine erfolgreiche WM 2023 vorbereiten. Doch wie bereits zu Beginn dieses Porträts erwähnt, glückte dies nur mäßig und am Ende blieb ein Aus im Achtelfinale. Letztendlich war Hege Riise eine überragende Fußballerin, die als erste Frau überhaupt alle drei großen Titel (WM, EM, Olympisches-Gold) gewinnen konnte. Mit viel Spielwitz und eine überragenden Technik: Stichwort: „Die Spielerin mit den sechs Augenpaaren“, hat sie den norwegischen Fußball maßgeblich geprägt. Auch wenn ihr letztes Intermezzo als norwegische Nationaltrainerin nicht so erfolgreich war, bleibt sie weiterhin eine Legende in ihrem Heimatland und ausgezeichnete „Beste norwegische Fußballerin aller Zeiten“ Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 19.12.2025 19.12.2025 - 11:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Monja Langemeyer Türchen Nummer 19: Alexandra Popp - Die Führungsspielerin mit Kampfgeist in der DNA ![]() ©VfL Wolfsburg Es ist der 8. Juni 2014, der VfL empfängt den 1. FFC Frankfurt zum letzten Saisonspiel im Kampf um die Meisterschaft. Die Ausgangslage für die Wölfinnen ist nicht gerade vielversprechend: Die Frankfurterinnen haben über weite Strecken der Saison Platz 1 der Tabelle belegt und ihnen reicht heute ein Unentschieden, um sich neben dem gewonnenen DFB-Pokal auch die Meisterschaft zu sichern. Nachdem Frankfurt in der 82. Minute ausgleichen kann, scheint das Spiel für die bis dahin ungeschlagenen Frankfurterinnen entschieden. Doch mindestens eine Wölfin lässt den Kopf nicht hängen, sondern macht ihn lang: In der 89. Minute köpft Alexandra Popp den Ball nach einem Freistoß ins Tor und erzielt damit den Siegtreffer zur Meisterschaft in der Saison 2013/2014. Ein starker Charakter und Willensstärke Ihre Karriere als eine der erfolgreichsten Fußballerinnen der jüngeren Fußballgeschichte ist keinesfalls selbstverständlich. Alexandra „Poppi“ Popp musste einige Hürden nehmen und viel Willen aufbringen, um diese Erfolge zu verzeichnen. Ihr Tor im Meisterschaftsspiel 2014 steht sinnbildlich für ihre unbändige Kampfbereitschaft, die sie als Spielerin auszeichnet. Trotz einiger Rückschläge kämpfte sie sich immer wieder zurück und schaffte es wieder nach ganz oben. So hat sich die Stürmerin ihren Traum von einer Fußballkarriere erfüllt – immer auch im Sinne der Mannschaft. Sowohl in der Nationalmannschaft als auch im Verein kann sie bis heute unzählige Titel vorweisen. Durch ihren starken Charakter und ihren unermüdlichen Kampfgeist avancierte sie sich zur Führungsspielerin, die sich sportlich durch ihre Athletik, ihr starkes Zweikampfverhalten und ihre Kopfballstärke auszeichnet. Vom Ruhrgebiet ins Wolfsgebiet Alex Popp wurde 1991 am Rande des Ruhrgebiets geboren und begann mit vier Jahren beim FC Schwarz-Weiß Silschede Fußball zu spielen. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr blieb sie dem Verein treu. Zu dieser Zeit war sie die einzige weibliche Spielerin an der DFB-Eliteschule des Fußballs Berger Feld in Gelsenkirchen und trainierte dort mit den Nachwuchsfußballern des FC Schalke 04. Ihre Profikarriere begann sie beim FFC Recklinghausen, bevor sie 2008 ihr Bundesliga-Debüt beim FCR 2001 Duisburg feierte. Ein internationales Angebot aus Lyon lehnte sie damals ab. Unter ihrer Duisburger Trainerin Martina Voss-Tecklenburg, spätere Bundestrainerin, spielte die Linksfüßerin zunächst als linke Außenverteidigerin. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: In ihrer ersten Saison in Duisburg holte die Mannschaft direkt das Double aus DFB-Pokal und UEFA-Cup ins Ruhrgebiet. 2012 wechselte Alex Popp zum VfL Wolfsburg und gab ihr Debüt unter Ralf Kellermann. Mit der Mannschaft, für die sie bis heute aktiv ist, holte sie in ihrer ersten Saison direkt das Triple nach Niedersachsen. Sie konnte ihrer Mannschaft unter anderem mit 12 Toren in der Bundesliga zu diesem Erfolg verhelfen. Die gewonnene Meisterschaft wurde jedoch von ihrer Verletzung überschattet, die sie sich im letzten Saisonspiel im Kopfballduell mit einem lauten Schrei zuzog. Diagnose: Außenbandriss und eine Kapselverletzung – zwei Monate vor der EM und elf Tage vor dem Champions-League-Finale gegen Lyon in London. Ihr bedingungsloser Einsatz für die Mannschaft war auch zum damaligen Zeitpunkt schon beispielhaft. So nutzte sie jede Sekunde für die Heilung und verzichtete sogar auf die Teilnahme am Abschlusstraining, um im Finale für die Mannschaft antreten zu können. Aufgrund verletzungsbedingter Ausfälle spielte die Nummer 11 der Wölfinnen im Finale als linke Außenverteidigerin und verhalf ihrer Mannschaft zum 1:0-Sieg. Ihr sportlicher Tiefpunkt im Vereinsfußball war das Champions-League-Finale 2018 gegen Lyon. Popp sah in der Verlängerung nach einer Führung des VfL die gelb-rote Karte für ein unnötiges Foul, woraufhin Lyon das Spiel drehte und mit 4:1 gewann. Bis heute hat die Rekordspielerin des VfL Wolfsburg in 380 Spielen knapp 190 Tore erzielt und der Mannschaft so zu sportlichem Erfolg verholfen. Ein ganzes Sammelalbum lässt sich mit ihren Titeln füllen. Sie gewann dreimal die Champions League, wurde siebenmal Deutscher Meister und holte insgesamt zwölf DFB-Pokalsiege. Internationaler Erfolg und der Fluch der Europameisterschaft Noch bevor Alex Popp 2010 unter Trainerin Silvia Neid in die A-Nationalmannschaft nachrückte, verzeichnete sie internationalen Erfolg an der Jugend-Weltspitze: 2008 wurde sie U17-Europameisterin in der Schweiz und 2010 U20-Weltmeisterin in Deutschland, wobei sie als Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde. Ihre Bilanz als A-Nationalspielerin ab 2010 ist nicht weniger beeindruckend: Von 145 Spielen konnte sie 105 für sich entscheiden, nur 25 davon verlor sie mit der deutschen Mannschaft. Ihr größter Erfolg mit dem DFB-Team war der Olympiasieg 2016 in Rio de Janeiro, den die deutsche Mannschaft im Finale gegen Schweden mit 2:1 für sich entscheiden konnte. Eines der wenigen Spiele der Nationalmannschaft, in denen Popp nicht getroffen hat. Insgesamt hat sie 67 Tore für das DFB-Team erzielt und reiht sich damit in der Torschützenliste der Nationalmannschaft auf Platz 3 ein. Nur Heidi Moor und Birgit Prinz, der sie als Mittelstürmerin in der Nationalmannschaft folgte, trafen in der Geschichte der Nationalmannschaft häufiger. Ihre Führungsqualitäten wurden in der Nationalmannschaft ebenfalls gewürdigt: 2019 wurde sie zur Kapitänin ernannt und stellte ihre Fähigkeiten einmal mehr unter Beweis. Als Führungsspielerin brachte sie die deutsche Nationalmannschaft immer wieder zu Höchstleistungen. Ein Zitat, das die Wichtigkeit von Popp auf dem Feld zusammenfasst: „Ich sag ja immer: Poppi stirbt für jemanden auf dem Platz. Poppi gibt einfach immer alles, geht immer vorne weg, ist ein Leader-Typ, ist auch wirklich eine der wenigen Spielerinnen, die in der Lage ist, unangenehme Dinge auszusprechen. Auch emotional auf dem Platz zu reagieren, die anderen auch aufzurütteln und mitzunehmen. Sie ist eben ein Typ. Und ich bin der festen Überzeugung, dass du Turniere nur mit Typen gewinnen kannst.“ , sagt Martina Voss-Tecklenburg in der Sportschau Doku „Alex Popp- Comeback der Kapitänin“ Allerdings war die dreimalige Fußballerin des Jahres auch hier von Verletzungen geplagt. Besonders die Europameisterschaften schienen für sie verflucht zu sein. Bis 2022 konnte sie verletzungsbedingt an keiner EM teilnehmen und auch ihre Teilnahme an der EM 2022 war aufgrund einer Corona-Infektion kurz vor Turnierbeginn unklar. Das Turnier in England verlief für die Stürmerin jedoch erfolgreich: Mit sechs Treffern reihte sie sich in ihrer ersten Europameisterschaft gleich auf Platz eins der Torschützinnenliste neben Beth Mead ein. Doch auch diese EM sollte nicht ohne Wermutstropfen verlaufen. Vor dem Finalspiel gegen England verletzte sich Alex Popp im Training und zog sich aus der Startelf zurück, weil sie sich nicht voll leistungsfähig fühlte. Ein abermaliger Beweis ihres starken Charakters und des Einsatzes für ihr Team, das den EM-Titel im Finale mit 2:1 nach Verlängerung knapp verpasste. Vorbild mit Verantwortung Die Europameisterschaft 2022 war ein Schlüsselmoment für den Frauenfußball. Seitdem erlebt dieser einen rasanten Aufstieg und erfreut sich steigender Popularität. Zu dieser positiven Entwicklung und diesem Erfolg hat Alex Popp als Führungsfigur und Weltklasse-Fußballerin maßgeblich beigetragen. "Der Aufschwung, den der Frauen- und Mädchenfußball in Deutschland erlebt, hat viel mit der Person Alexandra Popp zu tun. Als sie selbst mit dem Fußballspielen begann, gab es nicht viele weibliche Vorbilder, denen sie nacheifern konnte. Heute ist der Frauenfußball sichtbarer, die Spielerinnen sind Stars, an denen sich die Mädchen, aber auch Jungs orientieren. Ihre Trikots werden von weiblichen und männlichen Fans gekauft, insbesondere das Popp-Trikot - sie wollen spielen wie 'Poppi'. Seit der Europameisterschaft 2022 in England hat diese Entwicklung eine neue Dimension erreicht - auch und vor allem dank Alexandra Popp, da sie mit Leidenschaft, Willensstärke und wunderschönen Toren brilliert. Sie hinterlässt als Nationalspielerin ein großes und wertvolles Erbe.", sagt Sabine Mammitzsch, DFB-Vizepräsidentin für Frauen- und Mädchenfußball. Die Stürmerin nimmt ihre Verantwortung als Vorbild ernst. Sie hat sich zu unangenehmen Themen immer wieder geäußert und kritisiert Fußball-Funktionäre sowie den DFB hinsichtlich der Akzeptanz des Frauenfußballs. Darüber hinaus setzt sie sich für bessere Rahmenbedingungen im Frauenfußball ein und ist Patin eines Anti-Rassismus-Projekts an einer Schule. Während ihrer Karriere hat sie immer wieder junge Spielerinnen an die Hand genommen und vorgelebt, was zu einer verantwortungsvollen Fußballerin mit Vorbildfunktion dazugehört. Sommer 2026 als Horizont Im vergangenen Jahr, wenige Wochen nachdem sie mit der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Sommerspielen 2024 die Bronzemedaille gewonnen hatte, kündigte Alex Popp ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft an. Nach 18 Jahren beendete sie im Oktober 2024 ihre Karriere dort, wo sie angefangen hatte: In Duisburg, dem Ort ihres Bundesliga-Durchbruchs. In einem ergreifenden letzten Spiel wurde die Rekord-Nationalspielerin nach 15 Minuten ausgewechselt und erfuhr eine emotionale Verabschiedung inklusive Ehrenrunde. Als eines der prägendsten Gesichter der Nationalmannschaft fiel ihr der Abschied nicht leicht. Neben ihren herausragenden fußballerischen Qualitäten, ist es eine große Herausforderung, ihre Persönlichkeit und Mentalität zu ersetzen. Diese Eigenschaften sind dem VfL Wolfsburg noch erhalten geblieben. Popps Vertrag läuft noch bis Sommer 2026, was danach kommt, ist unklar. Aus sportlicher Sicht gibt es aktuell jedoch keinen Anlass, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Die heute 34-Jährige mischt in der aktuellen Saison wieder ganz vorne in der Torschützenliste mit. Die gute Nachricht ist, dass die Chancen laut ihren eigenen Aussagen gut stehen, dass sie der Fußballwelt in irgendeiner Form erhalten bleibt, wenngleich unklar ist, in welcher Funktion. Die schlechte Nachricht ist, dass der deutsche Frauenfußball mit dem Ende ihrer aktiven Karriere ein großes Vorbild mit dem Instinkt und absoluten Siegeswillen einer Stürmerin verlieren wird. Die Eigenschaften, die dem VfL Wolfsburg 2014 im Spiel gegen Frankfurt zur Meisterschaft verhalfen. Dieses Tor bezeichnet Popp heute selbst als eins der besten und wichtigsten ihrer Karriere. Quelle RE: Soccerdonna Legenden des Frauenfußballs - KLAUS - 20.12.2025 20.12.2025 - 11:00 Uhr | News | Quelle: sd | von: Jan Klein Reesink Türchen Nummer 20: Perpetua Nkwocha – die Spielerin, die den Moment anhielt ![]() Der Ball kommt nicht perfekt. Er springt leicht, der Raum ist eng, zwei Gegenspielerinnen sind nah. Für einen Moment wirkt es, als müsse etwas passieren – schnell, hektisch, vielleicht mit Risiko. Perpetua Nkwocha aber wartet. Ein Kontakt, kaum sichtbar. Der Druck verpufft. Der Pass folgt. Und plötzlich hat das Spiel wieder Ordnung. So war die 1,80 Meter große Nkwocha. Eine Spielerin, die dem Chaos die Spitze nahm. Nicht, indem sie es bekämpfte, sondern indem sie es verstand. Sie spielte Fußball, als würde sie zuhören. Den Bewegungen, den Abständen, dem Rhythmus. Während andere suchten, wusste sie oft schon, wo der Raum entstehen würde. Ihre Entscheidungen wirkten selten spektakulär, aber fast immer richtig. Und genau darin lag ihre Stärke. Geboren 1976 in Lagos, wuchs Nkwocha in eine Zeit hinein, in der der Frauenfußball in Nigeria kaum sichtbar war und auch in weiten Teilen Afrikas um Anerkennung kämpfte. Doch als sie sich aus dem internationalen Fußball zurückzog, war sie nicht nur ein bekannter Name, sondern hatte sich auch in die Rekordbücher des afrikanischen Sports eingetragen. Als sie Ende der 1990er-Jahre Teil der Nationalmannschaft wurde, ging es noch nicht um Vermächtnisse oder Rekorde. Es ging darum, da zu sein. Zu bestehen. Zu bleiben. Nkwocha tat genau das – über Jahre hinweg. Nkwocha erzielte bis zu ihrem Karriereende in der Nationalmannschaft in 101 Länderspielen 84 Tore. Die Nationalmannschaftszeit: Eine Erfolgsgeschichte für die Ewigkeit Ihr aller letztes Spiel für nigerianische Nationalmannschaft bestritt sie am 12. Juni 2015 beim zweiten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft gegen Australien. Nkwocha wurde in der 54. Minute eingewechselt und war mit 39 Jahren und 160 Tagen die älteste Spielerin, die je bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt wurde. Dieser Rekord hielt allerdings nur ein paar Tage, bis die US-Amerikanische Nationalspielerin Christie Pearce (ehemals Rampone) diese Bestmarke übertraf im Spiel gegen Nigeria (1:0-Sieg für die USA). Zu diesem Zeitpunkt war sie 39 Jahre, elf Monate und 23 Tage alt. Mittlerweile hat diesen Rekord die Brasilianerin Formiga inne. Beim ersten Gruppenspiel der Südamerikanerinnen bei der Weltmeisterschaft 2019, gegen den WM-Neuling Jamaika (3:0), stand die 41 Jahre und 98 Tage alte Mittelfeldspielerin der Seleção in der Anfangsformation. Mit den Super Falcons erlebte Nkwocha nahezu alles, was der internationale Fußball zu bieten hatte. Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, kontinentale Turniere. Und doch wirkte sie nie wie eine Spielerin, die von großen Bühnen lebte. Ihr Spiel blieb gleich. Ruhig. Klar. Verlässlich. Besonders beim „Africa Women Cup of Nations“ wurde ihre Bedeutung greifbar. Dort erzielte sie Tore in Serie, manchmal so viele, dass ihr persönlicher Torerfolg denen der ganzen Nationen übertraf. Mit stolzen 34 Treffern ist sie Rekordtorschützin dieses Wettbewerbs, davon vier Tore im Finale gegen Kamerun beim 5:0-Sieg im südafrikanischen Johannesburg 2004. Nkwocha ist damit die einzige Spielerin jemals, die in einem WAFCON-Finale vier Tore erzielt hatte. In Summe erzielte sie in fünf Spielen ganze neun Tore und wurde natürlich so auch beste Torschützin des Turniers. Zu diesem Turnier äußerte sich Nkwocha später auch in einem Interview mit SportsBoom: „Mein Lieblingsmoment war, als ich neun Tore in einem bestimmten Turnier (WAFCON) erzielte, das in Südafrika ausgerichtet wurde. Und mein absoluter Lieblingsmoment insgesamt war, mit den Super Falcons die WAFCON-Trophäe mehrmals in Folge zu gewinnen.“ Mit diesem Turnier setzte die Nigerianerin auch neue Maßstäbe. Ihr Einfluss auf den Afrika-Cup war so überwältigend, dass die CAF die Auszeichnung „Beste Spielerin des Turniers“ einführte, indem sie sie ihr überreichte. Insgesamt gewann sie fünfmal den Afrika-Cup (2000, 2002, 2004, 2006, 2010 und 2014). Bei vier der fünf Triumphe erhielt Nkwocha auch die persönliche Auszeichnung als beste Torschützin (2002, 2004, 2006, 2010). Turniere, die sie nahezu allein prägte. Ihre Bilanz von 34 Toren beim Afrika-Cup bleibt ein Rekord, den niemand bisher annähernd brechen konnte. Die nigerianische Stürmerin Asisat Oshoala (31) wurde als Thronfolgerin von Nkwocha angepriesen, liegt mit ihren 15 Afrika-Cup-Treffern aber deutlich zurück. Trotz all dieser beeindruckenden Zahlen blieb Nkwocha stets dieselbe Spielerin: nicht laut, nicht fordernd, nicht inszeniert. Die ruhige Star-Spielerin Ihre Treffer waren selten Jubel-Explosionen. Sie entstanden aus Positionierung, aus Geduld, aus dem Gefühl für den richtigen Moment. Man hatte nie den Eindruck, dass sie erzwingen wollte, was ohnehin kommen würde. Auch in Europa änderte sich daran wenig. Beim schwedischen Klub Sunnanå SK spielte sie sich nicht in den Vordergrund, sondern ins Gefüge. Später als Spielertrainerin wurde sichtbar, was ihr Spiel schon lange verraten hatte: Nkwocha dachte Fußball nicht in Szenen, sondern in Zusammenhängen. Sie sah Muster, bevor sie entstanden. Viermal wurde sie zur Afrikas Fußballerin des Jahres gewählt (2004, 2005, 2010, 2011). Die Auszeichnungen wirkten fast nebensächlich. Wie eine formale Notiz zu etwas, das auf dem Platz längst klar war: Diese Spielerin funktionierte. Immer. Über Jahre. Nach ihrer aktiven Karriere blieb Nkwocha im Fußball. Nicht als Figur im Rampenlicht, sondern dort, wo Erfahrung weitergegeben wird. Im Alltag, in Gesprächen, in kleinen Korrekturen. So, wie sie auch gespielt hatte. Eine Lobeshymne Soccerdonna-Autor Jan Klein Reesink bilanziert: „Perpetua Nkwocha hinterließ keine ikonischen Jubelbilder. Kein einzelnes Tor, das alles überstrahlt. Was bleibt, ist ein Gefühl: Dass mit ihr auf dem Platz alles passte. Dass das Spiel mit ihr auf dem Platz stringent in eine Richtung ging: nach vorne. Und vielleicht ist genau das ihre größte Hinterlassenschaft.“ Quelle |